Bühnen-Abschied

Die „Drei Dötze“ sorgten sechs Jahrzehnte für gute Laune

Die „Drei Dötze“ standen vor allem für gute Laune und Stimmung. Ihr „Ri-Ra-Ro RWO“ erklingt noch heute bei jedem Heimspiel im Stadion Niederrhein. Repro:Kerstin Bögeholz

Die „Drei Dötze“ standen vor allem für gute Laune und Stimmung. Ihr „Ri-Ra-Ro RWO“ erklingt noch heute bei jedem Heimspiel im Stadion Niederrhein. Repro:Kerstin Bögeholz

oberhausen.   Das beliebte Trio zieht sich altersbedingt von der Bühne zurück. Manni Koppers erzählt von Jahren voll Musik, Erlebnissen und Begegnungen.

Ziemlich genau 60 Jahre waren sie intakt und im Takt. „Die Drei Dötze“ sorgten für Stimmung und Unterhaltung in karnevalistischen Sälen vom Altmarkt bis zur Luise-Albertz-Halle, im Fernsehen und in Altenheimen – und immer noch vor jedem Heimspiel von Rot-Weiß Oberhausen. Ihren letzten Auftritt haben sie schon eine Weile hinter sich, einen neuen gibt’s nicht mehr: „Ja“, bestätigt Manfred Koppers, „es wird auch kein Abschiedskonzert geben.“

Zum Mitsingen und Mitschunkeln

Das ist ein bisschen bitter, für die Freunde des Trios ebenso wie für den vielerorts beliebten „Manni“, aber: „Wir sind ja nicht jünger geworden, und die Auftritte verlangen dem Körper schon einiges ab.“ Immerhin: Adolf Gerhards ist 81, Heinz Koppers 76, Manfred Koppers 78. Der Letztgenannte – früher Feuerwehrmann, Fußballer und Fußballtrainer – ist wohl noch der Fitteste und hadert ein wenig: „Schade, dass wir uns nicht auf der Bühne verabschieden können, wie es sich meiner Meinung nach gehört hätte, aber da kann man wohl nichts machen.“

Was bleibt, sind Erinnerungen. Erinnerungen an Jahrzehnte mit jeder Menge Musik, an Begegnungen und Erlebnisse. Die ersten 25 Jahre war die Besetzung auch noch anders, denn Theo Behle musizierte zunächst mit Adolf Gerhards und Manfred Koppers, ehe er sich 1982 ganz und gar ins Musikgeschäft begab. Die „Dötze“ waren nämlich immer Amateure, während ihr alter Wegbegleiter seither auch für Heino und andere Branchengrößen textet und komponiert.

„Botschafter des deutschen Karnevals“ auf Mallorca

Der Stil der „Dötze“, die nach 1982 zunächst zwei, drei verschiedene Leute zum Mitmachen gefunden hatten, ehe sich Koppers-Bruder Heinz anschloss, blieb immer gleich. Gute Laune, Stimmung, Seligkeit, gefällige Gitarrenakkorde, bunte Jacken, Refrains zum Mitsingen und Mitschunkeln. Es kommt einem heute seltsam vor, aber in den sechziger und siebziger Jahren hatte das gereicht, um im „Blauen Bock“ mit Otto Höpfner aufzuspielen und von Hubert von Meyerinck in der ersten live übertragenen ZDF-Show (in der neuen Oberhausener Stadthalle) angesagt zu werden – Rudolf Schock und Dagmar Koller sangen da übrigens auch. Dass es reichte, um 1974 in Mallorca als „Botschafter des deutschen Karnevals“ aufzutreten, wundert da weniger, eher schon eine Einladung zu der ungeheuer beliebten Samstagabend-Show „Wünsch’ dir was“. Und Fanpost stapelte sich. . .

Die „Dötze“ – fest dem Oberhausener Karneval und der AOK Weiß-Rot als „Hausband“ verbunden – gehörten zu ihren Glanzzeiten zu den Lieblingen der Oberbürgermeisterin: „Sie schenkte uns sogar eine Medaille und bedankte sich vor allem für das soziale Engagement, weil wir ja auch viel für Lebenshilfe, Friedensdorf, Arbeiterwohlfahrt und so auftraten“, erinnert sich Manni Koppers. Ein Lied hatten sie für „Frau Oberbürgermeister“ auch parat: „Luise, Luise, keine ist wie diese“, hieß es da. „Du bist ein Wunderkind“ und „Du bleibst der reinste Sonnenschein“ lauteten andere Verse.

Zementiert im Musikgedächtnis der Stadt sind sie aber mit „Ri-Ra-Ro RWO“, dem 1969 zum Bundesligaaufstieg entstandenen Schlager, der heute noch vor jedem Match der „Kleeblätter“ gespielt wird. Manni Koppers hört ihn immer, denn er hat einen Stammplatz auf der Tribüne.

>>>>>>>>>> Trompetensolo auf der B-Seite

Erstmals war „Ri-Ra-Ro“ im Stadion Niederrhein am 19. Oktober 1969 zu hören. RWO gewann 3:1 gegen Hertha BSC, und die Nummer wurde zu jedem Tor eingespielt.


Auf der B-Seite der Schallplatte war übrigens das berühmte Trompetensolo „Il Silenzio“ des italienischen Komponisten Nini Rosso zu hören. Das war die Bedingung, die RWO-Präsident Peter „Pascha“ Maaßen dabei gestellt hatte. Ausgerechnet „Die Abschiedsmelodie“ war angeblich der Lieblingssong der Mannschaft des SC Rot-Weiß. Und den kurzen Sprechtext im Stück sagte „PM“ höchstpersönlich auf . . .

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