Literatur-Festival

Bilderbuch „Hübendrüben“ begeistert Kinder im Theater

Begeistert machten die Grundschüler mit, als Franziska Gehm und Horst Kleinihr deutsch-deutsches Bilderbuch „Hübendrüben“ vorstellten.

Begeistert machten die Grundschüler mit, als Franziska Gehm und Horst Kleinihr deutsch-deutsches Bilderbuch „Hübendrüben“ vorstellten.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Grundschüler lauschten der Mitmachlesung von Franziska Gehm und Horst Klein bei der Lit.Kid.Ruhr. Danach hatten sie viele Fragen: „War das echt?“

Bilderbücher können kreischkomisch sein, ein buntes Gewimmel aufbieten – und dennoch zu tiefen, bohrenden Fragen führen. Diesen Verlauf nahm die Lesestunde mit Franziska Gehm und Horst Klein und ihrem Werk „Hübendrüben“ am ersten von zwei „Lit.Kid.Ruhr“-Vormittagen im Theater Oberhausen.

Aber was heißt schon Lesestunde? Schließlich hatten die 44-Jährige aus Sondershausen, bei Mädchen berühmt als Erfinderin der „Vampirschwestern“, und ihr rheinischer Zeichnerkollege mit „Benimm dich bloß nicht“ bereits kindliche Action herausgefordert. Das neue Wimmel-Werk mit dem langen Untertitel „Als deine Eltern noch klein und Deutschland noch zwei waren“ bot schönsten Anlass zu Quizfragen, zum gemeinsamen Einüben einer nach „Freiheit“ rufenden Demonstration – und zum genussvollen Zerfetzen der zwischen den Stuhlreihen im Saal 2 gespannten Papier-Mauer.

„Ihr seid die Allerersten“, hatte Franziska Gehm verraten, „vor denen wir die Hübendrüben-Lesung machen“. Und mit den Neun- und Zehnjährigen klappte alles bestens.

Pittiplatsch und Broiler

Sie wussten, wo auf der schnellgezeichneten Deutschland-Karte BRD und DDR waren – konnten sogar Oberhausen exakt platzieren. Im Westen gab’s Hörspiel-Kassetten plus Bandsalat, im Osten den Sandmann und Pittiplatsch. Franziska Gehm, die Thüringerin, verkleidete sich als junge Pionierin und fragte nach Urlaubszielen: Die passten gar nicht alle auf die Europakarte, reichten die Antworten doch von USA bis Vietnam. Was waren dagegen die Strand-Kollektive von Meck-Pomm?

Doch gespannter als auf amüsante Fragen nach Broiler und Walkmann reagierten die Grundschüler auf den – ebenfalls in einem Wimmelbilder zusammengedrängten – Ursprung der deutschen Teilung: Aus einem Totenkopf-Umriss warf Horst Klein ein Hitler-Porträt auf die Flipchart.

Die papierene Mauer war schon zu Schnipseln zerfallen, die Ost-Kinder hatten vehement „Freiheit“ gerufen und „Demokratie jetzt oder nie“, da wollte das Premierenpublikum von „Hübendrüben“ noch mehr wissen: „Wo ist Hitler jetzt?“ Überrascht, aber standhaft, blieb das Duo keine Antwort schuldig: Sie sprachen vom Selbstmord im Bunker, nannten die Verführung und die Verbrechen und warum sich Deutschland zum Feind der Welt gemacht hatte. Und sie bejahten auch die letzte Frage: „War das echt?“

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