Arbeitslosigkeit

Arbeitsagentur will Helfer zu Fachkräften weiterbilden

Noch stärker als bisher will sich die Arbeitsagentur Oberhausen um Langzeitarbeitslose kümmern.

Noch stärker als bisher will sich die Arbeitsagentur Oberhausen um Langzeitarbeitslose kümmern.

Foto: Julian Stratenschulte

Die Arbeitsagentur Oberhausen setzt große Hoffnungen auf das neue Teilhabechancengesetz. Es eröffne Perspektiven für viele Langzeitarbeitslose.

Zu den größten „Baustellen“ des Arbeitsagentur-Bezirks Oberhausen zählt der hohe Anteil an Langzeitarbeitslosen: Rund 6000 Menschen zählen dazu, etwas mehr als 2000 von ihnen sind schon länger als sechs Jahre arbeitslos – häufig trotz hoher Grundmotivation: „Es gibt viele, die nach Schicksalsschlägen oder Krankheit einfach nicht mehr Fuß fassen konnten.“

Ihnen eine neue Perspektive zu bieten, dazu eröffne das neue Teilhabechancengesetz bessere Rahmenbedingungen als je zuvor, ist Arbeitsamtschef Jürgen Koch überzeugt: „Voll subventioniert über fünf Jahre und flankiert durch ein Coaching: Das könnte schon was in Bewegung bringen.“ Zwar werde das Jobcenter auch unter besten Voraussetzungen nicht alle Langzeitarbeitslosen wieder in Beschäftigung bringen können: „Aber wenn wir in den nächsten zwei Jahren 500 wieder in den Arbeitsmarkt integrieren können, wäre das schon ein großer Schritt nach vorne“, so Koch.

Freie Wirtschaft müsse entsprechend mitziehen

Dabei komme es auch darauf an, dass die freie Wirtschaft entsprechend mitziehe. Die derzeitige demographische Entwicklung könne die positiven Rahmenbedingungen noch verstärken: „Mittlerweile suchen viele Betriebe schon händeringend Fachkräfte“, führt Koch aus. Um diesen Bedarf zu decken, könnten etwa geeignete Beschäftigte, die bislang eher Helfertätigkeiten ausgeführt haben, entsprechend weiterqualifiziert werden. Rund 2450 Helfer werden in den kommenden zehn Jahren altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden, rund 9500 aber verbleiben – ein umfangreiches Potential für berufliche Weiterbildung.

Und über die freiwerdenden Helferstellen könnten dann wiederum Langzeitarbeitslose einen neuen Zugang zum Arbeitsmarkt finden. „Das Jobcenter hat für die Umsetzung ein eigenes Team aufgebaut“, erklärt Koch. Man habe Profile der geeigneten Kandidaten erstellt und versuche per Direktansprache bei Arbeitgebern Chancen auszuloten und für die Beschäftigung zu werben. „Wir appellieren an die Betriebe, die Chance zu ergreifen, die sich da für sie und die langzeitarbeitslosen Menschen auftut.“

100 neue Stellen im Handwerk?

Kreishandwerksmeister Jörg Bischoff habe für das Handwerk bereits signalisiert, dass 100 neu geschaffene Stellen dort realistisch wären: „Das ist ganz wichtig, um den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken und niemanden für immer abzuhängen“, so Koch. „Wir hoffen, dass auch der Konzern Stadt jetzt zügig die angekündigten 100 Stellen auf die Beine stellt. Das wäre ein weiteres wichtiges Signal.“

>>> Mehr Helferjobs als im Ruhrgebietsschnitt

Laut Standortanalyse der Arbeitsagentur übt rund jeder fünfte Beschäftigte in Oberhausen eine Helfertätigkeit aus (18,1 Prozent). Der Anteil liegt über den Werten fürs Ruhrgebiet und NRW (beide 16,5 Prozent).

Ursache ist der relativ hohe Beschäftigungsanteil im verarbeitenden Gewerbe.

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