Wirtschaft

Bau-Boom lässt Projekte in Oberhausen ins Stocken geraten

Förderprogramme führen zu einem Boom in der Bauwirtschaft.

Förderprogramme führen zu einem Boom in der Bauwirtschaft.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

OBERHAUSEN.   Etliche Förderprogramme führen zu einem Boom in der Bauwirtschaft. Das hat nicht nur positive Folgen. In Oberhausen geraten Projekte ins Stocken.

Die anhaltend starke Baukonjunktur macht der Stadt Oberhausen zu schaffen: Die Preise für Handwerker sind so deutlich gestiegen, dass die Stadt bereits von Bürgern dringend gewünschte Bauprojekte einstampfen musste. Zudem bewerben sich immer weniger Baubetriebe um Aufträge der Stadt – sie sind einfach ausgebucht.

„Der Bauboom macht unsere geplanten Projekte immer teurer“, sagt Alexander Höfer, Sprecher der Stadttochter Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM). Besonders drastisch habe die OGM dies 2016 zu spüren bekommen: Das neue Kinderland im Aquapark war mit Kosten von 4,2 Millionen Euro kalkuliert worden. Doch nur ein einziges Unternehmen hatte ein Angebot abgegeben – und verlangte den doppelten Preis. „Wir haben deshalb von der Planung Abstand genommen.“

Langes Warten auf neue Brücken

Für andere Ausschreibungen hat die Stadt bislang überhaupt keine Angebote erhalten, etwa für Projekte des Handlungskonzeptes „Brückenschlag“, mit dem sie die Innenstadt und Lirich aufwerten möchte. Zu erheblichen Verzögerungen ist es bei einem Vorhaben in Schmachtendorf gekommen: Am Nassenkampgraben warten Anwohner seit anderthalb Jahren auf zwei neue Brücken, um endlich wieder ihre Garagen anfahren zu können.

Die Stadt habe den Auftrag für den Neubau der im April 2016 abgerissenen Brücken wie rechtlich vorgeschrieben zwei Mal ausgeschrieben, erklärt die Planungsdezernentin Sabine Lauxen. Angebote seien aber nicht eingegangen. Jetzt darf die Stadt den Auftrag selbst vergeben – ein Hoffnungsschimmer für die Anwohner.

In diesen für Betriebe so guten Bauzeiten können sich auch Architekten und Planungsbüros aus der Fülle an öffentlichen Ausschreibungen die Rosinen rauspicken. „Das ist eine neue Situation für uns“, sagt Lauxen. Ein Grund für die gute Lage am Markt ist die derzeitig große Zahl an öffentlichen Förderprogrammen. Allein für das Programm „Gute Schule 2020“ werden landesweit in den kommenden vier Jahren insgesamt zwei Milliarden Euro bereitgestellt.

Auch die Suche nach neuen Mitarbeitern wie Ingenieuren, Planern oder Architekten gestaltet sich zunehmend schwierig. „Der Markt ist abgegrast.“ Was passiert, wenn der Trend anhält? „Im schlimmsten Fall können wir geplante Projekte nicht umsetzen“, warnt die Dezernentin. Besonders gefährdet sind Projekte, die gefördert werden und im Rahmen dieser Förderung zeitliche Vorgaben erfüllen müssen.

Kämmerer Apostolos Tsalastras, ein emsiger Befürworter von Unterstützung armer Kommunen durch Bund und Land, bittet die Politiker in Düsseldorf und Berlin, die staatlichen Leistungen an Städte in Zukunft zu verstetigen. „Mit den üblichen Förderprogrammen erhalten wir wellenweise Geld – und das führt dann zu all den Kapazitätsproblemen der Bauwirtschaft. Und wir als Stadt wiederum können auch nicht nur für die Spitzen dauerhaft so viele Planer einstellen wie sie dann nötig wären.“

AUCH PRIVATLEUTE WARTEN LANGE AUF HANDWERKER

Die vollen Auftragsbücher der Handwerker machen auch Privatleuten zu schaffen. Vor allem in Großstädten müssen Kunden oft lange warten, bis Klempner, Schlosser und Co. Zeit haben.

Neben der Fülle an Förderprogrammen machen Experten auch einen anhaltenden Ansturm auf Immobilien dafür verantwortlich. Dieser wird durch die Niedrigzins-Phase weiter befeuert.

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