Jazzkarussell

Buntes Jazzfestival steigt am 6. Juli im Drucklufthaus

Gilda Razani und Hans Wanning geben dem Jazz eine chillige Party-Note.

Gilda Razani und Hans Wanning geben dem Jazz eine chillige Party-Note.

Foto: jazzkarussell

Oberhausen.  Fünf erstklassige Acts bauen am 6.7. Brücken vom Jazz zur Dance-Szene. Gilda Razani spielt den Urahn elektronischer Instrumente, das Theremin.

„Ein sympathischer Punker“, erzählt Eva Kurowski, habe ihr jüngst gestanden, dass er sein letztes Jazzkonzert mit elf Jahren gehört hatte. Ihre Antwort: „Das tut mir sehr leid.“ Aber dagegen lässt sich ja was tun, denn das Jazzkarussell dreht eine Extrarunde – und zwar dort, wo viele eben nur Punker oder die alternative Rock-Szene vermuten: Am Samstag, 6. Juli, steigt von 19 Uhr bis Ende offen das Jazzkarussell-Festival im Druckluft, Am Förderturm 27.

„Der politische Background wird oft übersehen“

Die selbst gestellte Frage „Mache ich ein paar kleine Sommerkonzerte hier und da oder ein großes Event?“ hat Eva Kurowski damit eindeutig beantwortet. Für die Sängerin gehört Jazz nämlich unbedingt in ein soziokulturelles Zentrum: „Eigentlich war Jazz immer eine Befreiungs-Musik. Dieser politische Background wird nur oft übersehen.“ Jedenfalls in Kontinentaleuropa. In den USA und London sind die neuen Big Bands zugleich Flaggschiffe der Anti-Rassismus-Bewegung.

Mit Big Bands will die Macherin des Jazzkarussells fürs Druckluft nicht aufwarten – aber mit einer feinen Riege erstklassiger Acts, die zugleich Brücken bauen zur zeitgenössischen Dance-Szene. Das gilt auch für den experimentellen elektronischen Jazz des Top-Acts: Gilda Razani spielt Saxophon und Theremin. Dieser Urahn der elektronischen Instrumente wird berührungslos gespielt, indem sich die Hände der Musikerin der „Antenne“ nähern und so das elektromagnetische Feld manipulieren. Ein heikles Instrument, weiß Eva Kurowski: „Sie greifen einen Millimeter daneben und der Ton schmerzt fürs Ohr.“

„Techno auf echten Instrumenten“

Das dürfte bei Gilda Razani nicht zu befürchten sein. Die Musikerin mit einer Bienenkorb-Frisur wie Amy Winehouse zählt zu „The Dorf“, der avantgardistischen Big Band, und ist bekannt für ihre Filmmusikproduktionen. Ihr Begleiter Hans Wanning ist nicht nur ein fantastischer Jazz-Pianist, sondern bekennender Elektronikfreak. Mario Simon verwandelt den pulsierenden Sound dieses „Techno auf echten Instrumenten“ in soghafte Bilder.

Goa und Trance-Musik funktioniert sogar in der Fußgängerzone – wenn man wie „Urkern“ mit natürlichen hölzernen Instrumenten die Texturen elektronischer Tanzmusik imitiert und interpretiert. Mit Didgeridoo, Obertonflöte und einem Percussions-Arsenal bauen die Vier eine Brücke zwischen Alt und Neu, auf der man tanzen kann.

In der Musik des Duos Alba & Ivano treffen melancholische und sehnsüchtige Texte auf die heiße rhythmische Begleitung der Genres Bossa Nova, Nova Bolero und Flamenco. Die temperamentvolle Alba Garcia Ballano singt zur Gitarre des Folkwang-Absolventen Ivano Onavi.

Dylan Tafel war ein Schüler von Eva Kurowski, anschließend unterwegs in der weiten Welt – und ist nun zurück mit etlichen klingenden Reiseeindrücken. Und, logisch, die Gastgeberin tritt auch ans Mikrofon.

Junge Genies für ihre Jazz-Chansons

Ihrer neuen Band hat sie anspielungsreich den verdrehten Namen „Fake Tive“ gegeben. Eva Kurowski hat für das Festival mit Schlagzeuger Karl Degenhardt und Bassist Johannes Nebel zwei junge Jazz-Genies angeheuert. Mit ihrem getreuen Gitarristen Hartmut Kracht als Steuermann nehmen sie mit wunderbar kuriosen Interpretationen eigener Jazz-Chansons Kurs auf Trommel- und Zwerchfell der Zuhörer.

Fünf Konzerte sind aber längst nicht alles: Getreu dem Motto „Vinyl ist für die Ewigkeit“ sind auch vier junge Platten-Aufleger dabei: Von Blue Notes über Soul und jazzige Beats bis Roots Music lassen die „420 Allstarz“ das Vinyl rotieren.

Zwar spielen die Hauptattraktionen drinnen, doch auch fürs Lagerfeuer draußen vorm Druckluft will das Jazzkarussell sorgen: mit einer „Session de luxe“. Und wer nach soviel musikalischem Soul-Food auch feste Nahrung braucht, den versorgt „Isi Food“ mit veganen und vegetarischen Leckereien.

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