Handwerk

Bäcker setzt für sein neues Brot auf eigenes Getreide

Der Oberhausener Innungsbäcker Stefan Agethen setzt auf mehr Nahversorgung. Das Getreide für sein neues Brot lässt er in diesem Jahr erstmals in Mülheim anbauen.

Der Oberhausener Innungsbäcker Stefan Agethen setzt auf mehr Nahversorgung. Das Getreide für sein neues Brot lässt er in diesem Jahr erstmals in Mülheim anbauen.

Foto: Kerstin Bögeholz

oberhausen.   Familienbäckerei Agethen verwirklicht mit Mülheimer Landwirt einen Traum. Beide wollen weg vom Großhandel und mehr regionale Produkte verkaufen.

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Brot aus eigenem Getreide backen – diesen Traum hatte Stefan Agethen von der gleichnamigen Oberhausener Bäckerei schon lange. Jetzt wird er wahr.

Agethen kennt sein Handwerk von der Pieke auf. Nach der Bäckerausbildung schloss er den Meister und ein Betriebswirtschaftsstudium an. Nun will er dafür sorgen, dass gute Bäckertradition wieder in alle Munde kommt. Fachkundige Unterstützung erhält er vom Mülheimer Landwirt Gerd Pieper. Den hatte er zufällig kennengelernt. „Über meinen Freund Friedrich von der Bey.“

„Jemanden gefunden, der den gleichen Traum träumt“

Die Oberhausener Landwirtsfamilie von der Bey züchtet unter anderem Schweine, baut Futterweizen an. „Wenn dein Weizen die Qualität für Brot hätte, das wäre was“, schwärmte Agethen seinem Bekannten vor. Der konnte ihm zwar nicht selbst weiterhelfen, verwies ihn aber an seinen Cousin Gerd Pieper. Schnell stellte Agethen fest: „Da habe ich jemanden gefunden, der den gleichen Traum träumt.“

Regionale Produkte aus regionalen Zutaten herstellen – davon ist auch Pieper überzeugt. Auf seinem Hof am Roßkothenweg 29 in Mülheim verkauft er bereits Eier, Kartoffeln, Erdbeeren. Für Pieper steht fest: „Wir müssen weg vom Großhandel.“ Noch werde der Großteil der weltweiten Ernte über die Börse in Chicago (USA) vertrieben. Was den Landwirt ärgert: „Diejenigen, die mit unseren Erzeugnissen handeln, verdienen viel mehr, als wir, die diese Produkte herstellen.“ Kein Wunder also, dass Stefan Agethen bei Gerd Pieper auf offene Ohren stieß. Auf 16 Hektar Land steht nun der Weizen für Agethens neues Brot. Gedüngt wird das Getreide organisch „mit Pferdemist“.

Erst ab Herbst im Handel

Noch benötigt der Weizen vor allem Zeit zum Wachsen. Erst im kommenden Herbst ist es soweit: „Es gibt ein kleines Fenster von drei bis vier Tagen, in denen der Weizen seine Reife entwickelt“, erklärt Pieper. Dann wird sofort geerntet. Ein bis zwei Wochen darf das Getreide in einer Scheune auf seinem Hof nachreifen. Gemahlen wird der Weizen in einer Mühle in Mülheim. Das frische Mehl wird dann direkt in die Oberhausener Backstube geliefert.

Ein Vollkorn-Weizenbrot will die Familienbäckerei daraus zaubern. Wie es heißen soll? Welche Form es bekommt? Stefan Agethen zuckt lachend die Schultern. „Das wissen wir noch nicht.“ Das hänge vom Backverhalten des Mehls ab. Nur zwei Dinge stehen schon fest: „Beimischungen sind nicht nötig – und kosten wird das Brot so um die drei Euro.“ Gerd Pieper will nun auch Dinkel anpflanzen, später noch Urkorn-Sorten wie Emmer und Kamut. „Es gibt aufgrund der nachgezüchteten Sorten und der damit verbundenen Genveränderungen immer mehr Menschen, die eine Getreide-Allergie entwickeln“, sagt der Landwirt. Die Urkorn-Sorten dagegen seien durchweg gut verträglich. „Das könnte eine echte Chance sein“, meint Pieper und zwinkert seinem Bäckerkollegen zu. Der erste Schritt zur Nahversorgung ist gemacht, weitere dürften folgen.

>>>>>> Filmprojekt begleitet Ernte und Backvorgang

Begleitet wird die Entstehung des neuen Brotes von einem Filmprojekt des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs. Zwei Absolventinnen halten Getreidewachstum, Ernte und Backvorgang fest. Den Film stellen die Schülerinnen und Bäcker Agethen Innungskollegen im Raum Rhein-Ruhr kostenlos zu Werbezwecken zur Verfügung.

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