Ruhrpott-Lesung

Dirksen und Janssen: Reimemonster in Oberhausens VHS

Hubertus A. Janssen und Jens Dirksen hatten alles dabei, was ihr Buchtitel versprach – nämlich (v.re) „Kohle, Kappes, Koniferen“.

Hubertus A. Janssen und Jens Dirksen hatten alles dabei, was ihr Buchtitel versprach – nämlich (v.re) „Kohle, Kappes, Koniferen“.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Feld? Bestellt. Die humorvolle Heimatkunde des Autorenduos Dirksen und Janssen fällt im ausverkauften Bert-Brecht-Haus auf fruchtbaren Boden.

Ein Mediziner aus Westfalen, reimte mit Wonne statt Qualen, hat einen Kollegen, der Zeitung wegen, und kann mit Zuhören jetzt prahlen. Limericks sind nach festliegendem Reim- und Versschema scherzhafte Gedichte in fünf Zeilen. Für Hubertus A. Janssen sind sie sein Salz in der Suppe. Der Arzt und Dichter beackerte am Mittwochabend zusammen mit WAZ-Kulturchef Jens Dirksen (Gartenkolumne: „Querbeet“, „Kraut und Rüben“) Oberhausen – und die über 60 Zuhörer zahlten dem Kulturbauern Dirksen und Notfalldichter Janssen mit „Handgeld“ Applaus zurück.

Kraut und Rüben: Der Garten als Nahrungsquelle für Bergleute

Bei der Kruppschen Villa Hügel in Essen wurde bekanntlich nicht gekleckert, sondern geklotzt. Brunnen, Brücken, barocke Gärten – all das blieb den Bergarbeitern stets verwehrt. Doch mit der Einführung des Acht-Stunden-Tags vor rund hundert Jahren spendierten die Kohlebarone ihren Untergegeben endlich eigenes Grabeland. „Weil die Männer aber unter Tage malochten, waren die ersten Bauern Frauen“, erzählt Jens Dirksen den Zuhörern im Bert-Brecht-Haus. Das habe womöglich zu der Redewendung geführt, die viele Kumpel untereinander lange tönen ließ: „Du darfst nie mehr Land haben, als deine Olle umgraben kann.“

Die „Olle“ sei selbstredend kein adäquater Ausdruck für eine Ehefrau, beschwichtigt der Kulturchef der WAZ das Publikum. Nötig ist das nicht, denn die Zuhörer lauschen dem Kulturbauern Dirksen genauso gespannt wie dem tierisch gutem Dichter Janssen. Der reimt in „Mein Schwein hat Borderline“ vegetarisch unkorrekt von „Schweinen, die hinken / sind schon bald Hinterschinken.“ Der Westfale aus dem Münsterland ist zwar hauptberuflich Internist, doch er hat mit seinem Buch „der Lurch hält durch“ längst klargemacht, dass unter dem Arztkittel ein talentiertes Reimemonster lauert.

Hubertus A. Janssen: Der Arzt mit dem „Lurchblick“

Janssen könne eben alles kürzer sagen, als er in seiner Kulturspalte je schreibe, ulkt Dirksen. Die Harmonie des Autorenteams und ihre Geschichten stecken an. Nach rund anderthalb Stunden Lesung wollen viele ihr Mitbringsel per Autogramm „entwertet“ haben. Zwischen Eichhörnchen Horst und Halde Hilde passte sogar ein Beitrag mit Klimawandel-Anstrich. Früher habe es selbst in Oberhausen Schnee gegeben, erinnert Hubertus A. Janssen die Zuschauer an Februare mit Schal statt Übergangsjacke. Seine pointierte Poesie fegt wie das „Rind im Wind“ die Erinnerung an kalte Wintertage zurück in die Köpfe: „In diesem Schnee denk ich an Tee, das Reh an Klee.“ Einfach, aber wahr.

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