Ermittlungen

Dramatische Rückkehr einer Oberhausenerin aus dem „Kalifat“

Die Zeiten des „Kalifats“ sind vorbei – die militärische Niederlage des so genannten „Islamischen Staates“ gilt als besiegelt. 

Die Zeiten des „Kalifats“ sind vorbei – die militärische Niederlage des so genannten „Islamischen Staates“ gilt als besiegelt. 

Foto: dpa

Oberhausen.   Über 1000 mutmaßliche IS-Anhänger sind aus Deutschland Richtung Syrien gereist. Viele kehren nun zurück: ein dramatischer Fall aus Oberhausen.

Der Fall der mutmaßlichen IS-Anhängerin Carla S. (31) aus Oberhausen, die mit ihren drei Kindern über die Türkei aus Syrien zurückgekehrt ist, hat am Wochenende ein bundesweites Medienecho ausgelöst. Seitdem die Terrororganistion „Islamischer Staat“ (IS) militärisch als besiegt gilt und über kein eigenes Gebiet (von den Dschihadisten „Kalifat“ genannt) mehr verfügt, kehren immer mehr vor Jahren aus Europa nach Syrien ausgereiste, mutmaßliche IS-Anhänger nach Deutschland zurück.

Umstritten ist, wie die Bundesrepublik mit diesen Menschen umgehen soll. Auch vor diesem Hintergrund gewinnt der Fall der Oberhausenerin nun eine beispielhafte Bedeutung und wegweisende bundespolitische Dimensionen.

Ein Kind starb bei einem Angriff der Alliierten

Besondere Dramatik erhält das Schicksal der Oberhausenerin, weil sie mit drei Kindern nach Deutschland zurückgekommen ist, eines der Kinder ist im IS-Gebiet geboren worden. Nach der Landung des Flugzeuges in Stuttgart am Donnerstagabend wurde die Frau vorläufig inhaftiert. Um die Kinder kümmerte sich zunächst das Jugendamt.

Im Herbst 2015 war die Oberhauserin nach Syrien aufgebrochen. Ihre drei Kinder nahm sie damals mit – offenbar gegen den Willen des Vaters. Ein Kind (8) starb bei einem Angriff der Alliierten gegen den „Islamischen Staat“. Ein weiteres Kind bekam die Frau offenbar in Syrien.

Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt

Von dort schickte sie Ende 2017 nach Informationen unserer Redaktion per WhatsApp ihrer Mutter in Oberhausen ein Foto, das sie Arm in Arm mit einem Mann aus Kenia zeigt, der auf dem Bild eine Handgranate präsentiert – wie es heißt: offenbar ihr Ehemann.

Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt gegen die Frau, die als islamistische „Gefährderin“ eingestuft ist, jetzt nicht wegen Terrorverdachts, sondern wegen Kindesentziehung. Die Behörden gehen davon aus, hierzu einen dringenden Tatverdacht herleiten zu können, der notwendig ist für einen Haftbefehl. Der Vater und die in Oberhausen-Mitte wohnende Großmutter sind jetzt offenbar in die Betreuung der Kinder eingebunden.

Flucht bis an die Grenze zur Türkei

Die „Bild am Sonntag“ (BamS) skizziert den Weg der Oberhausenerin in Nahost: Mit der fortschreitenden militärischen Niederlage des „Islamischen Staates“ in Syrien begann für die mehrfache Mutter offenbar eine Zeit der permanenten Flucht, die sie letztlich ins syrisch-irakische Grenzgebiet führte, wo sie anscheinend keinen Ausweg und keine Zukunft für sich und ihre Kinder mehr sah. Sie setzte laut BamS vergeblich auf die Hilfe von Schleusern, landete schließlich in einem syrischen Flüchtlingslager in einer Region nahe der Grenze zur Türkei, wo die türkischen Behörden so viel Einfluss besitzen, dass sie – nach Intervention deutscher Diplomaten – die Familie schließlich in die Türkei bringen konnten, von wo aus nun der Flug nach Deutschland ging.

Unklar ist noch, ob gegen die Oberhausenerin auch ausreichend Hinweise für einen möglichen Terrorverdacht vorliegen. Die Staatsanwaltschaft prüft das derzeit.

>>> Voll verschleiert schon in Oberhausen

Carla S. fiel nach Informationen unserer Redaktion schon in Oberhausen auf, bevor sie nach Syrien aufbrach. Sie wohnte nahe der Marktstraße und lief voll verschleiert durch Stadtmitte.

Aus Syrien schickte sie Nachrichten an ihre in Oberhausen lebende Mutter, in denen sie um Geld bat – angeblich wegen der Kinder.

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