Landwirtschaft

Bauer Hagedorn verliert 2017 zehn Prozent Betriebsfläche

Über eine gute Zuckerrübenernte konnte sich Bauer Hagedorn noch im Oktober freuen. Jetzt befürchtet er an der Bayernstraße weiteren Landverlust.

Foto: Gerd Wallhorn

Über eine gute Zuckerrübenernte konnte sich Bauer Hagedorn noch im Oktober freuen. Jetzt befürchtet er an der Bayernstraße weiteren Landverlust. Foto: Gerd Wallhorn

oberhausen.   Landwirt ohne Land: Für Hermann Hagedorn wird das Überleben als Bauer immer schwerer. Aus etlichen seiner gepachteten Felder wird Bauland.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Hermann Hagedorn ist Landwirt aus Leidenschaft. Er hält ein paar Rinder, baut in Oberhausen auf rund 70 Hektar Mais, Gerste, Kartoffeln und Zuckerrüben an. 15 Hektar sind sein Eigentum, den Rest hat er gepachtet. Genau da aber liegt das Problem. Denn seit Jahren verliert er, meist durch Baumaßnahmen, mal hier ein Stück, mal dort. Geht das so weiter, ist seine Existenz bedroht.

Nein, diese Geschichte haben wir nicht Bauer Hagedorn selbst zu verdanken. Peter Gremnitz wandte sich an uns. Gremnitz ist Anwohner der Bayernstraße. „Als ich jetzt durch Zufall davon erfuhr, dass ein Teil der Felder in Richtung Kleestraße Bauland für Eigenheime werden soll, war ich geschockt“, erzählt Gremnitz. „Seit fast 38 Jahren wohne ich in unmittelbarer Nähe der Felder der Familie Hagedorn und genieße immer wieder den herrlichen farblichen Anblick dieser sehr gut gepflegten Flächen.“

Eine kleine Idylle mitten in der Stadt. Für die Anwohner, für Spaziergänger mit und ohne Hund, für Radler. „Vor Jahren hatte Oberhausen mal mehr als 260 000 Einwohner und die haben auch nicht in Zelten gelebt“, sagt Gremnitz. Heute leben in Oberhausen noch rund 210 000 Einwohner. „Das sind doch viel weniger, wieso muss jetzt trotzdem jeder freie Fleck bebaut werden?“, ärgert er sich.

Kündigung für sieben Hektar

Für Hermann Hagedorn geht es um mehr als Ärger über verlorene Flächen. Es geht um seine Existenz. Gerade erst habe er die Kündigung für sieben Hektar an der Weißensteinstraße erhalten. „Dort baut Edeka sein neues Zentrallager.“ Hagedorns gepachtete Felder müssen deshalb einer neuen Zugangsstraße weichen. Dabei habe er erst kürzlich weitere zwei Hektar in Buschhausen verloren: „Durch den Ausbau der Betuwe-Linie für den Bahngüterverkehr.“

Mehr als zehn Prozent seiner Betriebsflächen wird Hagedorn damit allein in diesem Jahr los. Dazu kommen die zweieinhalb Hektar an der Bayernstraße. Zwar beruhigt eine Mitarbeiterin des Eigentümers MAN GHH Immobilien: „Es gibt noch keine konkreten Pläne, auch Gespräche mit der Stadt sind noch nicht geführt worden.“ Im Flächennutzungsplan der Stadt sei die Fläche aber bereits als Wohnbaufläche ausgewiesen. Und so bestätigt sie schließlich: „Über kurz oder lang wird dort auch gebaut.“

Weniger Fläche aber bedeutet für Landwirt Hagedorn weniger Ertrag und damit weniger Einkommen. Zerstückelte Flächen bedeuten für ihn: Rinder, die häufig umgesetzt werden müssen, Erntezeiten, in denen er mit seinen Maschinen durch halb Oberhausen reist. „Für mich als Landwirt wird das Überleben immer schwieriger.“

>>>> Mit Fantasie und Risikobereitschaft zum Erfolg

Der Hof des 48-jährigen Agrarbetriebswirts Hermann Hagedorn liegt am Rande des Ortsteils Schwarze Heide an der Hagedornstraße 109. Um die Existenz seines Betriebes zu sichern, ließ sich Hagedorn bereits so einiges einfallen.

So stellte er im Sommer auf seinem Hof einen Automaten auf, der rund um die Uhr frisches Grillgut bereithielt. Außerdem verkauft er Honig und frische Eier. Ein Erfolg für ihn wurde auch der erste Anbau von Zuckerrüben in Oberhausen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (3) Kommentar schreiben