Klimawandel

Der Klimawandel bedroht Libellen in Oberhausen

Eine Prachtlibelle, fotografiert im Hiesfelder Wald.

Eine Prachtlibelle, fotografiert im Hiesfelder Wald.

Foto: Franz Naskrent / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Lange Dürre-Perioden bedrohen den Oberhausener Bestand an Libellen. Im Hiesfelder Wald gibt es rund 25 Arten der prachtvollen Insekten.

Zum Teich führt nur ein schmaler Weg. Brennnesseln und Dornen erschweren das Vorankommen – doch Christopher Mollmann (20) vom Naturschutzbund (Nabu) hat am Samstagmittag bereits eine kleine Schneise am Rand des Hiesfelder Waldes zum Durchkommen vorbereitet. Für die rund 20 Hobby-Biologen und Freizeit-Fotografen, die sich an diesem Tag einem ganz besonderen Insekt nähern wollen: der Libelle.

„81 Arten der Libelle sind in Deutschland nachgewiesen“, öffnet der junge Student für Landschaftsökologie seinen Vortrag im wilden Graswuchs am Rand eines Teiches. Zusammen mit der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet betreut der Nabu seit 2005 dieses Artenschutzgewässer. Am Hiesfelder Wald sind derzeit 25 Libellen-Arten nachgewiesen.

Pfeilschnelle Kugelschreiber

Doch leider geht es nicht allen Insekten immer gut. Denn „der Klimawandel und die anhaltende Trockenheit bedrohen die Vielfalt der Libellen“, erklärt Christopher Mollmann. 2018 sei es besonders schlimm gewesen, doch auch heute fällt der niedrige Wasserstand des Teiches auf. Die meisten Arten brauchen die kleinen und großen Gewässer als Jagdgebiet und Paarungsraum, aber vor allem für die Eiablage. 2019 sei bisher glimpflich verlaufen; vor der anstehenden Hitzewelle sei ausreichend Wasser im Teich. Noch.

Die Namen der Libellenarten in Oberhausen muten durchaus exotisch und einfallsreich an: Durch die Lüfte schwirren die Blutrote Heidelibelle, die Große Pechlibelle oder der „Klassiker“ – die Große Königslibelle. Wer sich die außergewöhnlich guten Flieger ins Gedächtnis ruft, denkt oft zuerst an die letztgenannte Art, mit blauem Hinterleib und einem breiten Flügelpaar. So groß wie ein Kugelschreiber lauern und jagen Libellen ständig nach Beute.

Libellen fressen Libellen

Sie ernähren sich von anderen Insekten wie Käfern und Fliegen, als Larve sogar manchmal von Fischlaich. Und manche Arten machen auch vor der eigenen Spezies nicht Halt. Am Hiesfelder Wald sind sie deshalb heimisch geworden, weil das Gewässer ursprünglich als Lebensraum für Amphibien angelegt wurde. Molche, Erdkröten und Grasfrösche tummeln sich gleichfalls im Schilf am Stadtrand.

„Das Grundstück gehört dem Landesforst, aber wir kontrollieren regelmäßig anhand von Larvenhäuten, wie sich die Libellenfauna entwickelt“, erklärt Christopher Mollmann. Die Libellen selbst kommen von allein, künstlich nachgeholfen wird nicht.

Die Hobbyfotografen freut’s: Sie knipsen während der Exkursion zahlreiche Libellen auf Blättern und Halmen. Schnappschüsse im Flug sind da schon schwerer. Von Ende April bis Anfang Oktober kann der Naturliebhaber sein Glück versuchen. Grob unterscheiden kann der Libellen-Jäger vor allem zwei Arten: Große und Kleine Libellen.

„Die Großen können besser fliegen und sind ausgewachsen eigentlich stets auf der Jagd“, erläutert Christopher Mollmann. Kleine Libellen seien im Vergleich dazu eher langsam und unruhiger im Flug.

Keine Angst, Libellen können nicht stechen

Mit dem Irrglauben, Libellen könnten stechen oder hätten Gift wie Bienen, räumt Christopher Mollmann bei der Führung auf.

Spaziergänger sollten gelassen sein. „Nur wenige Arten sind so neugierig und fliegen auf Menschen zu. Und für schmerzhafte Bisse im Notfall sind die Beißwerkzeuge der Libellen einfach zu schwach für unsere dicke Haut.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben