Arbeitsmarkt

Appell an Arbeitgeber: Stellt Fachkräfte ab 58 ein!

Das Risiko des dauerhaften Hartz-IV-Bezugs

Das Risiko des dauerhaften Hartz-IV-Bezugs

Foto: Ralf Hirschberger

OBERHAUSEN.   Die Freie Wohlfahrtspflege in Oberhausen fordert mehr Unterstützung für ältere Hartz-IV-Empfänger, um Altersarmut vorzubeugen.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko des dauerhaften Hartz-IV-Bezugs. Der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW gibt an, dass in Oberhausen 85,3 Prozent der Hartz-IV-Bezieher ab 55 Jahren seit mindestens zwei Jahren das Arbeitlosengeld II bekommen. In der jüngeren Vergleichsgruppe unter 55 Jahren sind 65,7 Prozent auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Gar 806 Hartz-IV-Empfänger fehlen in der Statistik komplett, da diese das 58. Lebensjahr vollendet haben und aufgrund einer Sonderregelung nicht erfasst werden.

Die Bevölkerung in Deutschland wird älter, gleichzeitig fehlt es an Fachkräften. Daher werden ältere Arbeitskräfte dringend gebraucht. Jedoch ist es für Arbeitssuchende ab 55 Jahren immer schwieriger, einen Job zu finden. Die Freie Wohlfahrtspflege in Oberhausen fordert daher mehr Anstrengungen von Politik und Wirtschaft, um das Potenzial älterer Arbeitsloser auszuschöpfen und Altersarmut vorzubeugen.

„Eigentlich, da Fachkräfte gesucht werden, hätte vielleicht schon eine Verbesserung eintreten müssen“, sagt Jochen Kamps, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in unserer Stadt. „Ich würde mir wünschen, wenn Arbeitgeber die Chance ergreifen würden, jemanden einzustellen, der 58 oder älter ist. Anstatt zu sagen, der ist 58, das klappt nicht mehr, sollten Arbeitgeber sagen: Den stelle ich ein.“

Kamps findet, dass arbeitsuchende Menschen ab 58 Jahren nicht auf das Abstellgleis geschoben werden sollen: „Selbst in diesem Alter haben die allermeisten Menschen noch fast zehn Berufsjahre bis zum Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze vor sich. Es ist unwürdig, ihnen keine Chance mehr auf einen Job zu geben und erhöht das Risiko der Altersarmut.“

Auf den neuesten Stand bringen

Eine weitere Möglichkeit, älteren Arbeitslosen die Jobsuche zu erleichtern, wären laut Kamps mehr berufliche Qualifizierungen über die Agentur für Arbeit. „Eine zielgerichtete Förderung, um Arbeitsuchende auf den neusten Stand zu bringen, könnte den dringenden Bedarf von Arbeitnehmern stillen.“

Fehlende oder veraltete Qualifikationen, aber auch Vorbehalte von Arbeitgebern gelten als Hauptgründe für die Schwierigkeiten älterer Menschen bei der Jobsuche. „Ein Zusammenspiel von Arbeitnehmern und -gebern sowie der Arbeitsagentur könnte mit zielgerichteten Qualifizierungen einen Vorteil für alle Seiten bringen“, meint der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft.

Zur Sonderregelung der „58er“ sagt Kamps: „Ich finde es unverantwortlich, dass man Leuten ab 58 Jahren sagt: Mit euch wird das nichts mehr, daher taucht ihr auch nicht mehr in einer Statistik auf. So etwas geht nicht.“

>>>> DEUTLICH WENIGER WEITERBILDUNGEN

Oberhausener Hartz-IV-Bezieher ab 50 Jahren nehmen laut dem aktuellen Arbeitslosenreport NRW mit 7,4 Prozent deutlich seltener an beruflicher Weiterbildung teil, als die jüngere Gruppe (24,7 Prozent).

In Oberhausen werden nur 14,4 Prozent der Hartz-IV-Empfänger ab 50 Jahren mit Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung gefördert. In der jüngeren Vergleichsgruppe liegt der Wert bei 26,3 Prozent.

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