Frauenfilmtage

Der tägliche Kampf der Zuwanderer ums Überleben

Starke Frauen vor der Präsentation eines starken Films: (v.li.) Habibe Demirci vom Integrationsrat der Stadt Oberhausen, Filmproduzentin Claudia Steffen, Britta Costecki, Oberhausens Gleichstellungsbeauftragte, und Petra Rockenfeller, die Leiterin des Filmfestivals.

Starke Frauen vor der Präsentation eines starken Films: (v.li.) Habibe Demirci vom Integrationsrat der Stadt Oberhausen, Filmproduzentin Claudia Steffen, Britta Costecki, Oberhausens Gleichstellungsbeauftragte, und Petra Rockenfeller, die Leiterin des Filmfestivals.

Foto: Franz Naskrent

Oberhausen.   Zu den sechs Streifen des Filmfestivals gehörte auch „Marija“ von Michael Koch. Die Geschichte einer jungen Ukrainerin in Dortmunds Nordstadt.

Um Filme von Frauen oder mit Frauen im Mittelpunkt geht es bei den Oberhausener Frauenfilmtagen. Sie gingen am Sonntag zum fünften Mal im Lichtburg-Filmpalast an der Elsässer Straße zu Ende. An vier Tagen waren dort insgesamt sechs Streifen zu sehen.

Britta Costecki, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, zog schon Samstagabend, am vorletzten Tag, eine positive Bilanz. Sie rechnete mit insgesamt über 700 Zuschauern, ähnlich wie in den Vorjahren.

Zusammen mit Kino-Betreiberin Petra Rockenfeller hatten verschiedene Partner die einzelnen Vorführungen vorbereitet. Samstagabend, beim Preview von „Marija“, begrüßte deshalb Habibe Demirci vom Integrationsrat der Stadt die leider nur zehn Zuschauer.

Aber das Kinofilm-Debüt des aus der Schweiz stammenden Regisseurs Michael Koch ist auch nicht darauf angelegt, die Massen in die Kinos zu locken.

Monatelange Recherche in der Dortmunder Nordstadt

Es handelt sich um einen fast dokumentarisch inszenierten Film, der einen Blick hinter die Kulissen der Parallelgesellschaft wirft. Vier Jahre lang hat Koch daran gearbeitet. Monatelang hat er sich in der Dortmunder Nordstadt aufgehalten, um mehr über Zuwanderer zu erfahren.

„Marija“ (Margarita Breitkreiz) erzählt in 90 Minuten vom Leben einer jungen Ukrainerin, die unbeirrt an ihrem Ziel festhält, sich in Deutschland mit ei­nem Friseursalon selbstständig zu machen. Vorerst jobbt sie als Zimmermädchen in einem Hotel. Als sie dort jedoch ein paar Ohrringe mitgehen lässt, fliegt sie. Um nicht auch noch ihre Wohnung zu verlieren, lässt sie sich von Cem (Sahin Eryilma), ihrem Vermieter, aushalten.

Sehr authentische Darsteller

Cem bringt die Spielregeln der Parallelgesellschaft im neoliberalen Deutschland auf den Punkt: „Ziehst du sie nicht ab, ziehen sie dich ab“. Also vermietet er überteuert Schrottimmobilien und vermittelt ihnen gegen Bares ärztliche Behandlungen oder Kindergeld.

Dabei macht auch Marija sich nützlich, bis sie Georg (Georg Friedrich) kennenlernt. Der hat gerade eine Haftstrafe abgesessen und versucht nun sein Glück als Subunternehmer auf dem Bau. Ein Großauftrag soll ihm zum Durchbruch verhelfen. Das Unternehmen scheitert an einer Zoll-Razzia. Georg wird verhaftet.

Marija, die gerade dabei war, eine persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen, entscheidet sich, ihn in dieser Situation zu hintergehen. Sie zweigt vom versteckten Bargeld, das Georg bereits für den Auftrag erhalten hat, ihren Anteil heimlich ab und eröffnet davon ihren Salon.

Die Zuschauer der Oberhausener NRW-Premiere beeindruckte vor allem das authentische Spiel der Darsteller. Ihnen steht der tägliche Überlebenskampf im Dortmunder Nordviertel buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Von Produzentin Claudia Steffen aus Köln wollten sie nachher mehr über die kühle Art von Marija wissen, die als Frau einmal kein Opfer ist. „Man muss es sich auch leisten können, Emotionen zu leben“, antwortete sie.

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