Knutsch-Konzert

Andrea Berg verteilt in Oberhausen Küsse an die Fans

Oberhausen.  Schlager-Königin Andrea Berg zeigt sich in der Arena Oberhausen nahbar. 8.000 begeisterten Fans verrät sie zudem einen Kindheitstraum.

Andrea Berg, das war echt der Gipfel! Rund 8000 Fans haben am Donnerstagabend in der König-Pilsener-Arena ein munteres Berg-Fest gefeiert. Doch von Après-Ski konnte in Oberhausen trotzdem keine Rede sein.

Ungewöhnliche 13 Grad im Januar, da stehen die ersten Schlager-Fans schon in der Übergangsjacke vor der Hallentür. Und auch drinnen setzt die 53-jährige Krefelderin alle Hebel in Bewegung, um den Frühling vorzuziehen. Zur Mosaik-Tour blühen überdimensionale Prilblumen, strahlt ein 3D-Dschungel und werden luftige Flower-Power-Kleider aufgetragen.

Nach fast 30 Jahren im Schlager-Kosmos, übrigens weit vor Genre-Hausherrin Helene Fischer, muss Andrea Berg eigentlich niemanden mehr etwas erklären. Dennoch lässt die gelernte Arzthelferin während der knapp zweieinhalbstündigen Show erstaunlich häufig in ihr Seelenleben blicken. Die Grenzen sind schnell abgesteckt. Es gibt keine. „Jeder darf heute so verrückt sein, wie er möchte!“

Bei Andrea Berg – DJ Bobo versteckt sich im Backstage-Bereich

Eine verschlafene Angelegenheit muss niemand befürchten, obwohl der Reigen zunächst in einem Himmelsbett beginnt, das scheinbar von bunten Luftballons getragen bis unter die Hallendecke schwebt. Die Schlagersängerin eröffnet mysteriös: „Heute lasse ich euch in meine Träume blicken!“

Das Rätselraten über die von 18 Sattelschleppern transportierte und durch 120 Mitarbeiter aufgebaute Bühnen-Dekoration dürfte allerdings nicht lange angedauert haben. Beim Wechselspiel aus sechs (ausgezeichneten) Solo-Tänzern, knallbunten Fantasiewelten auf einer 360-Grad-Leinwand und 430 strahlenden Scheinwerfer-Spots hatte Eurodance-Ikone René Baumann, alias DJ Bobo , erkennbar seine Finger im Spiel.

Was vorher keiner ahnt. Der Schweizer begleitet die Tournee höchstpersönlich und befindet sich in Oberhausen in der Halle – versteckt sich aber während des Konzerts im Backstage-Bereich. Diesmal ist der Erfinder von Songs wie „Somebody dance with me“ ausschließlich kreativer Kopf hinter den Kulissen. In der Pause huscht er in einem kurzen Moment am Innenraum vorbei – und wird prompt erkannt.

Andrea Berg bekennt sich als Fan von Raumschiff Enterprise

Hauptdarsteller ist heute jemand anders. Doch auch Andrea Berg sorgt in Oberhausen für verdutzte Gesichter. Sie singt beim Bad in der Menge ihren Liebes-Klassiker „Wenn du mich willst, dann küss mich doch“ und drückt einigen Fans in der ersten Stehplatz-Reihe dabei einen dicken Schmatzer auf die Wange. Die Gefühle haben eben doch nicht immer Schweigepflicht.

Geheimniskrämerei kann man der Schlagersängerin sowieso nicht vorwerfen. Im zweiten Konzert-Abschnitt pustet heiße Luft eine überdimensionale Astronauten-Figur auf, die sie problemlos „Houston“ getauft hat. „Ich habe als Kind immer von einer eigenen Raumflotte geträumt – mit flotten Astronauten. Ich war ein riesiger Fan von Raumschiff Enterprise!“ Dass sie den Song „Ich schieß dich auf den Mond“ folgen lässt, gehört zu den weniger überraschenden Überleitungen.

Am Ende sind die Schlager-Puristen im Publikum selig. Auch weil Andrea Berg früh jede Menge ältere Hits ankündigt und sich „Du hast mich tausendmal belogen“ nicht als prophetisch entpuppt. Andrea Berg zeigt ihren Fans in Oberhausen eine professionelle und mitreißende Show, die allerdings am Anfang an einem merkwürdig sumpfigen Ton kränkelt.

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