Babcock Fertigungszentrum

Arbeitsplätze im insolventen Babcock-Werk zunächst gesichert

Kai Grenz arbeitet im Oberhausener Babcock-Werk an einer sogenannten Galette für die Textilindustrie.

Kai Grenz arbeitet im Oberhausener Babcock-Werk an einer sogenannten Galette für die Textilindustrie.

Foto: Gerd Wallhorn

oberhausen.   Investoren übernehmen das insolvente Fertigungszentrum. Die Auftragsbücher füllen sich langsam, aber Mitarbeiter müssen bittere Pillen schlucken.

Das Babcock Fertigungszentrum nimmt nach der Insolvenz im vergangenen Sommer den Betrieb wieder auf. Eine Investorengruppe um zwei deutsch-vietnamesische Geschäftsmänner aus Hamburg übernimmt das Unternehmen – und damit auch die noch verbliebenen 85 Mitarbeiter, die an der Duisburger Straße Komponenten für Kraftwerke und die Zementindustrie herstellen.

Auch der Name Babcock bleibt erhalten, wird aber internationaler. Aus der Babcock Fertigungszentrum GmbH, dem letzten verbliebenen Rest des 2002 zerschlagenen Riesenkonzerns, wird die Babcock Production Solutions AG (BPS). „Wir wollen unsere Geschäfte internationaler aufstellen, da kommen wir mit einem deutschen Namen nicht weit“, erklärt Claus Brinkmann, der als Wirtschaftsberater den Kontakt zu den Investoren hergestellt hat.

Brinkmann früher Babcock-Manager

Der Essener kennt die Babcock-Geschichte gut, war lange Jahre Chef des Kesselbaus, hat anschließend die Babcock-Tochter „Austrian Energy“ in Österreich geleitet. Aus seinen beruflichen Kontakten ergab sich auch der Kontakt zur Investorengruppe um Vuong Nguyen, der als Rechtsanwalt zwei Kanzleien in Hamburg und Berlin leitet, und Manh Hung Bui, Finanzmanager und Ehemann der Inhaberin der deutschlandweiten Imbiss-Kette Asiahung.

Bui übernimmt den Vorstandsvorsitz der neuen Gesellschaft. „Auf lange Sicht holen wir aber einen Branchenkenner ins Boot, der den Posten übernehmen wird“, erklärt Brinkmann, der dem Aufsichtsrat vorsteht.

„Wir glauben an die Qualität der Produkte“

Doch wie kommt es, dass die Geschäftsfreunde Nguyen und Bui in eine ihnen bislang fremde Branche investieren? „Wir glauben an die Qualität der Produkte und sind uns sicher, Märkte und Kunden akquirieren zu können“, sagt Nguyen. In Osteuropa und Vietnam werden neue Kohlekraftwerke gebaut, in Deutschland seien die Kraftwerke bis zum geplanten Kohleausstieg weiter auf Service-Leistungen angewiesen. Die BPS sei aber derzeit noch auf Unterstützung angewiesen, Nguyen appelliert an alte Kunden, zu Babcock zurückzukehren.

Ihre Jobs werden sie vorerst behalten, das wurde im Sanierungstarifvertrag so vereinbart. Bittere Pillen müssen die Babcock-Mitarbeiter dennoch schlucken: Urlaubs- und Weihnachtsgeld wurden gestrichen, Arbeitszeiten erweitert, der Lohn wurde gekürzt. Zudem gilt derzeit noch Kurzarbeit im Babcock-Werk. „Wir hoffen aber, dass die Geschäfte schnell wieder anlaufen“, sagt Investor Vuong Nguyen. Die Auftragsbücher füllen sich langsam. Vor kurzem, so ist zu hören, ist ein Großauftrag im siebenstelligen Euro-Bereich eingegangen. Die Lohnkosten von rund 470.000 Euro im Monat schießen die Geldgeber zunächst vor. Die ersten sechs Monate seien nun entscheidend. Erklärtes Ziel: ein Umsatz von zehn Millionen Euro im laufenden Jahr.

>>>>>> Geschäftsführer und Imbiss-Manager

Claus Brinkmann hat mehrere Unternehmen der Branche als Geschäftsführer geleitet. „Austrian Energy“ meldete Insolvenz an, nachdem der Babcock-Mutterkonzern in die Pleite gerutscht war. Den Konzern Balcke-Dürr musste er 2009 verlassen. Diese Entscheidung des US-Mutterkonzern wurde von der Belegschaft stark kritisiert.

Manh Hung Bui ist Teil des Familienunternehmens hinter der Imbisskette Asiahung, die mehr als 90 Standorte hat, unter anderem im Oberhausener Hauptbahnhof.

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