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Das ist wahre Liebe: Oberhausener nimmt Stadt mit auf Reisen

Malermeister und Raumausstatter Werner Ludwig ist mit seinem Wohnmobil ein Oberhausen-Botschafter der besonderen Art.

Malermeister und Raumausstatter Werner Ludwig ist mit seinem Wohnmobil ein Oberhausen-Botschafter der besonderen Art.

Foto: Udo Gottschalk

Oberhausen.   Malermeister Werner Ludwig hat die Kulisse Oberhausens stets dabei. Wieso Wohnmobil und Heimat für ihn vor allem persönliche Freiheit bedeutet.

Heimatliebe messen? Zuneigung wiegen? Ist das überhaupt möglich? Nun, wie sehr Maler Werner Ludwig seiner Heimatstadt Oberhausen wirklich zugetan ist, lässt sich zwar allenfalls erahnen — wer jedoch einen Versuch wagen will und mit Zollstock oder Lineal nachprüft, der wird bei genau 3,75 Meter Höhe und 2,50 Meter Breite schnell feststellen: Der 59-Jährige lebt zumindest so gern in Oberhausen, dass er auch auf Reisen nicht darauf verzichten mag.

Denn das sind die Maße seines Wohnmobils, das er in Oberhausen-Optik hat bekleben lassen. Mit netten Folgen: „Dass ich gleich so viele winkende Radfahrer sehe, hätte ich nicht gedacht.“ Werner Ludwigs rund zehn Meter langes Wohnmobil sieht von allen Seiten aus wie eine Liebeserklärung an die Stadt: Ob Zauberlehrling oder Gasometer — viele Wahrzeichen erkennt der Oberhausener sofort.

Mit einem Foto des Wohnmobils wird Ludwig im sozialen Netzwerk Facebook gerade zur lokalen Berühmtheit, es wird oft geteilt und positiv kommentiert. „Dabei wollte ich keine Werbung machen, sondern einfach nur Verbundenheit zeigen“, sagt der Oberhausener.

Preisdruck nahm ihm die Lust

Werner Ludwig betreibt seit 20 Jahren sein eigenes Studio im Gewerbegebiet Lipperfeld. Seine Kunden gehören in der Regel zu den besser verdienenden, dementsprechend exklusive Aufträge bekommt er. Sein Credo: „Nicht die Leistung entscheidet über gute Arbeit, sondern der Kunde entscheidet über gute Arbeit.“ Jeder Maler bekomme den Kunden, den er verdiene.

Oft seien es Kleinigkeiten, wie Unpünktlichkeit, schlechte Manieren oder zu dreckige Baustellen, die seine Kunden anderswo bemängeln. „Die eigentliche Qualität der Arbeiten, wie etwas gestrichen wurde oder eine Kante gesetzt, ist da gar nicht entscheidend und meistens vollkommen in Ordnung.“ Doch der Ton mache die Musik, „und wenn sich ein Handwerker nicht mal mit dem vollen Namen vorstellt, obwohl er längere Zeit bei einem verbringt, dann hat er verloren.“

Das Zwischenmenschliche ist sein Geschäft

Das Zwischenmenschliche ist jetzt Ludwigs Geschäft. Das war aber nicht immer so: Mitte der Achtziger macht er sich selbstständig, übergibt fertig gestrichene Neubauten oder renoviert ganze Häuserblöcke, malert auch im Centro. Sein Team wächst so in zehn Jahren bis auf 40 Mitarbeiter an, doch Ludwig verliert die Lust. „Schlüsselfertig Bauen heißt auch, dass alles immer billiger werden muss. Die Malerarbeiten zum Schluss sowieso — das war irgendwann nur noch Druck.“

Heute hat er dagegen nur noch zwei Mitarbeiter: einen Gesellen, der es inzwischen 22 Jahre mit ihm aushält; und seine Frau, die sich als Raumausstatterin gemeinsam mit ihm um die eher künstlerische Note kümmert. Ludwig arbeitet auf Vorkasse und dafür bekommen seine Kunden ein wenig Sorglosigkeit. „Wenn sie mir die Schlüssel geben und sechs Wochen auf Kreuzfahrt gehen, können sie sich sicher sein, dass der Teppich bei der Ankunft wieder an genau derselben Stelle liegt wie vorher.“

Kaum Freunde gemacht

Dieser Service wird geschätzt und gut bezahlt. „Viele sagen natürlich, ich sei viel zu teuer. Aber die sehen nicht, was alles zum Preis dazu gehört.“ Freunde habe er sich deswegen kaum welche gemacht in Oberhausen. Das störe ihn allerdings auch nicht. „Da werden seit Jahrzehnten dieselben Fehler gemacht, wird sich auf Meistertitel etwas eingebildet. Mich hat wirklich noch kein Kunde gefragt, ob ich Meister bin — weil das überhaupt nicht wichtig ist.“

Oberhausen ist mit dabei

Wenn sich Ludwig ans Steuer seines Wohnmobils setzt, wirkt er glücklich. Viel Zeit gönne er sich mittlerweile für seine Reisen. Bis zu sechs Monate sei er im Jahr unterwegs. Immer wieder kurze Strecken, meist im Radius von 250 Kilometern. „Ich möchte gerne frei sein und autark irgendwo stehen und das klappt bisher ganz gut.“

Die nächste Fahrt sei für Montag geplant, erzählt der 59-Jährige. Wohin? Das entscheide er gemeinsam mit seiner Frau ganz spontan. Ab jetzt immer dabei: Oberhausen. So entworfen und so auf dem Wohnmobil dargestellt wie Ludwig die Stadt sieht. Denn auf diese Freiheit will er nicht mehr verzichten.

>>> Wohnmobil trägt den Namen Adelheide

Werner Ludwigs Wohnmobil ist ein Morelo Serie Palace. Die Preisspanne ist groß, je nach Ausstattung kostet so ein Fahrzeug schnell mehrere Hunderttausend Euro. Weil er in Delmenhorst bei der Bundeswehr stationiert war, taufte er sein Gefährt nach dem Stadtteil, in dem seine Kaserne stand: „Adelheide.“

„Viele werden das Niederrhein-Stadion auf Adelheide vermissen, aber es haben schlicht nicht alle Sehenswürdigkeiten unserer Stadt mit drauf gepasst.“

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