Pflege

Bessere Chancen für Geflüchtete, in der Pflege zu arbeiten

Abayomi A. Babalola aus Nigeria arbeitet derzeit als Pflegehilfskraft im Seniorenheim Gute Hoffnung in Sterkrade. Wenn bürokratische Hürden abgebaut würden, könnte deutlich mehr Geflüchtete den Personalmangel in der Pflege verringern helfen.

Abayomi A. Babalola aus Nigeria arbeitet derzeit als Pflegehilfskraft im Seniorenheim Gute Hoffnung in Sterkrade. Wenn bürokratische Hürden abgebaut würden, könnte deutlich mehr Geflüchtete den Personalmangel in der Pflege verringern helfen.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Viele Geflüchtete haben gute Voraussetzungen, um in der Pflege zu arbeiten. Die Initiative Pflegeberufe Oberhausen will ihnen dabei helfen.

Eine junge Krankenschwester von der Krim, die hier seit Monaten auf die Anerkennung ihres Berufsabschlusses wartet. Eine Krankenschwester aus Aserbaidschan, der aus formalen Gründen die Abschiebung droht. Ein aus Marokko geflüchteter junger Mann, der beinah keine Chance bekommen hätte, eine Ausbildung zum Pfleger zu machen und jetzt der beste Azubi seines Betriebs ist: Unter den in Oberhausen lebenden Geflüchteten gibt es viele Menschen, die helfen könnten, den viel beklagten Pflegenotstand zu vermindern – wenn es nicht so viele bürokratische Hindernisse gäbe. Um dieses Fachkräftepotenzial zu heben, hat sich die Initiative Pflegeberufe Oberhausen, kurz IPO, deshalb vorgenommen, in diesem Jahr besonders Geflüchtete in den Blick zu nehmen und zu unterstützen, die in der Pflege arbeiten möchten.

Die Scheu verlieren, Deutsch zu sprechen

„Der Bildungshintergrund vieler ist gut geeignet“, hat IPO-Koordinatorin Nese Özcelik festgestellt. „Manchmal sind ergänzende Fortbildungen nötig, manchmal brauchen sie vor allem Sprachförderung.“ Insgesamt gebe es in dem Bereich noch viel zu viele Hindernisse: „Da können wir als Initiative unterstützen, damit Erfolg oder Misserfolg nicht weiter nur vom Engagement einzelner Fürsprecher abhängen.“

Man wolle zum Beispiel direkt in den Pflegeeinrichtungen lockere Gesprächskreise oder Freizeitaktivitäten anbieten, in denen die Teilnehmer mal abseits des Fachvokabulars über einfache Alltagsthemen plaudern und so die Scheu verlieren, Deutsch zu sprechen.

Weiterbildung bei gesichertem Einkommen

Abayomi A. Babalola hat schon einen guten Einstieg geschafft: Der 35-Jährige kam vor einigen Jahren aus Nigeria nach Oberhausen. In seiner früheren Heimat hat er als Netzwerk-Techniker gearbeitet. Hier hat er, während er einen Sprachkurs fürs B2-Niveau absolvierte, im Jobcenter von der Möglichkeit erfahren, eine sechsmonatige Ausbildung zur qualifizierten Pflegehilfskraft zu machen. Seit zwei Monaten ist er jetzt schon im Seniorenzentrum Gute Hoffnung als Pflegehilfskraft tätig, mit der Absicht, sich weiter zu qualifizieren zur examinierten Pflegekraft. „Das neue Qualifizierungschancengesetz, das zum 1. Januar in Kraft getreten ist, ist da eine große Hilfe“, sagt Ercan Telli, Geschäftsführer des Integrationsrats. „Es ermöglicht, engagierte Leute zu fördern. Sie können sich zu Fachkräften weiterqualifizieren und behalten während dieser Zeit ihr gesichertes Einkommen – gefördert durch Land und Jobcenter.“

Starke Kümmerer vor Ort

Das kann Stefan Welbers, Leiter des Seniorenzentrum Gute Hoffnung, bestätigen: „Wir haben hier einen Familienvater beschäftigt, der es sich nicht leisten könnte, eine Ausbildung zu machen, wenn er sein Gehalt nicht weiter bekäme.“

Welbers ist froh über die verbesserten Fördermöglichkeiten und das Engagement der IPO: „Wir potenziellen Arbeitgeber kennen ja die Gesetzeslage und Förderrichtlinien nicht so genau. Deshalb sind wir froh, wenn wir starke Kümmerer vor Ort haben. Denn wir arbeiten hier gern mit Menschen aus anderen Kulturen – nicht nur wegen des Pflegenotstands, sondern aus Überzeugung.“

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