Café Kultur

Beliebtes City-Café steht vor dem Aus – das steckt dahinter

Rolf Timm in seinem Café Kultur am Saporishja-Platz in der Oberhausener Innenstadt.

Rolf Timm in seinem Café Kultur am Saporishja-Platz in der Oberhausener Innenstadt.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Das Café Kultur im Bert-Brecht-Haus in der Oberhausener Innenstadt soll schließen. Dabei macht der Betreiber trotz Corona wohl erstmals Gewinn.

Gastronom Rolf Timm sitzt in seinem Café Kultur im Bert-Brecht-Haus, blickt auf den herbstlichen Saporishja-Platz und schüttelt mit dem Kopf. „Es kann nicht wahr sein.“ Die Stadt hat ihm den Pachtvertrag gekündigt. Fristlos. Dabei geht er davon aus, nach zwei Jahren erstmals Gewinn zu machen – und das im Corona-Jahr 2020.

Die Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM) bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, dass der Vertrag mit dem Pächter mit Vollmacht der Stadt tatsächlich fristlos gekündigt wurde. Konkrete Gründe nennt die OGM nicht, von einer „Nichteinhaltung der mietvertraglichen Vereinbarungen“ ist die Rede.

Ärger um einen Vorhang

In der Tat habe es einige Unstimmigkeiten gegeben, sagt Rolf Timm dazu. „Aber eine fristlose Kündigung ist eine vollkommen überzogene Reaktion.“ So hätten sich etwa die ebenfalls im Bert-Brecht-Haus beheimatete Volkshochschule und die Stadtbücherei beschwert, dass Timm den Übergangsbereich zum Café mit einem dunklen Vorhang versehen und den Bereich mit Bildern dekoriert habe. Das sei von der anderen Seite nicht schön anzusehen gewesen, gibt Timm die Kritik wieder.

Außerdem habe er mit seinem Wagen zum Be- und Entladen manchmal in der Feuerwehr-Einfahrt gestanden. Und er soll die vertraglich vereinbarten Öffnungszeiten nicht immer eingehalten haben – zwischenzeitlich statt um 8 erst um 9 Uhr geöffnet haben. Stimmt, gibt auch der mittlerweile eingeschaltete Anwalt in einem Schreiben an die OGM zu. Zwischen 8 und 9 Uhr habe es schlicht keine Gäste gegeben.

Viele neue Gäste im Café Kultur

Doch der Gastronom hat jede Kritik an seinem Café ernst genommen und dementsprechend reagiert, wie er selbst sagt: Vorhang und Bilder hat er wieder entfernt, Geld für neue Deko investiert. Er hält nach eigener Aussage nicht mehr in der Einfahrt und öffnet auch wieder um 8 Uhr morgens. Abends öffnet er sogar länger als vorgeschrieben, bewirtet seine Gäste bis 22 Uhr, veranstaltet kleine Konzerte und Tanzabende. „Ich habe viele Gäste hinzugewonnen, auch viele Stammgäste. Hier entwickelt sich etwas Gutes.“

Auch Unstimmigkeiten bei den Mietzahlungen seien aus der Welt geräumt: Dank einer Mietminderungsklausel zahlt Timm monatlich weniger Pacht, wenn er nachweist, dass das Café keinen Gewinn abwirft. Dies hätte er für das Jahr 2019 bis zum 31. Dezember tun müssen – hat es aber versäumt. Als der Fauxpas auffiel, habe er die zu viel gezahlte Miete zurückbuchen lassen und die nötigen Unterlagen nachgereicht. Aus denen ginge hervor, dass er 2018 Verluste gemacht und 2019 plus/minus Null abgeschlossen hat.

Im Bert-Brecht-Haus zieht es wie Hechtsuppe

Rolf Timm vermutet ein ganz anderes Motiv hinter der Kündigung: Sein Café soll zu einem neuen Ein- und Ausgang für VHS und Bücherei umgestaltet werden. Im jetzigen Eingangsbereich sei es nämlich sehr zugig, Mitarbeiter beschwerten sich über die Kälte. Dies bestätigt auch die OGM: „Die gegenwärtige bauliche Situation im Erdgeschoss des Bert-Brecht-Hauses wird zurzeit neu bewertet, weil die dort an der Servicetheke eingerichteten Arbeitsplätze aufgrund der starken Zugluft überplant werden sollen.“ Für die nahe Zukunft sei geplant, das Café – dann offenbar mit einem anderen Betreiber – weiter zu öffnen „und es optisch als Lesecafé stärker mit in die Struktur des Bert-Brecht-Hauses einzubinden“.

Doch auch da ist Rolf Timm skeptisch. Im Laufe der Streitigkeiten habe er vorgeschlagen, einen Nachpächter zu suchen. Immerhin hat er nach eigener Aussage rund 45.000 Euro an den Vorpächter gezahlt und dann noch einmal 25.000 Euro unter anderem in die Außengastronomie investiert. „Das möchte ich wieder raus haben.“ Es habe sich tatsächlich ein Interessent gefunden, doch Stadt und OGM hätten es abgelehnt, das Café an einen anderen Pächter zu vermieten. Das spreche dafür, dass ein Cafébetrieb nicht länger gewünscht sei. Dabei laufe sein (gekündigter) Vertrag bis Juni 2022.

Was Rolf Timm besonders bedauert: die in seinen Augen mangelnde Kommunikation. „Wenn es Probleme gibt, spricht man miteinander. Dann kann man die Probleme beheben. Das machen normale Menschen doch so.“ Wie es nun weiter geht, weiß der Café-Betreiber nicht. Bis zum vergangenen Samstag hätte er das Café räumen müssen. Er hat der Kündigung widersprochen, der Betrieb läuft vorerst weiter, ein Anwalt ist eingeschaltet.

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