Sparprozess des Bistums

Christen halten schmerzhaften Sparkurs für notwendig

Bisher ist die Jugendkirche Tabgha an der Fichtestraße in Buschhausen beheimatet; Sie soll einen zentraleren Standort bekommen.

Foto: Fabian Strauch

Bisher ist die Jugendkirche Tabgha an der Fichtestraße in Buschhausen beheimatet; Sie soll einen zentraleren Standort bekommen. Foto: Fabian Strauch

Oberhausen.   In den nächsten Wochen entscheiden Oberhausener Gemeinden, welche Kirchen und Treffpunkte geschlossen werden müssen – weil sie zu teuer sind.

Die Mitglieder aller katholischen Gemeinden in Oberhausen stehen derzeit in einem Prozess großer Umwälzungen. Das Essener Bistum hat entschieden, dass die Gemeinden bis 2030 die Hälfte ihrer Ausgaben einsparen müssen. Thomas Gäng, Vorsitzender des Katholikenrates in Oberhausen, sieht zwar durchaus die Notwendigkeit dieses Spardiktats, weiß aber ebenso um die Probleme, die der Pfarrei-Entwicklungsprozess (PEP) nicht nur für engagierte Christen bringt.

„Ich bin seit meiner Taufe eng mit der Kirche verbunden. Jetzt erlebe ich – wie viele andere Gläubige – massive Veränderungen in nur wenigen Jahren.“ Das aber dürfe bei den beteiligten Laien den Blick nicht trüben für die Realität mit wenigen Gottesdienstbesuchern und stetig sinkenden Kirchensteuer-Einnahmen. Die Gemeinden müssten daher über Kirchenschließungen diskutieren und neue pastorale Wege suchen.

Ein dramatisches Ereignis für die Gläubigen

„Es ist ein klarer Weckruf. Wir müssen klug überlegen, wie es weitergehen soll.“ Das Aus für eine Kirche sei immer ein dramatisches Ereignis für die Gläubigen: „Ich habe das bei meiner Kirche St. Vinzenz Pallotti erlebt, die aufgegeben wurde und deren sakrale Gegenstände nach St. Pankratius gebracht wurden.“

Bei allen Nachteilen einer solch drastischen Sparkur sieht Gäng einen wichtigen Vorteil: „Wir haben hier eine Chance, unseren christlichen Glauben als Basis unserer Gesellschaft wieder mehr in den Vordergrund zu stellen.“ Schließlich würden viele Menschen nach dem Sinn ihres Lebens fragen. „Den Glauben leben in Tat und Wort ist meiner Ansicht nach eine wesentliche Ausrichtung dieser Erneuerung.“

Dennoch spiele die Entscheidung über die weitere Existenz von Gotteshäusern eine ebenfalls wichtige Rolle: „Wir müssen mit Bedacht mit den Kirchen und Gemeindehäusern umgehen.“ Das gestalte sich jedoch von Pfarrei zu Pfarrei anders. Beispiel: St. Clemens Sterkrade. Die Größe dieser Pfarrei mache eine Entscheidung schwierig, welche Kirche, welches Gemeindehaus geschlossen werden soll.

Für die Zukunft der katholischen Kirche in Oberhausen sei es zudem wichtig, dass die Jugendkirche Tabgha in Buschhausen ein neues Domizil findet. „Der Standort an der Fichtestraße ist schwer zu erreichen und daher ungünstig. Wir wünschen uns einen Umzug an einen zentraleren Ort.“

Wichtige Impulse erwartet der Katholikenrat-Vorsitzende von der künftigen City-Pastorale, die für die Kirchen Herz-Jesu Altmarkt und St. Clemens Sterkrade vorgesehen ist: „Hier werden Menschen zwölf Stunden am Tag Ansprechpartner finden, die Zeit für Gespräche und einen Kaffee haben.“ Niederschwellige Angebote wie diese seien ein wichtiger Baustein der Zukunft: „Das sieht man an den Marktgottesdiensten, die Stadtdechant Peter Fabritz in St. Clemens anbietet und die gut besucht sind.“

Eine Ehrenamts-Akademie für Oberhausen

Und schließlich möchte die katholische Kirche eine Ehrenamts-Akademie nach Oberhausen holen: „Ehrenamtliche Helfer müssen gut geschult werden.“

Insgesamt bescheinigt Gäng den Gremien in den Gemeinden eine engagierte Auseinandersetzung mit dem Sparprozess. Das war bei der ersten Sparwelle vor zehn Jahren anders, als Entscheidungen über Kirchen vom Bistum getroffen wurden: „Das jetzt ist eine Chance, möglichst viele Menschen in Entscheidungen einzubinden.“

>> EIGENSTÄNDIGES GREMIUM

Der Katholikenrat ist ein eigenständiges Gremium des sogenannten Laienapostolats auf der Ebene des Bistums. Er soll die Kräfte des Laienapostolates im Bistum fördern, koordinieren und bündeln. Mitglieder sind Laien, Kleriker, Vertreter aus den Dekanats- und Pfarrgemeinderäten, kath. Verbänden und Initiativen.

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