Jugendhilfe

Benachteiligte Jugendliche aus Oberhausen helfen in Rumänien

In der Ruhrwerkstatt bekamen die Teilnehmer der Rumänien-Reise von den Landtagsabgeordneten Sonja Bongers (zweite von links) und Frank Börner (4. v.l., aus Duisburg) Teilnahmezertifikate überreicht.

Foto: Jörg Schimmel

In der Ruhrwerkstatt bekamen die Teilnehmer der Rumänien-Reise von den Landtagsabgeordneten Sonja Bongers (zweite von links) und Frank Börner (4. v.l., aus Duisburg) Teilnahmezertifikate überreicht. Foto: Jörg Schimmel

Oberhausen.   Neun Heranwachsende in der Berufsorientierung haben in einem rumänischen Dorf für Kinder und Jugendliche mitangepackt. Eine Erfahrung fürs Leben

Die Jugendlichen in der Jugendwerkstatt Oberhausen hatten es selbst nicht leicht im Leben. Sie sind in der Berufsorientierung, haben einen Hauptabschluss nach Klasse 9 oder gar keinen Schulabschluss. In die Jugendwerkstatt sind sie gekommen, um die ersten Schritte ins Berufsleben zu gehen.

Neun dieser Jugendlichen haben im Mai mit drei Sozialpädagogen im rumänischen Ort Radeln (Roadeş) einen Holzzaun und eine Hallenbande aus Spanholz für dortige Kinder und Jugendliche gebaut. Zwei Wochen lang hatten sie gebohrt, geschweißt, gestrichen, Metallpfosten und Spanplatten geschleppt – im Rahmen des Projekts „Young Workers for Romania“ („Junge Arbeiter für Rumänien“).

Syrer durften nicht mitfahren

„Das war für einen guten Zweck, für die Kinder und Jugendlichen vor Ort“, sagt Pierre Stambolic, der in der Jugendwerkstatt seinen Hauptschulabschluss nachholt. Der 19-Jährige sprang kurz vor der Abfahrt ein. Denn: Zwei Teilnehmer mit syrischen Wurzeln durften nicht mitfahren. Sie bekamen keine Ausreisegenehmigung.

Die Teilnehmer wollten sich auch ein eigenes Bild von Rumänien machen. „Ich hatte vorher nur gehört, dass es ein armes Land ist. Vor Ort ist es immer anders“, erklärt der 20-jährige Maurice Kuballa, der nach der Jugendwerkstatt eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann machen will. „Die Landschaft, die Natur sind toll“, erinnert er sich. Die Jugendgruppe besuchte ein Bärenreservat, machte Ausflüge in die Berge.

Für die drei Sozialpädagogen, welche die Jugendlichen begleiteten, war die Reise eine Herausforderung. „Es war spannend, aber es ist anstrengend, 24 Stunden lang Ansprechpartner zu sein“, sagt Sozialpädagogin Daniela Engbox, welche die Jugendgruppe mit ihren Kollegen Thomas Holländer und Thomas Kaufmann begleitete. Die 17-jährige Lara Cadeddu fand es besonders toll, dass sie ein Bärenreservat besucht und abends oft in der Gruppe zusammengesessen haben.

SPD-Landtagsabgeordnete Sonja Bongers überreichte den Projektteilnehmern Bestätigungen ihrer Teilnahme. „In einem solchen Projekt lernen Jugendliche Teamarbeit. Es ist auch wichtig, dass sie sehen, dass sie einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten können“, sagt Bongers.

Zunächst kein Interesse für Projekt

SPD-Landtagsabgeordneter Frank Börner hat die Jugendlichen mitausgezeichnet. Der Duisburger ist im Vorstand des Aktuellen Forums, eines Vereins für politische Bildung aus Gelsenkirchen, der das Projekt ins Rollen gebracht hat. „Um Europa zu erleben, muss man in ein anderes Land fahren“, meint er.

Das Forum musste Überzeugungsarbeit leisten, um einen Jugendhilfeträger ins Boot zu holen. „Wir haben in vielen Städten gefragt und Absagen bekommen. Dabei ist das Projekt vollfinanziert“, sagt Miriam Jusuf, Projektleiterin beim Forum. Viele mögliche Projektpartner hätten es sich nicht zugetraut, mit nicht ganz so einfachen Jugendlichen eine solch komplexe Reise anzutreten.

>>>INFO: Projekt „Young Workers for Romania“

Steht für „Junge Arbeiter für Rumänien“. Soll die persönlichen und beruflichen Kompetenzen der Teilnehmer stärken. Wird umgesetzt vom Aktuellen Forum und Jugendhilfeträgern, gefördert durch die Europäische Union, dem NRW-Arbeitsministerium und dem Integrationsministerium.

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