Stadtgeschichte

Anekdoten aus der Oberhausener Karnevals-Geschichte

Mitglieder des Männerballetts KKW der Osterfelder Karnevalisten.

Foto: Wartberg Verlag

Mitglieder des Männerballetts KKW der Osterfelder Karnevalisten. Foto: Wartberg Verlag

Oberhausen.   Von klappernden Gebissen und Müllwagen, die Senatorinnen ziehen: Oberhausener Karnevalsgeschichte hat Heiteres, aber auch Trauriges zu bieten.

Helau! Die Jecken sind los! In unserer letzten Folge der historischen Anekdötchen geht es um den Karneval. Die Oberhausener Autorin Waltraud Wickinghoff hat allerlei Geschichten rund um die Narren gesammelt. Lustige Begebenheiten, aber auch solche zum Tränchen verdrücken.

So erinnert sie in ihrem Buch „Oberhausen. Vom Mutterklötzchen bis zum schrägen O“ etwa an Hermann Kuß. Bekannt gemacht hat ihn, den Präsidenten des Hauptausschusses vom Groß Oberhausener Karneval der Jahre 1969 bis 1985, die Session 1968/1969. Da trat Kuß nämlich zudem sein Amt als Stadtprinz Hermann I. an. Und erlebte eine karnevalistische Katastrophe: Am Tag des geplanten Umzuges erstickte Oberhausen im Schnee. Die Jecken mussten den Karnevalszug absagen. Hermann Kuß, der sich vehement gegen den Ausfall gewehrt hatte, ging als „der Schneeprinz“ in die Annalen ein.

Ein letzter Gruß des Schneeprinzen

Und nun zu den feuchten Augen: Hermann Kuß ist in der Nacht zu Altweiber 2012 verstorben. Drei Tage später, am Karnevalssonntag, kurz vor dem Start des Zuges, rieselten vereinzelte Schneeflöckchen vom Himmel – ein letzter Gruß des „Schneeprinzen“.

Doch wieder zum Heiteren, kommen wir zur Großen Osterfelder Karnevalsgesellschaft, gegründet 1906. Aushängeschild seit 1985: ein eigens gegründetes Männerballett. Vereinsmitglied Helmut Lupszyk erinnert sich an tolle Auftritte in tollen Kostümen, mal bayerisch, mal brasilianisch. Vor Tausenden Oberhausenern hat das Ballett getanzt, frenetischer Applaus war stets der Lohn. Dabei waren sie durchaus selbstkritisch: Nach den ersten Proben war der Name der Gruppe geboren: KKW – „Keiner kann wat“! Später, als ein Erfolg den nächsten jagte, wurde daraus „Könner kommen wieder!“

Den Vogel abgeschossen hat später eine vereinseigene Frauensitzung im Revierpark Vonderort. Wie üblich endete die Vorstellung mit frenetischem Applaus. Ob es die Vibration des Parkettbodens war, oder ob der Karnevalist und älteste Akteur der KKW-Gruppe, Willi Geldermann, selbst lauthals mitpfiff, vermag heute keiner mehr zu sagen: „Als Ergebnis dieses Radaus flog Willi das Gebiss raus, landete auf dem Bühnenboden und entwickelte, als Willi es aufheben wollte, plötzlich ein Eigenleben“, schreibt Waltraud Wickinghoff. Immer, wenn der Tänzer kurz davor war, das Gebiss zu ergreifen, sprang es ein Stück weiter. Das Publikum flippte aus. „Willi, beeil dich, dein Gebiss ist schon am Büfett“, hallte es durch den Saal.

Springen wir ins Jahr 1983, zum Kinderkarnevalszug am 12. Februar. Kalt war es dieser Tage in Oberhausen. So kalt, dass die Verantwortlichen des Zuges im Vorfeld ein bisschen Benzin in die Tanks der Diesel-Trecker gegossen hatten, um sicherzustellen, dass die Zugmaschinen trotz der Kälte anspringen würden. Doch siehe da: Pünktlich zum Umzug kam die Sonne raus und bescherte den Karnevalisten frühlingshafte Temperaturen. Mit fatalen Folgen: Ausgerechnet der Senatoren-Wagen sprang nicht mehr an. Immerhin saß auf diesem Wagen die frisch ernannte Senatspräsidentin Hildegard Matthäus, CDU-Mitglied des Landtages NRW und des Rates der Stadt Oberhausen.

Müllwagen zieht Senatorin

An dieser Stelle kommt wieder Helmut Lupszyk ins Spiel, der an obiger Stelle so herrlich über die männlichen Ballett-Tänzer berichtete. Seine Idee: Ein Müllwagen sollte den Senatorenwagen ziehen. Eigentlich hatten die Müllwagen am Ende des Zuges gewartet, um Konfetti und liegengelassene Bonbons aufzusaugen – so wie es heute auch noch ist. Ein Fahrer erklärte sich bereit – und so kam es, dass eine deutsche Kommunalpolitikerin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande und erster Klasse hinter einem Müllwagen stehend durch den Stadtteil Osterfeld gezogen und bejubelt wurde.

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