Erstes Bürgerforum

Bürger wollen positive Markenbotschafter für Oberhausen sein

Rund 280 Oberhausener folgten der Einladung von Oberbürgermeister und Bürgerrat zum Bürgerforum im Zentrum Altenberg.

Rund 280 Oberhausener folgten der Einladung von Oberbürgermeister und Bürgerrat zum Bürgerforum im Zentrum Altenberg.

oberhausen.   Zum ersten Oberhausener Bürgerforum kamen rund 280 Teilnehmer. Die bekräftigten ihren Wunsch, mitzumachen und die Stadt nach vorne zu bringen.

Es sind drei Emotionen, die diesen Abend im Zentrum Altenberg bestimmen: Liebe, Frust und Hoffnung. Liebe deshalb, weil hier ganz viele Menschen – 280, sagen die Veranstalter – versammelt sind, die Oberhausen sehr mögen und gerne hier leben. Frust, weil von ihnen nicht wenige den Eindruck haben, dass ihre Stadt heruntergekommen ist, es an vielen Stellen nicht rund läuft und dass ihnen, ganz wichtig, keiner zuhört, nicht bei der Stadtverwaltung, nicht bei den Parteien. Und Hoffnung, weil es jetzt den Bürgerrat gibt und Veranstaltungen wie das Bürgerforum, wo sie ihre Anliegen vortragen, Ideen entwickeln und mitmachen können.

17.30 Uhr am Dienstagabend, das erste Oberhausener Bürgerforum im Zentrum Altenberg beginnt. „Keine Ahnung, was mich hier erwartet“, sagt einer der Umstehenden. Mal von Angesicht zu Angesicht mit dem „Chef“ sprechen, ist eines der Motive herzukommen. Gastgeber Oberbürgermeister Daniel Schranz scheint ein wenig überwältigt von der großen Resonanz auf seine Einladung, begrüßt kurz und wünscht „allen einen ertragreichen Abend“. Das Stadtoberhaupt und der 15-köpfige Bürgerrat haben diejenigen ins Altenberg gebeten, die sich im vergangenen Jahr für den Bürgerrat beworben hatten, aber nicht als Mitglied ausgelost wurden.

Wie Thomas Limburg, den der Umbruch an der Stadtspitze zum Mitmachen motiviert und der trotz allem, was nicht funktioniert, „gegen das Schlechtreden und für Optimismus ist“, wie der 55-Jährige sagt. Sein Elan ist gewünscht, bequem zurücklehnen und sich berieseln lassen, gehört nicht zum Programm des Abends. Stühle gibt’s keine, stattdessen Pinnwände an den Raumseiten, die gefüllt werden wollen. Axel Jürgens und Ulrike Busch von der „Peters & Helbig GmbH“ führen munter durch die Veranstaltung, manchmal etwas zu belehrend („Nur, wenn Sie sich zuhören, können Sie sich auch kennenlernen und gemeinsam etwas auf den Weg bringen“). Aber das Moderatoren-Duo hält die Leute – der jüngste Teilnehmer ist 18, der älteste über 85 – straff zeitgetaktet auf Trab. Immer wieder sollen die sich in Kleingruppen zusammentun und Fragen diskutieren: „Meine Vision von einem lebenswerten Oberhausen . . .“, Was trage ich dazu bei . . .“ oder „Konkret werden – Ideen und Empfehlungen an Politik und Stadtverwaltung“.

Schwarmintelligenz nutzen

Es wird deutlich: Die Themen Sicherheit, Sauberkeit, Stadtentwicklung und der Zustand der Innenstädte von Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld dominieren. Sinaida Kalschnikowa ist „traurig über die Ghettoisierung der Marktstraße“, auf der Fachgeschäfte keine Chance mehr haben, schon wegen der fehlenden kostenlosen Parkplätze. Andreas Springer ärgert sich über den Müll im Olga-Park. Dirk Ziebart (52) fragt sich, was eigentlich die Wirtschaftsförderung macht, vakante Gewerbeflächen „dümpeln so vor sich hin, es fehlt die zündende Idee, die Vision“.

Kleingruppen-Partner Jörg Bürger (53) konstatiert, dass Stadtentwicklung „ein schwieriges Thema ist“ und vermutet, „dass die in der Verwaltung auch keine Ideen haben“. Deshalb die Versammlung der Schwarmintelligenz.

„Sie werden die Probleme Oberhausens heute Abend nicht erschöpfend behandeln“, stellt Moderator Axel Jürgens irgendwann fest. Wie wahr. Für die Bürger ist wichtig, dass ihre Anregungen, das heute Gesagte „nicht einfach verpufft“. „Nehmen Sie uns mit, Herr Schranz, und lassen Sie uns mitmachen“, heißt es aus dem Publikum.

Bürgerrat soll kontrollieren

Neben Oberbürgermeister Daniel Schranz war der Bürgerrat der Gastgeber im Zentrum Altenberg. Das 15-köpfige Gremium hat Schranz im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, aus den 650 Bewerbungen sind die Mitglieder per Los ausgewählt worden. Viermal im Jahr trifft sich das Gremium, es soll den OB auf Themen aufmerksam machen, die die Stadtgesellschaft bewegen und auf mögliche Fehlentwicklungen hinweisen.

Augenhöhe und Erreichbarkeit

Der Bürgerrat nutzte das Bürgerforum am Dienstagabend, um zu erfahren, welche Erwartungen an ihn gestellt werden. „Transparenz“ lautet ein häufig genanntes Stichwort auf den Tafeln oder „Erreichbarkeit“. Eine „Diskussion auf Augenhöhe“ ist als weiterer Wunsch an die Ehrenamtler des Gremiums adressiert. Ganz wichtig ist vielen die digitale Präsenz und Verbreitung des Bürgerrats, der eine eigene Internet-Plattform haben sollte oder eine App, damit Bürger nachverfolgen können, was der Bürgerrat eigentlich macht.

Eine weitere hohe Erwartung, die formuliert wird auf den Pinnwänden: Der Bürgerrat soll die „Erfolgskontrolle“ leisten, also nachhalten, ob Anregungen umgesetzt oder Themen aufgenommen wurden von der Verwaltung.

Das große Themen- und Ideenpaket, das Dienstagabend geschnürt wurde, nehmen Oberbürgermeister und Bürgerrat jetzt mit in ihre Arbeit. Es könnte den Weg durch die politischen Gremien nehmen und dann in Verwaltungshandeln umgesetzt werden, so funktioniert Demokratie. Es war nicht der letzte Abend dieser Art.

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