Thema Artenschutz

Artenvielfalt: Wie eine Oberhausener Firma Bienen lockt

Sechs Kilogramm Samen von Wildblumen haben Aktive von Nabu und der Firma Lenord, Bauer & Co. am Samstag auf der Firmenwiese in Königshardt ausgesät.

Sechs Kilogramm Samen von Wildblumen haben Aktive von Nabu und der Firma Lenord, Bauer & Co. am Samstag auf der Firmenwiese in Königshardt ausgesät.

Foto: Jörg Schimmel / FFs

Oberhausen.  Aus sechs Kilogramm Samen und einer derzeitigen Brachfläche soll im Frühjahr eine Wildblumenwiese entstehen. Vögel und Insekten wird’s freuen.

Zwei ungewöhnliche Partner haben sich am Samstag in Königshardt zusammengefunden, um voneinander zu profitieren: die Firma Lenord, Bauer & Co. GmbH an der Dohlenstraße und der örtliche Naturschutzbund (Nabu). Hinter dem Firmengelände, zur Everslohstraße hin, verfügt die Firma über eine 1500 Quadratmeter große Wiese. Zusammen mit Mitgliedern des Nabu haben Firmenangehörige darauf am Samstag Wildblumensamen ausgesät. Als Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt vor Ort.

Sechs Kilo Blumensamen gebraucht

Dazu wurde die Wiese nicht abgetragen. Vielmehr wurden darauf nur in Abständen von etwa einem Meter Furchen angelegt. Darin wurden die Blumensamen eingelegt. Die Furchen wurden anschließend wieder mit dem Aushub abgedeckt. Insgesamt sechs Kilo Blumensamen für rund 1000 Euro wurden benötigt. Über 20 Aktive von beiden Seiten hatten sich dazu getroffen. Nach anderthalb Stunden waren sie fertig.

„Wir haben mit unserem Gladbecker Standort am Projekt „Ökoprofit“ teilgenommen, berichtete Tim Dobnick am Samstag. Er ist der Umweltbeauftragte der Firma. Es sei darum gegangen, die gesamte Energie- und Materialwirtschaft auf den Prüfstand zu stellen. Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit sollten dabei zusammengeführt werden. Dobnick: „Dabei kamen wir dann auch zum Thema Flächenverbrauch und zur Biodiversität.“ Letzteres steht für den Erhalt der natürlichen Artenvielfalt.

Nur noch einmal im Jahr mähen

Aus der Belegschaft sei dann der Hinweis auf die Wiese am Oberhausener Standort gekommen. Sie kann nicht mehr bebaut werden, verursachte bis dahin dem Betrieb nur Kosten, brachte jedoch ökologisch kaum Nutzen. Und daran wollte Tim Dobnick etwas ändern. „Wir wollten sie nicht mehr zehn Mal im Jahr mähen lassen. Das kostet ja auch richtig Geld“, sagte er.

Der Kontakt zum Nabu kam dann eher beiläufig zustande: „Wir sind eigentlich nur angesprochen worden, ob wir nicht wüssten, wer solche Ökowiesen anlegt“, berichtete Ortrud Podworni-Michael am Samstagnachmittag. Sie ist Vorsitzende des Nabu Oberhausen. Unternehmen Aufträge zu vermitteln, ist aber nicht die Aufgabe des Nabu. „Wir haben aber ein Interesse daran, mit einfachen Mitteln etwas für die Artenvielfalt in der Stadt zu tun“, sagte sie. Also habe man sich die Wiese selbst einmal angeschaut. Kostspielige Maßnahmen würden die Sache ja nur wenig voranbringen. Aktiv handeln, ist die Devise.

Eine Frage des Nährstoffgehalts

„Alles hing davon ab, ob die Wiese eher mager, also nährstoffarm, oder nährstoffreich war“, fuhr die Nabu-Vorsitzende fort. Es zeigte sich, dass sie nährstoffarm ist und damit ideal für das Wachstum von Wildblumen. Die würden auf nährstoffreichem Boden gar nicht gedeihen. Das sei ja das Faszinierende an der Natur, dass es für alle Lebensbedingungen Lebewesen gebe. Wenn der Mensch nicht zu sehr eingreift.

Die Verantwortlichen entschieden, die Blumensamen auf der vorhandenen Wiese auszubringen. „Dort werden im nächsten Jahr Korn- und Mohnblumen blühen“, berichtete Podworni-Michael. Und im Jahr darauf würden sich unter anderem noch Schafgarbe, Wiesenkerbel, die Wiesen-Flockenblume und das Weiße Labkraut hinzugesellen. Wären die Blumensamen einfach auf der Wiese verstreut worden, würde es etliche Jahre dauern, bis sich die Wildblumen darauf durchsetzen.

Wildbienen und Vögel profitieren

Für die beiden Partner liegen die Vorteile auf der Hand. Die Wiese muss künftig nur noch ein Mal im Jahr gemäht werden. Das spart Kosten ein. Und Wildbienen, von denen es allein in Deutschland über 500 verschiedene Arten gibt, finden dort künftig Nahrung. Jede Art ist auf eine oder mehrere Wildblumen spezialisiert. Mit den Wildbienen aber steigt auch wieder das Nahrungsangebot für viele Vögel. Der Kreislauf der Natur eben.

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