Stadtentwicklung

Bottroper Bauträger baut 58 neue Wohnungen in Osterfeld

Die Albert-Schweitzer-Hauptschule an der Schwarzwaldstraße in einer älteren Aufnahme. Auf ihrem Gelände sollen Mehrfamilienhäuser entstehen.

Die Albert-Schweitzer-Hauptschule an der Schwarzwaldstraße in einer älteren Aufnahme. Auf ihrem Gelände sollen Mehrfamilienhäuser entstehen.

Foto: Hayrettin ÖZCAN

Oberhausen.  Im Grunde müssten sich die Oberhausener freuen: 58 neue Wohnungen entstehen in Osterfeld. Doch der Bottroper Bauträger steht in der Kritik.

Wegen seines Umgangs mit der Mehrfamilienhaus-Dauerbaustelle Am Tüsselbeck in Schmachtendorf ist der Bottroper Bauträger Klaus Störmann jüngst stark kritisiert worden. Dennoch vertraut ihm die Stadt nun ein weiteres Neubaugebiet an – in Osterfeld.

Rückblende: Nicht enden wollte bei einer Bürgerveranstaltung mit Oberbürgermeister Daniel Schranz im Juli in Schmachtendorf die Aufregung der Anwohner über die Dauerbaustelle Am Tüsselbeck. Der Bauträger der ersten Klimaschutzsiedlung, Störmann Bauträger GmbH, wurde wegen des jahrelangen Stillstands, der mangelhaften Bauausführung und des Mülls rund um die Baustelle kritisiert. Schranz zeigte viel Verständnis für den Unmut der Nachbarn und Anwohner, berichtete sogar von Problemen der Bauaufsicht dort.

Wenige Tage zuvor hatte der Rat der Stadt allerdings abgesegnet, dass Störmann ein weiteres Neubauprojekt in Angriff nehmen kann: Auf dem Gelände der 2017 geschlossenen Albert-Schweitzer-Hauptschule in Osterfeld soll der Bottroper mit seiner Störmann Bauträger GmbH acht Mehrfamilienhäuser bauen.

Investor übernimmt die Regie

Ein sogenannter „Vorhabenbezogener Bebauungsplan“, der unter der Regie des von ihm beauftragten Planungsbüros entstehen wird, macht das möglich. 31 Eigentumswohnungen, 22 öffentlich geförderte Wohnungen, dazu fünf Wohnungen im sogenannten gemeinschaftlichen Wohnen sind dort geplant. Die Gebäude sollen um eine Grünfläche herum angeordnet werden, die als Nachbartreff geplant ist. Offene Parkplätze, Tiefgaragen, Carports und Fahrradabstellanlagen nehmen den ruhenden Verkehr auf. Zwei bis drei Geschosse hoch zuzüglich eines oben aufgesetzten Staffelgeschosses sollen die Häuser werden.

In der Bezirksvertretung Osterfeld kam nur von der Linken Liste Kritik. „Schon wieder wird städtischer Grund und Boden verkauft. Die Stadt hat immer weniger Handlungsspielraum“, beklagte Rainer Schucker. SPD und Grüne dagegen waren zufrieden. „Das ist genau das, was Osterfeld braucht“, erklärte Silke Jacobs (SPD). „Wir brauchen für kleine Einkommen bezahlbaren Wohnraum“, sagte Ralf Langnese (Grüne). Denis Osmann (CDU) betonte zwar, es gebe ein Überangebot an preiswertem Wohnraum, begrüßte das Projekt aber auch.

Zwei Bewerber in der engeren Auswahl

Wie die Unzufriedenheit mit Störmann und der Zuschlag für das neue Projekt zusammenpassen, wollten wir von der Stadtverwaltung wissen. Deren Sprecher Martin Berger antwortete, von mehreren Investoren, die bereits vor der Auflösung der Hauptschule Interesse an dem 10.300 Quadratmeter großen Areal gezeigt hätten, seien letztlich nur zwei übrig geblieben. Abstimmungsgespräche mit den Stadtplanern, Verkaufsverhandlungen und die Beteiligung des Gestaltungsbeirats hätten den Ausschlag für Störmann gegeben. Der Gestaltungsbeirat ist ein Gremium aus auswärtigen Experten für Stadtentwicklung, Architektur und Landschaftsplanung, in dem die Parteien nicht mitstimmen.

