Klassik-Matinee

Dieser Pianist wäre Schuberts wahrer „Teufel“

Ein Könner und großer Gestalter, der auch bei bekannten Werken seines Repertoires, neu aufhorchen lässt:Eduard Kiprsky begeisterte erneut seine Fans im Ebertbad.

Foto: Jörg Schimmel

Ein Könner und großer Gestalter, der auch bei bekannten Werken seines Repertoires, neu aufhorchen lässt:Eduard Kiprsky begeisterte erneut seine Fans im Ebertbad. Foto: Jörg Schimmel

Oberhausen.   Eduard Kiprsky, ein Favorit der Oberhausener, spielt eine überrumpelnde Matinée im Ebertbad mit schwierigsten Klavierstücken.

Seit Jahren gehört Eduard Kiprsky, inzwischen weltweit unterwegs, zu den Lieblingen des Oberhausener Publikums. Dennoch konnte man bei der Matinée im Ebertbad das Gefühl haben, ihn so noch nicht gehört zu haben, gerade auch bei dem einen oder anderen Werk, das man von ihm bereits kannte.

Aufhorchen ließ schon die für ihre Zeit unkonventionelle C-Dur-Sonate von Haydn, deren langsamer erster Satz ein eigentlich galantes Thema auf eigenartig spontan-improvisatorische Weise verarbeitet. Erster Höhepunkt war die „Wanderer-Fantasie“ von Schubert, in der der Komponist Motive seines Liedes „Der Wanderer“ („Ich bin ein Fremdling überall“) formal in einer Weise verarbeitet, die auf spätere Entwicklungen, etwa bei Liszt, vorausweist.

Publikum spendet tosenden Applaus

Der melancholischen Düsternis des „unbehausten“ Romantikers, aber auch den zu orchestraler Wucht sich steigernden Ausbrüchen verlieh Kiprsky eine verstörende Intensität. „Der Teufel soll das Zeug spielen“ soll Schubert einmal angesichts der pianistischen Schwierigkeiten geäußert haben, denen er selbst nicht gewachsen war. Vielleicht wäre Kiprsky für ihn der richtige „Teufel“ gewesen.

Rachmaninows letztes größeres Klavierwerk, die „Corelli“-Variationen, ist ein Werk von zergrübelt-herbem, mitunter schroffem Charakter, dem die sonst für den Komponisten typische schwelgerische Lyrik fehlt. Wie man aber auch ein solches Werk durch sensibelste klangliche Ausdifferenzierung zu innerem Leben erwecken kann, zeigte Kiprsky auf überzeugende Weise

Hatte er schon vorher in „La Campanella“ bewiesen, dass auch äußerste Virtuosität mit praller, raffinierter Musikalität zu vereinen ist, so lieferte er einen überrumpelnden Schluss mit Strawinskys drei „Petruschka“-Sätzen, die zum Schwierigsten gehören, was für Klavier geschrieben wurde. Wie da vordergründig lärmende Folklore zur magischen Folie für das Drama um die beseelte Holzpuppe wurde, riss das Publikum zu tosendem Beifall hin.

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