Abschied vom Berufsleben

Die „Frau der Zahl“ kann jetzt länger schlafen

Am Mittwoch war ihr letzter Arbeitstag: Maria Guthoff, Geschäftsführerin der Wirtschaftsbetriebe Oberhausen, feierte mit allen Mitarbeitern Abschied. Mit im Bild ihr Kollege Guido Hanning (l.) und ihr Nachfolger Andreas Kußel.

Am Mittwoch war ihr letzter Arbeitstag: Maria Guthoff, Geschäftsführerin der Wirtschaftsbetriebe Oberhausen, feierte mit allen Mitarbeitern Abschied. Mit im Bild ihr Kollege Guido Hanning (l.) und ihr Nachfolger Andreas Kußel.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Nach 44 Jahren im öffentlichen Dienst geht Maria Guthoff, zuletzt kaufmännische Geschäftsführerin der WBO, in den Ruhestand. Ein Blick zurück.

Wachablösung bei der Wirtschaftsbetriebe Oberhausen (WBO) GmbH: Maria Guthoff, kaufmännische Geschäftsführerin und Vertreterin der 50-prozentigen städtischen Anteile an dem in „private public partnership“ geführten Unternehmen, hatte gestern ihren letzten „aktiven“ Arbeitstag. Ausscheiden wird sie Mitte Juni, dann bleibt sie aber noch drei Jahre auf der Gehaltsliste, denn dann beginnt die Passivphase ihrer Altersteilzeit. Nachfolger ist der bisherige WBO-Prokurist Andreas Kußel.

Wahrscheinlich wird Maria Guthoff am Donnerstag wie immer gegen fünf Uhr morgens wach, denn sie hat sich das frühe Aufstehen in langen Dienstjahren angewöhnt und damit auch den frühen Arbeitsbeginn. Dass sie morgens um sechs am Schreibtisch sitzt und in den Stunden ohne Betrieb drumherum sorgfältig und konzentriert arbeitet, das war ihr zur zweiten Natur geworden. Länger schlafen zu können, ist ein Luxus, den man sich dann erst erarbeiten muss. Alle gönnen ihr diesen Luxus, denn in mittlerweile 44 Jahren nicht nur im, sondern auch für den öffentlichen Dienst hat die gebürtige Rothebuscherin der Stadt und den Menschen gute Dienste erwiesen.

Streusalz aus Tunesien

Ihr letztes „Kommando“ für die Stadt dauerte über achteinhalb Jahre. Im November 2010 trat sie den Dienst an der Buschhausener Straße an und hatte über Nacht mit einem Winter der strengeren Sorte zu tun – und einem unverschuldeten Missgeschick. Die Suche nach Streusalz war in ganz Deutschland hektisch geworden, und einige Kommunen (auch Oberhausen) erwarteten Salz aus Tunesien. „Das ist nie angekommen, sondern in irgendwelchen dunklen Kanälen versickert“, erinnert sich Maria Guthoff lachend: „Wir haben aber auch nichts bezahlt“, kommt prompt hinterher. Die „Frau der Zahl“, wie man sie im Rathaus bisweilen nannte, ist immer korrekt. Kanäle und Straßen, Abfall und seine Beseitigung, das „bisschen“ Winterdienst – das sind die von der Öffentlichkeit stets kritisch beäugten Hauptaufgaben der WBO, und die beliebte Chefin kannte schon bei Dienstantritt das Geschäft in- und auswendig. Maria Guthoff hatte in den frühen 90er Jahren im Büro von Oberstadtdirektor Burkhard Drescher das Zahlen- und Datenwerk hinter Stadtreinigungsamt und Tiefbauamt, Abteilung Kanalisation, durchleuchtet. Jede Position war ihr vertraut, denn sie bereitete in der Stabsstelle für städtische Beteiligungen die Ausgliederung aus der Kernverwaltung und die Überleitung in die GmbH mit dem privaten Entsorgungs-Riesen Remondis vor. Als sie später zur WBO kam, brauchte niemand zu versuchen, ihr ein X für ein U vorzumachen, Zahlen, Daten und Fakten kennt diese Frau aus dem Eff-Eff.

Herausforderung „Projekt 22“

Auf ihren Nachfolger sieht sie eine besondere Herausforderung zukommen, das „Projekt 22“, wie im Hause der Umstand heißt, dass 2022 überprüft werden wird, ob die WBO bleibt, wie sie ist oder zurück in die Verwaltung genommen wird. „Rekommunalisierung ist derzeit ein Trend“ weiß die Geschäftsführerin, „aber wir sind in der jetzigen Aufstellung besser und flexibler als vom Rathaus aus gesteuert.“

Man kann es als eine Art Vermächtnis nehmen.

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