Ausgleichsabgabe

Behinderte im Betrieb: Unternehmer gegen Abgaben-Erhöhung

Menschen mit einer Behinderung sind auf dem Jobmarkt nicht chancenlos.

Menschen mit einer Behinderung sind auf dem Jobmarkt nicht chancenlos.

Foto: Industryview / Getty Images / iStockphoto

Oberhausen.  Die SPD fordert eine Erhöhung der Abgabe, wenn Betriebe zu wenige Menschen mit Handicap beschäftigen. Der Unternehmerverband wehrt sich.

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Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung nimmt kontinuierlich ab. In Oberhausen sind derzeit rund 740 Menschen betroffen – 15 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Darüber freut sich auch der hiesige Unternehmerverband – und nimmt die Entwicklung zum Anlass, eine vom Bundesbehinderten-Beauftragten Jürgen Dusel (SPD) geforderte Erhöhung der sogenannten Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe zu kritisieren. Unternehmen würden damit „in Beugehaft genommen“, sagt Elisabeth Schulte vom Unternehmerverband.

Die Ausgleichsabgabe zahlen solche Betriebe, die keine oder zu wenige Menschen mit Behinderung beschäftigen – gemessen an der gesetzlich vorgeschriebenen Quote. Diese Zahlungen erhöhen zu wollen, „konterkariert die erfreulichen Erfolge der beruflichen Teilhabe“, sagt Schulte, die Geschäftsführerin des Unternehmerverbandes Soziale Dienste und Bildung ist. Der Arbeitgeberverband berät und vertritt auch Behinderteneinrichtungen wie Wohnheime, Werkstätten und Kindergärten.

Nicht leicht, die Quote zu erfüllen

Schulte weiter: „Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren vermehrt das Potenzial von Menschen mit Behinderung erkannt und sie zunehmend beschäftigt – übrigens auch viele kleine Unternehmen, die dazu gar nicht gesetzlich verpflichtet sind.“ Sie ergänzt, dass auch Unternehmen, die selbst keine Menschen mit Behinderung beschäftigen, indirekt deren Integration in den Arbeitsmarkt finanzierten: nicht nur durch die Ausgleichsabgabe, sondern auch durch Steuern, Sozialversicherungsabgaben oder indem sie Behindertenwerkstätten mit Arbeiten beauftragen.

Nicht jeder Job mit einem Schwerbehinderten besetzbar

Es sei nicht einfach, die Quote für die Beschäftigung von Menschen mit Handicap zu erfüllen, meint die Lobby-Vertreterin. Behinderungen seien ebenso vielfältig wie die Anforderungen eines speziellen Jobs. Unternehmen könnten, selbst wenn sie wollten, nicht jeden Job mit einem Schwerbehinderten besetzen. „Deshalb wäre es besonders ungerecht, wenn solche Unternehmen auch noch eine höhere Ausgleichsabgabe zahlen müssten.“

Anstatt Unternehmen mit Strafen und Bürokratie zu demotivieren, Inklusion in ihren Betrieben weiter voranzutreiben, sollten Fördermöglichkeiten aus Sicht des Unternehmerverbandes besser für die individuelle passgenaue Integration zugänglich werden.

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