Auftakt Prozess

Anklage: Täter quält Mordopfer aus Oberhausen unmenschlich

Nach dem Fund der Leiche betreten Spezialisten der Polizei das Mehrfamilienhaus an dre Vikariestraße im Oberhausener Stadtteil Osterfeld.

Nach dem Fund der Leiche betreten Spezialisten der Polizei das Mehrfamilienhaus an dre Vikariestraße im Oberhausener Stadtteil Osterfeld.

Foto: WTVnews / WTVnews (Archiv)

Oberhausen.  Wegen eines unglaublich grausamen Verbrechens muss sich seit Dienstag ein 35-jähriger Oberhausener vor dem Landgericht Duisburg verantworten.

Was dem 35-jährigen Oberhausener von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird, erfüllt das Mordmerkmal Grausamkeit: Eine Woche lang soll der Mann im Dezember 2018 einen 33-Jährigen in dessen Wohnung an der Vikariestraße in Osterfeld immer wieder geschlagen und getreten haben. Der Mann verstarb schließlich an den erlittenen schweren Verletzungen.

Vorwurf: Täter war empfindungslos und unbarmherzig

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten grausamen Mord vor. Empfindungslos und unbarmherzig habe der 35-Jährige das Opfer immer wieder misshandelt. In unmenschlicher Art habe er den Mann, der ihm seit Oktober Unterschlupf gewährt hatte, in hilfloser Lage zurück gelassen: Der entkräftete und unter schrecklichen Schmerzen leidende 33-Jährige, dessen Schädel gebrochen war, der fast keinen unverletzten Gesichtsknochen mehr hatte und der aufgrund einer Rippen-Serienfraktur sich nicht mehr rühren konnte und zuletzt kaum noch Luft bekam, starb vermutlich am 18. Dezember.

Seit 15 Jahren befreundet

Der Angeklagte räumt das im Wesentlichen ein. „Wir waren seit 15 Jahren befreundet“, berichtet er, scheinbar ohne jede innere Teilnahme dem Schwurgericht. „Er hat mich im Oktober aufgenommen, nachdem ich mich von meiner Ex getrennt hatte.“ Bis zum 10. Dezember habe es keine Probleme und keine Gewalt gegeben, behauptet der Angeklagte. Dann jedoch habe es Streit um die inzwischen aufgelaufenen Drogenschulden des Gastgebers gegeben. „Er hat meine Ex, die Mutter meines Kindes, als Hure beschimpft. Da bin ich ausgerastet.“ Und was passiere, wenn der Angeklagte ausraste, wollte der Vorsitzende wissen. „Dann schlage ich zu.“

Die neue Freundin in Düsseldorf abgeholt

Der 35-Jährige will immer nur mit Fäusten, gelegentlich auch nur mit der flachen Hand zugeschlagen haben. Beim ersten Mal seien das ungefähr 15 Schläge gewesen. Dann habe er seine neue Freundin (23) in Düsseldorf abgeholt, die in den Tagen danach ebenfalls in der Wohnung lebte. Sein Freund habe nur zwei blaue Augen gehabt.

Doch immer wieder sei es zu Wortwechseln mit dem Wohnungsinhaber gekommen, dessen Miete das Amt bezahlte. „Und immer wieder habe ich zugeschlagen“, gibt der Angeklagte zu. Allerdings sei ihm aufgefallen, dass der Geschädigte irgendwann „schlecht aussah. Er konnte nicht mehr richtig laufen. Einmal hat er sich eingenässt.“ Zuletzt habe der Mann, der angeblich jede ärztliche Hilfe verweigerte, nur noch im Bett gelegen. In der Nacht zum 18. Dezember habe dann zunächst seine Freundin festgestellt, dass der 33-Jährige tot war.

Die Leiche muss weg

„Wir haben da gesessen und wussten nicht, was wir tun sollten.“ Die Freundin habe nicht gewollt, dass er die Polizei rufe. „Irgendwann kamen wir zu der Einsicht, dass die Leiche weg müsse.“ Aus diesem Grunde sei man zu einem Paar ins sauerländische Werdohl gefahren, mit dem die 23-Jährige befreundet war und von dem man sich tätige Hilfe versprach.

„Wir haben ein 1,80 Meter großes Problem. Und das muss weg.“ Mit diesen Worten will der Angeklagte die Situation erklärt haben. Doch einer möglichen Lösung näherte man sich kaum. Am Ende vertraute sich das Paar in Werdohl einem Nachbarn an. Der verständigte die Polizei.

Der Angeklagte bestreitet, dass er seine Freundin oder andere Beteiligte bis zur Entdeckung der Leiche irgendwie bedroht oder eingeschüchtert habe. Was die allerdings hinterher sämtlich bei der Polizei so geschildert hatten.

Für das Verfahren sind bis Ende des Monats drei weitere Verhandlungstage vorgesehen.

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