Improvisationstheater

„Buhrggeister“ improvisieren in der Niebuhrg um die Wette

Eine Erfinderin im Interview: Ohne zu wissen worum es geht, soll sie ihre neuste Erfindung vorstellen. Eine Dolmetscherin muss zusätzlich in „Gebärden“ übersetzen.

Eine Erfinderin im Interview: Ohne zu wissen worum es geht, soll sie ihre neuste Erfindung vorstellen. Eine Dolmetscherin muss zusätzlich in „Gebärden“ übersetzen.

Foto: Jörg Schimmel

OBERHAUSEN.   Sechs Schauspiellaien zeigen ihr Improvisationstalent: Das Publikum übernimmt die Regie bei der Geschichte um den Zahnbürsten-Mörder.

Mord im Kindergarten! Das Opfer? Ein Politiker. Die Tatwaffe? Eine Zahnbürste. Klingt absurd. Ist es auch. Nun stellen Sie sich vor, sie sollen von dem Mordfall berichten. Nur mit Gestik und Mimik. Die Schauspieler des Improvisationstheaters „Buhrggeister“ zeigen im Foyer der Niebuhrg, wie es geht. Sie improvisieren. Sie erzählen. Und sie bringen die Zuschauer mit komischen Szenen zum Lachen.

Seit 2009 besteht die Schauspielgruppe, die ihr Debüt auf dem Kulturfest „Extraschicht“ gab. Seither hat sich die Anzahl der Mitspieler laufend geändert. „Wir waren mal zwölf Darsteller, dann zwischendurch nur drei“, erzählt Michael Messerschmidt, der von Anfang an dabei war. Aktuell gehören sieben Laien zur Schauspielgruppe, sechs von ihnen standen bei der letzten Vorstellung auf der Bühne.

Publikum als Regisseure

Zurück zum Mordfall: Handlungsort, Opfer und Mordwaffe waren Ideen aus dem Publikum. Mit diesen Rahmenbedingungen entwickelt sich das Spiel auf der Bühne. Nur ein Darsteller bekommt die Informationen. Pantomimisch muss er sie dem nächsten Darsteller erklären. Und so geht’s immer weiter. Eine Art „Stille Post“ ohne Sprechen. Nicht jeder Schauspieler versteht was gemeint ist. Macht aber nichts. Dafür entsteht reichlich Situationskomik.

Es ist nur eines von vielen verschiedenen Spielen, die die Truppe an diesem Abend präsentiert. Immer gleich bleibt: Das Publikum übernimmt die Regie. Die Zuschauer bestimmen per Zuruf verschiedene Handlungsorte, Eigenschaften der Charaktere oder den zentralen Konflikt der jeweiligen Szene. Aus dem Stegreif lassen die Buhrggeister die Begriffe in ihr Spiel einfließen. Mehrmals werden sie mit Lachern und Applaus unterbrochen.

„Nennen Sie eine Erfindung, die es nicht gibt“, weist Messerschmidt an. Eine Dame aus dem Publikum traut sich: „Ein Backofen, der den Teig knetet, ihn backt und am Ende schneidet“. Zwei Schauspieler betreten die Bühne. Einer mimt den Interviewer, die andere die Erfinderin dieser ungewöhnlichen Konstruktion. Sie soll über ihre neuste Erfindung berichten – ohne zu wissen, was sich das Publikum da ausgedacht hat. Das alleine sorgt schon für eine lustige Szene. Noch witziger wird es, als eine dritte Darstellerin als „Dolmetscherin“ eingesetzt wird. Auch sie weiß nicht, worum es geht. Und übersetzt das Gesagte sehr kreativ in „Gebärden“.

Bei so guter Improvisation bleibt die Frage, wie man sich auf eine Vorstellung vorbereitet. „Wir machen die gleichen Spiele wie bei den Aufführungen“, erklärt Messerschmidt. Dabei befolgt das Ensemble drei einfache Regeln. 1. Niemals nein sagen, die Szene darf nicht gestoppt werden. Ganz nach dem Motto „Nichts ist (auf der Bühne) unmöglich“. 2. Niemand ist alleine auf der Bühne. 3. Wenn du scheiterst – mach es großartig! „Auch wenn etwas schief geht, soll die Szene weiterlaufen. Man weiß nie, wie die Szene sich entwickelt“, sagt Messerschmidt.

Die Darsteller haben sichtlich Freude an ihrem Hobby. Alle spielen aus purem Vergnügen – bezahlt wird keiner. „Es ist der Spaß, der uns hier zusammenhält“, sind sie sich einig.

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Eine weitere Vorstellung der Buhrggeister gibt’s am Donnerstag, 29. November, um 20 Uhr im Theater an der Niebuhrg, Niebuhrstraße 61.

Karten kosten fünf Euro oder können gewürfelt werden: Wer Glück hat zahlt einen, wer Pech hat sechs Euro.

Wer Interesse hat bei den Buhrggeistern mitzuwirken: www.buhrggeister.de

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