Drogen

Auch Oberhausen diskutiert mögliche Freigabe von Cannabis

Hanfpflanzen brauchen sehr viel Pflege. Sie benötigen besonders eine Menge an Licht.

Hanfpflanzen brauchen sehr viel Pflege. Sie benötigen besonders eine Menge an Licht.

Foto: ABIR SULTAN

Oberhausen.   Sollte Verkauf und Besitz von Cannabis weiter illegal sein? Viele sehen die Folgen einer solchen Entscheidung zwiespältig.

Soll man den Konsum von Haschisch ganz freigeben? Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hält zumindest die Legalisierung von Cannabis für sehr wahrscheinlich. „Die Prohibition von Cannabis ist historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend“, sagte André Schulz. „Es gab in der Menschheitsgeschichte noch nie eine Gesellschaft ohne Drogenkonsum. Meine Prognose: Es wird in Deutschland nicht mehr allzu lange verboten sein.“ Das derzeitige Rechtssystem stigmatisiere Menschen und fördere kriminelle Karrieren.

Was halten Oberhausener Verantwortliche von einer Aufhebung des Verbots? Das sagt ...

... der Kriminalbeamte

Reinhard Gerlach vom Bezirksverband Oberhausen des BDK hält es für sinnvoll, den Verkauf von Cannabis weiterhin strafrechtlich zu verfolgen. Allerdings sollten die Konsumenten straffrei ausgehen. Kinder und Jugendliche sollten auf jeden Fall von der Droge ferngehalten werden. „Es ist wissenschaftlich unstrittig, dass bei jungen Menschen im Wachstum Drogen extrem belastend für den Körper sind“, sagt Gerlach. Der regelmäßige Genuss von Cannabis könne bei Jugendlichen weitreichende Folgen bis hin zu Psychosen haben.

... der Polizeibeamte

Auf die gesundheitlichen Gefahren der Drogen gerade für junge Leute weist Polizeisprecher Maik Podlech hin: „Cannabis bremst nachweislich die geistige Entwicklung.“ Nach medizinischen Studien steigt das Risiko von Psychosen deutlich; mehr als jeder zehnte Konsument landet in einer Abhängigkeit, die oftmals durch Beschaffungskriminalität finanziert wird. Podlech meint dennoch: „Wir sollten sorgfältig alle Optionen prüfen, da eine allgemeingültige Lösung für alle mit Drogen verbundenen Probleme nicht existiert.“

... die Ärztin

Im Gegensatz zur Polizei sieht Dr. Elke Fortkamp-Schneider von den Katholischen Kliniken Oberhausen (KKO) Cannabis in einem ganz anderen Licht. Denn als Schmerzmittel in der Medizin ist das Kraut längst legal. „Aber bei einem Drittel der Kranken lehnen die Krankenkassen die Übernahme der Kosten ab.“ Sie ist überzeugt, die Betroffenen besorgen es sich dann illegal. Sie werden aus ihrer Not heraus kriminell. Oder diese Patienten müssen auf ein Privatrezept zurückgreifen. Kostenpunkt: 300 Euro pro Monat. Anders verhalten sich die Kassen bei Menschen, die unheilbar krank sind. „In der Palliativmedizin übernehmen sie bei jedem Patienten die Kosten.“

Cannabis wird bei vielen Leiden eingesetzt – etwa bei Appetitlosigkeit oder Schlafstörungen. Als Spray kann es bei Multiple Sklerose-Patienten die Spastiken lindern. Für alle anderen Kranken gibt es den Stoff in Tablettenform. Es muss also keiner eine Zigarette rauchen. „Cannabis ist auch gar kein so starkes Schmerzmittel“, erklärt die Ärztin. Vielmehr mache es den Kopf frei, bewirke, dass Patienten sich nicht mehr so auf den Schmerz fokussierten. Fortkamp-Schneider ist für eine Freigabe von Cannabis. Die Folgen von übermäßigem Alkohol- oder Zigarettengenuss seien weitaus schlimmer.

... der Schulleiter

Für den Leiter des Hans-Sachs-Berufkollegs, Marc Bücker, bleiben zu viele Fragen offen, wenn das Thema Cannabis-Freigabe mal wieder hochkocht. „Natürlich wäre eine Entkriminalisierung gut“, sagt er. Hin und wieder machten sie freiwillige Drogentests bei den Jugendlichen und wüssten deshalb, dass ein Drittel der Schüler Drogen nimmt. „Viele vergleichen Cannabis mit Alkohol, aber die wenigsten Schüler fahren morgens alkoholisiert zur Schule.“ Sie kiffen jedoch, um sich den Schulalltag zu erleichtern oder wollen sich in einer langweiligen Unterrichtsstunde schnell wegträumen. „Wie sollen wir denn mit zugedröhnten Schülern umgehen?“ Und: „Das Rauchen haben wir auf dem Schulhof komplett verboten, sollen wir dann in Zukunft etwa das Kiffen erlauben?“

... der Grünen-Politiker

Andreas Blanke, Oberhausener Ratsfraktionschef der Grünen, unterstützt die seit langen Zeiten erhobene Forderung seiner Partei, Cannabis zu legalisieren. „Die Droge ist vergleichbar mit Alkohol und Nikotin und deshalb sollten Konsumenten nicht mehr kriminalisiert werden“, führt er an. Natürlich muss man das Jugendschutzgesetz beachten. Cannabis sollte nur kontrolliert ausgegeben werden. „Wenn ich es freigebe, nehmen es ja nicht plötzlich alle Jugendlichen, sondern nur die, die es eh schon konsumiert haben.“ Und die würden dann nicht mehr kriminalisiert.

>>> Info: Die geltende Rechtslage

Cannabis und Cannabisprodukte gehören lautBetäubungsmittelgesetz(BtMG) zu den „nicht verkehrsfähigen Betäubungsmitteln“. Laut §29 ist der Anbau, Handel, Kauf und Besitz unabhängig von der Menge strafbar. Der „Konsum“ taucht im BtMG jedoch nicht im Straftatbestand auf und ist somit straffrei. Generell gilt: Nach §29 und §31a kann bei Anbau, Kauf oder Besitz von Cannabis zum Eigenverbrauch von Strafverfolgung abgesehen werden.

Denn in einer Entscheidung aus dem Jahr 1994 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass der Besitz von Betäubungsmitteln strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden soll, wenn diese lediglich in kleinen Mengenzum gelegentlichen Eigenverbrauch erworben und besessen werden und kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht. Das BtMG wurde daraufhin um den „§31 a Absehen von der Verfolgung“ ergänzt. In NRW gilt als „geringe Menge“ bis zu 10 Gramm Cannabis. (Quelle: Hanfverband)

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