Laien-Theater

„Die Brenners“ nehmen Abschied von der Hobby-Bühne

Das letzte Ensemble der „Brenners“: hinten (v.li.) Barbara Schmidt, Rainer Hoffmann, Wilfried Hocks, Herbert Agata, Peter Dietz, Hildegard Dietz, Johannes Scholten sowie vorne (v.li.)

Das letzte Ensemble der „Brenners“: hinten (v.li.) Barbara Schmidt, Rainer Hoffmann, Wilfried Hocks, Herbert Agata, Peter Dietz, Hildegard Dietz, Johannes Scholten sowie vorne (v.li.)

Foto: Die Brenners

oberhausen.   Nach 30 Jahren löst sich die Laienspiel-Gruppe aus dem Schladviertel auf. Junge Rollen können nicht mehr besetzt werden. Ein Rückblick.

28 Schauspiele, meist Komödien, haben sie in den 30 Jahren ihres Bestehens aufgeführt. Vor gut vier Wochen, am 12. November, senkte sich letztmalig der Vorhang über einer Aufführung der Laienspielgruppe „Die Brenners“. Die Hobby-Darsteller, die im Gemeindeheim von St. Johannes an der Barbarastraße zu Hause waren, gehen auseinander. Nicht im Streit, sondern weil sie alt geworden sind und es an Nachwuchs fehlt. Junge Rollen können einfach nicht mehr besetzt werden.

„Neurosige Zeiten“ hieß ihr letztes Schauspiel, das sie im November dort fünf Mal gespielt haben. Auf einer Bühne, die den Rest des Jahres über im Keller des Gemeindeheims verstaut war. Und die aus altem Fußbodenholz der ehemaligen Sporthalle an der Lothringer Straße bestand, versehen bei Mannesmann in Mülheim/Ruhr mit ei­ner Un­terkonstruktion aus Rohrresten.

Den Kern der Gruppe bildeten 1987 Mütter von Kindern des benachbarten Kindergartens. „Die Mütter wurden ge­fragt, ob sie zu Weihnachten ein Märchen spielen wollten“, berichtet Hildegard Dietz. „Aschenputtel wurde ausgesucht und ich habe ei­ne bühnentaugliche Fassung geschrieben“, erzählt Maria Hanke. Das sei so gut angekommen, dass die Gruppe gebeten wurde, weiterzumachen und künftig für Erwachsene zu spielen.

„Keiner hat ja geglaubt, dass es so lange gut geht“

„Nun sag’s doch endlich“ hieß im Jahr darauf das erste „richtige“ Theaterspiel aus der Feder eines professionellen Autors. Und weil eine Familie Brenner darin die Hauptrolle spielt, nannte man sich fortan nach ihr.

Bis zu ihrem Tod 2006 war Anita Brandt die Seele des Teams. Sie betätigte sich als Darstellerin und als Souffleuse. Die Regie hatte von Anfang an und bis zuletzt Barbara Schmidt inne. Und weil das Ensemble aus 15 bis 20 Personen bestand, konnte der Einzelne auch mal ein Jahr aussetzen. Gewöhnlich standen sieben bis acht Darsteller auf der Bühne.

„Keiner hat ja geglaubt, dass es so lange gut geht“, gibt Maria Hanke zu bedenken. Mit den Jahren sei aber zunehmend Routine aufgekommen. Die Volksstücke wurden gemeinsam ausgesucht und die Rollen verteilt. Und nach den Auftritten sei es auch möglich geworden, Kritik aneinander zu üben.

„Nervös waren wir aber immer“, gesteht Hildegard Dietz. Und ihr Sohn Thorsten, mit 45 Jahren der jüngste Darsteller, ergänzt: „Wir machen es ja wegen des Adrenalinstoßes.“

Aus der Gruppe wurde ein Freundeskreis. Das stärkte zwar den Zusammenhalt, erschwerte es aber, jüngeren Nachwuchs zu bekommen. Maria Hanke: „Wir hatten einige junge Leute, aber sie fühlten sich bei uns nicht wohl.“

Highlights und Flops

Was den „Brenners“ bleibt, sind viele Erinnerungen. „Maria hatte einmal ei­nen Hänger, aber sie hat die Souffleuse nicht verstanden, bis das Publikum ihr vorsagte“, schmunzelt Regisseurin Clau­dia Scholten.

„Einmal wurde aus Versehen eine ganze Textseite übersprungen, weil an einer Stelle das falsche Stichwort gegeben wurde“, erinnert sich Hildegard Dietz. Das Publikum habe auch das nicht übel genommen, denn das Übersprungene wurde nachgeholt. Und dann gab es viele fröhliche Abende an der Hausbar bei Familie Dietz.

Den größten Flop erlebten „Die Brenners“ auf ihrer Ausweichbühne, der Schulaula der Johannesschule an der Stiftstraße. 1990 wurde das Gemeindeheim nämlich renoviert. „Es kamen nur 30 Zuschauer zu ,Sebastian erbt Millionen’“, erzählt Maria Hanke. Auch für die Wenigen habe man gespielt. Ein Highlight sei dagegen die Feier zum 20-jährigen Bestehen 2007 in einem Ei­senbahn-Hotel gewesen. Wenn „Die Brenners“ sich künftig rein privat treffen, wird sicher so manche Anekdote aus 30 vergangenen Bühnenjahren dabei das Gesprächsthema sein.

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