Ehemalige Zeche Concordia

Das Dreibein hält den Schacht

Foto: WAZ FotoPool

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Der 1938 stillgelegte Schacht der Zeche Concordia I wird derzeit neu verfüllt. Das dient der Stabilisierung.

Was sie nicht alles erspähen konnten, die Bauarbeiter, die derzeit den ehemaligen Schacht der Zeche Concordia I neu verfüllen. Kleine Bohrungen lassen erahnen, dass 1938, als der Schacht endgültig stillgelegt wurde, nicht bloß Bauschutt und Waschberge (Reste vom Kohleabbau) in den quadratförmigen Schutt gekippt wurden, sondern auch Puppenköpfe, Flaschen und Zigarettenschachteln. „Alles Mögliche eben”, sagt Heinz Rademacher, Leiter des Tiefbauamtes.

Aber dies nur am Rande. Seit August ist die Baufirma Bilfinger Berger damit beschäftigt, in den schon fast in Vergessenheit geratenen Schacht Beton nachzufüllen und die Masse zu verfestigen. Denn es besteht eine latente Gefahr. Diese sei zwar nicht gravierend, sagt Heinz Rademacher. Aber da in der Umgebung der Straße Am Förderturm neu gebaut werde, – etwa Trinkgut und Fressnapf haben sich neben der Kulturstätte Druckluft angesiedelt – müsse etwas getan werden. „Im schlimmsten Fall würde der Schacht in sich zusammenfallen”, sagt Rademacher. In Oberhausen gab es einen solchen Vorfall zwar noch nicht, aber der städtische Oberbauleiter Waldemar Kuschorrek erinnert an die Stadt Wetter an der Ruhr, wo genau dies tatsächlich schon einmal passiert ist.

Der Schacht der Zeche Concordia I, die Mitte der 60er Jahre ganz geschlossen wurde, ist 4,80 m breit und 4,30 m lang und reicht 420 m in die Tiefe. Als man den Schacht vor 71 Jahren stilllegte, wurde er verfüllt. Aber auch nur bis zu einer bestimmten Höhe. Ein Teil des Schachtes ist überhaupt nicht verfüllt worden. Drüber gelegt wurde damals ein Betondeckel. Im August durchgeführte Bohrungen haben jedoch ergeben, dass es auch im verfüllten Teil noch Hohlräume gibt, die nun mit betonartigem Material bis unter den Betondeckel aufgefüllt und verpresst werden.

Es erscheint wie ein Schwenkgrill

Um den Schacht weiter zu stabilisieren, werden ringsherum Betonpfähle schräg in die Erde hineingesetzt. Dazu wird der Betondeckel an der Oberfläche vergrößert und die Pfähle dort eingearbeitet. Aber damit noch nicht genug: Bald werden in die Betonfläche weitere Löcher gebohrt. Durch die Löcher werden Stäbe, die am Betondeckel „hängen” und an Dübel erinnern, in den Schacht hineingelassen. „Sie funktionieren wie Anker. So sackt der Boden nicht ab”, erklärt Heinz Rademacher. Letztlich müsse man sich das ganze Baukonstrukt so vorstellen: „Es erscheint wie ein Schwenkgrill, da hängt der Schacht sozusagen dran. Es kann passieren, was will, das Dreibein hält den Schacht.”

Die Bauarbeiten werden noch bis Dezember andauern. Bebaut wird das Stück Erde aber nicht mehr. „Es wird wieder eine Grünfläche hergestellt”, sagt der Leiter des Tiefbauamtes. Übrigens: Der Schacht ist der erste Schacht in Oberhausen überhaupt, der verfüllt wurde. Die Baumaßnahme kostet die Stadt 550 000 Euro.

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