Klaus Störmann erklärte, der von seinen Planern vorgelegte Entwurf haben eben überzeugt. Sein besonderes Merkmal sei die Mischung von öffentlich gefördertem Wohnungsbau, frei finanziertem Wohnungsbau und Wohneigentum. „Es wird schneller gehen“, sagt er zur geplanten Bauzeit in Osterfeld im Vergleich mit seinem Schmachtendorfer Projekt Am Tüsselbeck. Schließlich liege die Planung bereits in Händen seiner Planer.

Neues Versprechen zur Klimaschutzsiedlung Schmachtendorf

Stadtsprecher Martin Berger erklärte dazu, zu dem neuen Projekt gehöre ein Durchführungsvertrag zwischen der Stadt und dem Investor. „Dieser Vertrag regelt, dass genau das geplante Vorhaben gebaut werden muss. Auch werden Fristen vertraglich vereinbart.“

Auf Nachfrage nimmt Klaus Störmann zur Kritik an der Dauer der Arbeiten und den Zuständen auf seiner Klimaschutz-Siedlung-Baustelle Am Tüsselbeck in Schmachtendorf Stellung. „Ende 2020 wird alles fertig sein“, erklärt der Unternehmer.

Vor rund zehn Jahren habe er von Thyssen-Krupp das Gelände erworben und mit der Stadt den Bebauungsplan entwickelt. Baubeginn war dann 2014. Am Ende werden dort 112 Wohneinheiten entstehen. Aus seiner Sicht ist nur die Absicherung der Baustelle problematisch.

Erste Klimaschutzsiedlung im geförderten Wohnungsbau

Wie künftig in Osterfeld, handelt es sich auch Am Tüsselbeck um eine gemischte Bebauung, in dem Fall aus öffentlich gefördertem Wohnungsbau, Eigentumswohnungen und Eigenheimen. Vermietet seien seine entlang der A 42 entstandenen 44 öffentlich geförderten Plus-Energie-Häuser. Die erste Klimaschutzsiedlung in NRW im öffentlich geförderten Wohnungsbau.

„Ich lasse den Mietern dort viel Gestaltungsfreiheit, lege auf lange Wohndauer und wenige Mieterwechsel wert“, sagt der Investor. Bei den 33 gebauten Doppelhaushälften gebe es an fünf bis sechs Häusern noch Restarbeiten, so an Fassaden und Außenanlagen. Ein Block mit zehn Eigentumswohnungen ist fast fertig, für einen zweiten die Baugrube ausgehoben. In der Nachbarschaft dieser Baugrube entstünden noch sechs Reihenhäuser. „Wir beginnen damit, wenn die ersten drei Häuser verkauft sind“, erklärte Störmann.

Entwässerung musste umgeplant werden

Die entscheidende Verzögerung von einem Jahr bei dem Projekt habe es gegeben, weil nachträglich eine wartungsfreundliche Tiefendrainage für die Ableitung des gesamten Regenwassers aus dem Gebiet geplant worden sei, sagt Störmann. Dass zwei Bauvorhaben stillgelegt und die Genehmigungen für die sechs Reihenhäuser zunächst nicht erteilt wurden, hat nach Auskunft der Stadt mit dieser Umplanung zu tun.

Störmann dagegen gibt an, die Baustelle sei nicht zwei Mal aufgrund technischer Mängel stillgelegt worden. „Sie haben uns vielmehr ermahnt, die Bauzäune ordnungsgemäß zu schließen.“ Das sei bei über 20 verschiedenen Gewerken vor Ort das größte Problem. „Wir können das jeden Tag predigen. Es passiert doch ab und zu, dass die Baustelle nicht verschlossen ist“, räumt er ein. Dass das für spielende Kinder gefährlich sei, stehe außer Frage.

Nachbarn haben Freiräume verloren

Ansonsten kann Klaus Störmann sich die Unzufriedenheit der Nachbarn nur erklären, weil sie vor seiner Zeit dort viele Freiheiten gehabt hätten, jetzt aber nicht mehr. Auf dem Gelände seien früher Gartenabfälle gelagert, Mini-Kleingärten angelegt und Wohnwagen abgestellt worden. Solche Abfälle landeten jetzt teilweise in seinen Baustellen-Containern.

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