Kinderbetreuung

Zwangs-Aus für Pflegenest in Oberhausen gibt Rätsel auf

Die Stadt hat dem Betreiber der Großtagespflege „Falkennest“ gekündigt.

Die Stadt hat dem Betreiber der Großtagespflege „Falkennest“ gekündigt.

Foto: Jens Büttner / dpa

Oberhausen.  Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Körperverletzung eines Kindes in einem Oberhausener Pflegenest. Doch der Fall bleibt rätselhaft.

Die plötzliche Zwangsschließung der Tagespflegestelle „Falkennest“ mit neun betreuten Kindern unter drei Jahren durch die Stadt gibt auch vier Wochen danach Rätsel auf.

Zwei Mitarbeiter des Betreibers „Clique Sonnenschein gGmbH“ hatten am 16. Mai das Jugendamt informiert und schwere Vorwürfe der Kindeswohlgefährdung durch einen Kollegen gemeldet. Die Taten sollen im Herbst 2018 angefangen haben. Warum diese Meldung erst so spät erfolgte, bleibt unklar, doch das Jugendamt reagierte sofort: Noch am selben Tag wurde das Pflegenest geschlossen. Das Jugendamt stellte Strafanzeige. Wenige Tage später wurde dem Betreiber mit sofortiger Wirkung gekündigt.

Betreiber sei vorab nicht informiert worden

Darüber beschwert sich nun Andreas Bock, Sprecher der gemeinnützigen Clique Sonnenschein: „Die Schließung ist nicht gerechtfertigt.“ Man sei weder von der Adhoc-Schließung noch von der anschließenden Vertragskündigung vorab informiert worden. Die Stadt hatte die Kinder danach auf andere Einrichtungen verteilt. „Für die Kinder war dies ein traumatisches Erlebnis: die stundenlangen Gespräche, das Ausräumen ihrer persönlichen Sachen und die Herausnahme aus dem laufenden Betreuungsbetrieb.“

Bock beteuert, von den Vorwürfen gegenüber einer Pflegekraft erst viel später von der Stadt informiert worden zu sein. Auch seine eigenen Mitarbeiter hätten sich nicht geäußert.

Das Jugendamt sieht das anders: Der Betreiber sei umgehend am Tag der Schließung informiert worden, heißt es auf Anfrage dieser Redaktion. „Bis zur Klärung der Situation wurde die Einrichtung zur Sicherheit der Kinder geschlossen.“

Aufgrund der Vorwürfe der Mitarbeiter gegen einen Kollegen ermittelt die Staatsanwaltschaft Duisburg wegen „Misshandlung von Schutzbefohlenen“.

Ermittlungsbehörden sprechen von Körperverletzung

Nach aktuellem Ermittlungsstand seien Kinder aber nicht gequält oder misshandelt worden. „Vieles deutet darauf hin, dass es sich eher um eine leichte Form der Körperverletzung handelt“, sagt Sprecherin Jennifer König.

Obwohl noch keine Ergebnisse vorliegen, kündigte das Jugendamt außerordentlich. Es sei gegen Regularien des Kinderbildungsgesetzes und die städtischen Rahmenbedingungen zur Förderung der Kindertagespflege verstoßen worden, teilt das Jugendamt nun offiziell mit. Eine zuverlässige Kooperation sei nicht mehr gewährleistet.

Die schriftliche Kündigung nennt nach Informationen dieser Zeitung aber Details: Die Clique Sonnenschein habe seit Betreiben der Großtagespflege ab März 2017 Mitarbeitern den Kontakt zum Jugendamt untersagt. Auch seien Arbeitsverträge dem Amt nicht vorgelegt worden. Von einem „zerstörten Vertrauensverhältnis“ und einer „Unzuverlässigkeit des Betreibers“ ist die Rede.

Kinder sind woanders untergebracht

Innerhalb kurzer Zeit hat das Jugendamt den Eltern der neun Kinder dazu geraten, den Betreuungsvertrag mit der Clique zu kündigen. „Uns wurde keine Möglichkeit gegeben, unserer Verantwortung den Kindern und Eltern gegenüber gerecht zu werden“, ärgert sich indes Andreas Bock. Man habe weder eine Stellungnahme eingeholt noch die Chance einer weiteren Betreuung der Kinder eingeräumt. Mittlerweile sind nach Angaben der Stadt alle Kinder dauerhaft in Betreuungsplätze vermittelt. Die Clique Sonnenschein will zur Aufklärung der Vorfälle beitragen: „Wir haben jeden dazu eingeladen, mit uns Aufklärung zu erreichen und Klärung zu suchen“, gibt Andreas Bock an.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben