Rotlichtviertel

Bordell-Streit: Die Masche mit gespielter Ahnungslosigkeit

Ein Kommentar zur Rotlicht-Diskussion von Redakteur Peter Szymaniak.

Ein Kommentar zur Rotlicht-Diskussion von Redakteur Peter Szymaniak.

Foto: Gerd Bertelmann / funkegrafik nrw

Oberhausen.  Die Verlagerung des Rotlichtviertels aus der Oberhausener Innenstadt ist zurecht umstritten. Doch die SPD will nun mit schlechtem Stil punkten.

Der Wahlkampf um die OB-Stichwahl hat die Diskussion um das Rotlichtviertel in der Oberhausener Innenstadt nach oben gespült. Bereits vor sechs Jahren hatte die CDU die Verlagerung des Bordells vorgeschlagen, um die City besser sanieren zu können.

Diese Idee stieß erst auf massive Ablehnung (SPD, Linke, Grüne), mündete Ende 2019 aber in einen Prüfauftrag der Ratsmehrheit von SPD, CDU und FDP an die Stadtverwaltung. Dabei wurden Regeln für ein neues Rotlicht-Gebiet vorgegeben: verträgliche Lage zu Wohnungen, Schulen, Kitas; Grundstück in ausreichender Größe, erreichbar mit Autos und Bussen; gute Sicherheit der Prostituierten, etc.

Dass dieses zentrale Projekt im Wahlkampf beleuchtet wird, ist angesichts dessen stadtplanerischer Bedeutung richtig. Allen ist klar, dass eine Verlagerung eines 110 Jahre alten Bordellviertels eine historische Mammutaufgabe ist. Heutzutage würde niemand mehr ein Bordell in der City platzieren – die Flaßhofstraße selbst ist dabei nicht das Problem, da hier die Bordellbetreiber für Ordnung sorgen, sondern der negative Sogeffekt für das gesamte Viertel.

Hohe Hürden für eine Verlagerung des Rotlichtviertels

Der Umzug der 16 Bordelle wäre ohne Zweifel ein Gewinn für das Oberhausener Zentrum – doch die Hürden sind hoch: Wer will denn Steuerzahlern erklären, dass die arme Stadt Bordellbetreibern Geld zahlt, um Besitzrechte abzulösen und sie zum Umzug zu bewegen? Wie will man Nachbarn in einem Gewerbegebiet davon überzeugen, dass es gut ist, wenn hier nun Prostituierte ihrer Arbeit nachgehen?

Trotz der Zustimmung der SPD zu einem Prüfauftrag ist es deshalb nachvollziehbar, dass nicht nur SPD-OB-Kandidat Thorsten Berg das Proiekt kritisch sieht. Aber selbst im Wahlkampf sollte die SPD eigentlich der Versuchung widerstehen, sich ahnungsloser zu geben als sie ist (Berg: „Habe nun Infos erhalten, die mich fassungslos machen“) – und normales Verwaltungshandeln als Skandal hinzustellen. Bergs Vorwurf: Die Stadt plane heimlich, die Bürger würden nicht informiert. Doch es ist eben kein Missstand, wenn städtische Fachbeamte nach den Kriterien des Rates eine vorläufige Liste theoretisch möglicher elf Grundstücke zusammenstellen – und Halbgares nicht öffentlich herausposaunen.

Zielführend für eine vernünftige Bürger- und Politikbeteiligung kann eine Liste doch nur dann sein, wenn alle Grundstücke detailliert bewertet worden sind und die Rathaus-Spitze die realistischen zwei oder drei Orte vorschlagen kann. Der Ratsbeschluss sieht danach ohnehin einen strukturierten Diskussionsprozess aller Beteiligten darüber vor. Am Ende entscheidet die Politik im Rat. Das weiß die SPD, die hier leider durch Skandalisierung und Emotionalisierung unnötige Ängste schüren will und so Leuten in die Hände spielt, die sie sonst zurecht bekämpft. Die SPD sollte Wähler lieber mit besseren Lösungen beeindrucken.

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