Landgerichts-Urteil

Baby getötet - über acht Jahre Haft für Oberhausener Mutter

Einer der Prozesssäle im Landgericht Duisburg.

Einer der Prozesssäle im Landgericht Duisburg.

Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Ein totes Baby, mehrere Gutachter, viele Lügen der Täterin – am Ende verurteilte das Landgericht eine Oberhausener Mutter zu jahrelanger Haft.

Das Kind hieß Leni. Es kam am 10. August 2018 gesund im Badezimmer einer Wohnung in Königshardt zur Welt. Es lebte nicht länger als 30 Minuten. Seinen Namen erhielt das Mädchen erst einige Zeit, nachdem seine Mutter es erstickt hatte.

Davon war das Landgericht Duisburg am Ende eines langen Prozesses am Mittwoch überzeugt. Wegen Totschlags verurteilte es die 34-Jährige zu achteinhalb Jahren Gefängnis. „Sie hat das Kind getötet, indem sie ihm aktiv die Atemwege verlegte“, sagte der Vorsitzende der 3. Großen Strafkammer in der Urteilsbegründung. Entweder habe die Frau dem Neugeborenen die Hand auf Mund und Nase gehalten oder eine weiche Textilie auf das Gesicht des Babys gedrückt, bis es tot war.

Mehrere Experten waren sich in ihrem Urteil einig

Eine Reihe von Sachverständigen hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass das Kind voll ausgereift und gesund durch eine Sturzgeburt zur Welt kam. Nur ein Experte, der ursprünglich von der Familie der Angeklagten beauftragt worden war, hatte natürliche Todesursachen für möglich gehalten. Allerdings sahen die Richter darin nur theoretische Gedankenmodelle, die im Gegensatz zu den Darstellungen seiner Kollegen nicht von anderen Indizien gestützt wurden.

Mutter knüpfte immer neue Legenden

Die meisten Indizien schöpfte die Kammer allerdings aus den immer neuen Lügen und Legenden, mit denen die Angeklagte operiert habe. So hatte die Frau kurz nach der Tat behauptet, das Kind sei im siebten oder achten Monat tot geboren worden. Erst spät, so hatte es die 34-Jährige dargestellt, habe sie die Schwangerschaft bemerkt, allerdings nie Lebenszeichen des Kindes wahrgenommen. Eine Behauptung, die angesichts der ärztlichen Gutachten nicht stimmen könne.

Ebenso als Legende entlarvt sah das Gericht eine spätere Version der Angeklagten, sie sei nach der Geburt ohnmächtig geworden und habe danach kein Lebenszeichen an dem Kind mehr feststellen können und es in eine Decke eingeschlagen.

Mit Hilfe ihres Smartphones über Schwangerschaftsabbrüche recherchiert

Bereits im April 2018, so ergaben Auswertungen ihres Smartphones, hatte die 34-Jährige im Internet über Schwangerschaft, Abbrüche und Totgeburten recherchiert. „Zu einem Arzt ging sie allerdings nie“, stellte das Gericht fest.

Gegenüber ihrem Ehemann, den sie erst im August 2017 geheiratet hatte, ihrer Familie und Freunden hatte die 34-Jährige ihre Schwangerschaft geheim gehalten. Sie schob eine Magenschleimhautentzündung und Blähungen vor. Das Motiv lag für die Richter auf der Hand: „Sie wusste nicht, ob das Kind von ihrem Ehemann oder von ihrem heimlichen Geliebten war.“

Keine Möglichkeit für einen Freispruch

Bis zuletzt habe die Frau auf einen Geburtstermin im Oktober gehofft, als das Baby im August zur Welt kam, sei ihr klar gewesen, dass nur der Geliebte aus Duisburg der Vater sein könne. „Sie sah in der Tat die einzige Möglichkeit, ihr bisheriges geordnetes Leben fortzusetzen“, sagte der Vorsitzende. „Das Kind hatte in ihrem Leben keinen Platz.“

Für einen Freispruch sei angesichts der umfassenden Beweisaufnahme kein Raum gewesen, machte das Gericht deutlich.

Aber auch ohne aktives Tun der Angeklagten hätte am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Urteil wegen Totschlags gestanden – nämlich in der Variante durch Unterlassen. Zwar gebe es kein Gesetz, das eine Erstgebärende zwingen könne, vor der Geburt zu einem Arzt zu gehen. „Aber jede Mutter ist dazu verpflichtet, Vorkehrungen für eine Geburt in geschützter Umgebung und eine medizinische Erstversorgung ihres Babys zu treffen.

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