Lebenshilfe

Das Herbert-Bruckmann-Haus feiert 40. Geburtstag

Das Herbert-Bruckmann-Haus (im Hintergrund) war vor 40 Jahren die erste Wohnstätte der Lebenshilfe. Verantwortliche und Bewohner freuen sich auf das „Geburtstagsfest“: Verena Birnbacher, Rainer Lettkamp, Annemarie Lumma, Ursula Behrendt, Klaus Schraven, Heino Passmann und Egon Berchter.

Das Herbert-Bruckmann-Haus (im Hintergrund) war vor 40 Jahren die erste Wohnstätte der Lebenshilfe. Verantwortliche und Bewohner freuen sich auf das „Geburtstagsfest“: Verena Birnbacher, Rainer Lettkamp, Annemarie Lumma, Ursula Behrendt, Klaus Schraven, Heino Passmann und Egon Berchter.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Oberhausen.   Als 1979 die erste Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung gebaut wurde, war nicht nur die Nachbarschaft skeptisch.

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Als die Lebenshilfe 1979 in Königshardt ihre erste Wohnstätte für geistig behinderte Menschen eröffnete, waren nicht alle in der Nachbarschaft begeistert: „Wie hoch wird denn der Zaun?“ habe mancher Anwohner gefragt, erzählt Egon Berchter (91), Mitbegründer der Lebenshilfe Oberhausen: „Man wollte uns hier nicht.“ Über manche der irrationalen Ängste aus dieser Zeit kann man heute schmunzeln. Inzwischen gehört das Herbert-Bruckmann-Haus wie selbstverständlich dazu: Deshalb soll der 40. Geburtstag der Wohnstätte auch als inklusives Stadtteilfest gefeiert werden: Alle Nachbarn und Freunde der Einrichtung sind dazu am 29. Juni eingeladen.

Auch Eltern waren erst skeptisch

Als Zusammenschluss von Eltern geistig behinderter Kinder ist die Lebenshilfe 1963 gegründet worden. Los ging’s dann erst mal mit der Frühförderung der Kinder, später kam dann die Anlernwerkstatt hinzu, in der die Jugendlichen dann in geschützter Umgebung beschäftigt waren – mit Sortier-, Hand- und Bastelarbeiten. Dann habe irgendwann die Frage im Raum gestanden: Wie verläuft denn der weitere Lebensweg der jungen Erwachsenen? Eine Wohnstätte habe es noch nicht gegeben. „Und die meisten Eltern hatten auch Angst, ihre Kinder in eine weitergehende Selbstständigkeit zu entlassen“, erzählt Egon Berchter, der – unter anderem mit dem damaligen Sozialdezernenten Hugo Baum – schon beim ersten Spatenstich dabei war. Deshalb sei es auch gar nicht so leicht gewesen, Bewohner für den Erstbezug zu finden. Erst als klar war, dass auch Berchters Sohn Ulrich dort einziehen würde, habe manch einer seine Skepsis überwunden. Inzwischen sei längst die umgekehrte Situation eingetreten: Viele Eltern machen sich frühzeitig Gedanken, wie sie ihre behinderten Kinder rechtzeitig in die Selbstständigkeit führen können. Platz in Wohneinrichtungen für junge Behinderte ist daher Mangelware.

Aus jungen Erstbewohnern wurden Rentner

Immer noch leben zehn der Erstbewohner im Herbert-Bruckmann-Haus, darunter Annemarie Lumma und Klaus Schraven, die beide inzwischen Rentner sind. „Das Leben im Haus hat sich natürlich mit dem Alter der Bewohner verändert“, erzählt Einrichtungsleiter Heino Passmann. 1995 kamen die ersten ins Rentenalter, inzwischen gibt’s unter den 42 Bewohnern eine größere Rentnergruppe mit umfassendem Freizeitprogramm.

Aber nicht nur die Lebensumstände der älter werdenden Bewohner haben den Alltag im Haus geprägt. Auch die gewandelten pädagogischen Konzepte und Richtlinien nehmen Einfluss: Während es früher viele Doppelzimmer und große Gemeinschaftsbereiche gab, setzt man heute auf Einzelzimmer und kleinere Wohngruppen-Bereiche.

Gemeinschaftliches Wohnen auf der Hardt

Ein ganz neuer Ansatz wird mit dem Neubau verfolgt, der gleich nebenan in die Höhe wächst: „Gemeinschaftliches Wohnen auf der Hardt“ ist das Motto: „In die Apartments des barrierefreien Hauses können auch, aber nicht nur Menschen mit Behinderung einziehen“, betont Lebenshilfe-Geschäftsführer Rainer Lettkamp. Beim ersten Spatenstich war übrigens auch Egon Berchter mit dabei. Vier Jahrzehnte später schlägt der Mitbegründer der Lebenshilfe damit nochmal ein neues Wohnkapitel auf.

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