Jugendtheater-Festival

Das „Westwind“-Festival kennt 2019 nur Gewinner

Hereinspaziert und Platz genommen: Man muss sich ja keine Handtasche auf den Kopf setzen wie in Antony McCartens „Funny Girl“, der Komödie um eine Comedienne im Burka-Gewand.

Hereinspaziert und Platz genommen: Man muss sich ja keine Handtasche auf den Kopf setzen wie in Antony McCartens „Funny Girl“, der Komödie um eine Comedienne im Burka-Gewand.

Foto: Meyer Originals

oberhausen.   Elf Jugendtheater sind vom 15. bis 21. Juni beim „Westwind“-Festival in Oberhausen zu Gast. Alle Ensembles erhalten einen Teil des Preisgeldes.

Nach 34 Jahren des Westwind-Festivals haben Gastgeber und Juroren an überkommenen Traditionen gezupft – und so dafür gesorgt, dass es bei der 35. Auflage dieses renommierten Theatertreffens für junges Publikum nur Gewinner gibt. Mit insgesamt 42 Inszenierungen hatten sich freie und städtische NRW-Bühnen für das Festival vom 15. bis 21. Juni beworben – und den elften preiswürdigen Beitrag wollte die Jury nicht mehr aussortieren.

„Das Preisgeld wollen wir gleichmäßig verteilen“, sagt Romi Domkowsky als Jurorin und als Leiterin der Theaterfaktorei eine Gastgeberin des Festivals. „Westwind“ wehte zuletzt vor zwölf Jahren durch Oberhausen. Spannend bleibt allerdings die Frage, wen die Kinder- und die Jugendjury mit jeweils 1000 Euro auszeichnen werden. Ein Manko bleibt: Bei bis zu fünf Produktionen an einem Festivaltag – und einem üppigen Rahmenprogramm – wird es wohl selbst Theater-Enthusiasten kaum möglich sein, alles live zu erleben.

Sophie und das geheimnisvolle Flüstern dieser Welt

In den Container, der auf dem Will-Quadflieg-Platz parken wird, sollte man am Sonntag, 16., nachmittags oder Montag, 17. Juni, vormittags hineinschauen. Denn dort haben sich Sophie und ein großohriger Riese gar seltsam eingerichtet. „Wie in einem Chemielabor“, sagt Agnes Lampkin, die jetzt in Oberhausen heimische Schauspielerin und Jurorin. „Sophie und das geheimnisvolle Flüstern dieser Welt“ kommt vom Theater Bonn.

Tawle - am Kopf des Tisches

„Tawle“ ist ein Kammerspiel – und ein Glücks-/Strategiespiel ähnlich Backgammon. In der Inszenierung des Rheinischen Landestheaters ist es auch ein Spiel um Menschenleben: Ein junger Syrer, der in Deutschland studiert, darf fünf Verwandte auf eine Kontingent-Liste setzen. Wen soll er retten? „Wir sitzen mit ihm am Tisch“, sagt Romi Domkowsky – am Montag, 17. Juni, um 10 und um 12 Uhr.

The Superhero Piece

Ein Tanztheater voller verblüffender „Special Effects“ bringt die Performing Group aus Köln am Montag, 17. Juni, um 17 Uhr auf die Bühne: In „The Superhero Piece“ bewegt sich ein Tanzpaar zwischen 30 Action-Figuren – und liefert sich mit nur zwei Taschenlampen eine dramatische Verfolgungsjagd.

Jugend ohne Gott

„Sehr relevant“ nennt Romi Domkowsky die zweistündige Inszenierung des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf von „Jugend ohne Gott“. Mit seinem Roman hatte Ödön von Horvath schon 1937 vor den Verheerungen gewarnt, die eine Erziehung zu Menschenverachtung und Rassenhass anrichtet. Der eindringliche Abend für Zuschauer ab 13 Jahren beginnt am Montag, 17. Juni, um 18 Uhr.

Flirt

Ein Ensemble aus hörenden und gehörlosen Darstellern agiert bei „Flirt“ vom Forum Freies Theater aus Düsseldorf in seiner jeweiligen Sprache miteinander. Und so ein Flirt – mit oder ohne Worte – kann für beide Seiten schön und schwierig sein, zu erleben am Mittwoch, 19. Juni, um 9 und um 14.30 Uhr.

Funny Girl

Anthony McCarten, der Drehbuchautor von „Bohemian Rhapsody“, erzählt in „Funny Girl“ von Azime, dem ersten weiblichen kurdischen Comedy-Star in England. Für ihre Auftritte trägt sie Burka, um gut verhüllt ihrer Familie keine „Schande“ zu machen. Das Theater Kohlenpott aus Herne spielt die hinreißende Komödie am Mittwoch, 19. Juni, um 11 Uhr.

Shame, shame but different

„In schamloser Art und Weise“, staunte Agnes Lampkin, erzählen die jugendlichen Darsteller des Duisburger Kom’ma Theaters „von ihren schamhaften Gefühlen“. In „Shame, shame but different“ wird am Mittwoch, 19. Juni, um 20 Uhr keine Peinlichkeit ausgelassen. „Großartig choreographiert“, so Romi Domkowsky, geht es in 70 Minuten um die Frage, ob und wie man der Scham entkommen kann.

Fürs Westwind-Festival ist eigentlich niemand zu jung.

Papierstück - ein Tanzkonzert

So darf man die Altersempfehlung „1 bis 99 Jahre“ für das „Papierstück“ der Kölner Tanzfuchs-Produktion wörtlich nehmen. „Ganz poetisch und zauberhaft“ nennt Agnes Lampkin dieses Tanzkonzert schon für die Kleinsten, „gespielt von zwei Menschen 70 plus“. Am Sonntag, 16. Juni, um 10 Uhr begegnen sich alle Generationen.

Der kleine schwarze Fisch

„Der kleine schwarze Fisch“ schwimmt am Montag, 17. Juni, um 9 und um 11 Uhr „ganz anmutig vom Bach bis zum Meer“, wie Agnes Lampkin sagt. Mit einem großen Percussions-Arsenal spielt das Armada Theater aus Velbert für ein Publikum ab vier Jahren.

Elisa und die Schwäne

Die Brüder Grimm und H. C. Andersen lieferten die Vorlagen für „Elisa und die Schwäne“. Die Vögel sind Elisas durch einen Fluch verwandelte Brüder. Das Ensemble des Schlosstheaters Moers spielt „ganz dicht“, wie Romi Domkowsky sagt, „die Geschichte dieses mutigen Mädchens, das für seine Brüder einsteht“, für alle ab fünf Jahren zu erleben am Freitag, 21. Juni, um 11 Uhr.

Das doppelte Lottchen

Eine ganz besondere Fassung von Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“ bietet das Kölner Comedia Theater am Donnerstag, 20. Juni, um 11.30 Uhr, einem Publikum ab neun Jahren. „Das ist richtig toll auch für Große“, strahlt Agnes Lampkin. Denn hier sind es drei Strafgefangene, die – quasi auf dem Weg zur Resozialisierung – mit blonden Perücken die Lottchen spielen. „Drei Männer im besten Alter spielen großartig zusammen“, staunte die Jurorin.

>>> Festival-Karten könnten schnell knapp werden

.„Man muss schnell sein“, ermuntert Florian Fiedler die Kartenkäufer: Westwind sei auch „hochinteressant für Fachpublikum“. Einzeltickets kosten 8 Euro, für Kinder und Jugendliche 5 Euro. Der Festivalpass kostet 35 Euro, für Kinder und Jugendliche 20 Euro, 0208 - 8578 184, theater-oberhausen.de.

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