Stadtgeschichte

Als der Oberhausener Gasometer Stück für Stück zerlegt wurde

Da steht der Gasometer längst wieder – in neuer Pracht: Der neuer Emscherverlauf und der Gasometer im Jahr 1955. 

Da steht der Gasometer längst wieder – in neuer Pracht: Der neuer Emscherverlauf und der Gasometer im Jahr 1955. 

Foto: Emschergenossenschaft

Oberhausen.   Bei Reparaturarbeiten war die „Tonne“ 1946 in Brand geraten und wurde stillgelegt. Zwei Jahre später wurde der graue Riese zunächst demontiert.

Vor 70 Jahren wurde der Gasometer, den heute alle beinahe liebevoll „Tonne“ nennen, abgebaut, Stück für Stück, von oben nach unten. Für zunächst nicht absehbare Zeit müsse man sich daran gewöhnen, berichteten die Oberhausener Tageszeitungen am 12. August 1948, dass Europas größter Gasbehälter nun der in Gelsenkirchen-Horst sei.

Teer war in Brand geraten

Was war passiert, dass die Überschrift „Europas größter Gasbehälter entsteht neu“ lautete? Im Krieg war der Ende der 20er Jahre errichtete Gasbehälter der GHH beschädigt worden, 1946 war nach Reparaturarbeiten mit Teer ein Brand ausgebrochen, der zur kompletten Stilllegung führte. Und im Sommer 1948 begann dann das, was die Zeitung in dem Satz „Diese Demontage ist ein Wiederaufbau“ zusammenfasste – erinnernd daran, dass „Demontage“ in jenen Jahren vor allem Abbau industrieller Kapazität meinte.

In diesem Fall aber war von Anfang an daran gedacht, dem Gasometer die bewährte Funktion als Sammler der beim Stahlkochen entstehenden Gichtgase und späterer Weiterverbreiter des Gases in die industrielle Produktion sowie die Ferngasnetze erneut zuzuführen. Die Abbauarbeiten gestalteten sich kompliziert, denn die Hülle des grauen Riesen bestand (und besteht) aus einer Fülle eher kleiner Feinbleche. Meter für Meter wurden sie abgetragen.

„Mitte oder Ende 1950“ hießen die Prognosen der GHH-Experten für Ab- und Neubau. Dass der mächtige Zylinder schon 1949 wieder fertig und funktionsfähig war, kommt einem heute beinahe merkwürdig vor – pünktliche, gar überpünktliche Fertigstellung von Großprojekten ist hierzulande aus dem Erscheinungsbild verschwunden.

Abmessungen blieben bestehen

An den Abmessungen veränderte sich übrigens gegenüber dem „ersten Gasometer“ nichts: Höhe des Zylinders 103 Meter, der Laterne 116 Meter, Durchmesser 67 Meter, Fläche der Scheibe (die heute die erste Ausstellungs-Etage bildet) 3549 Quadratmeter – „also sieben der üblichen Kleingärten“, schrieb der Kollege damals in einer Veranschaulichungsgröße der Zeit.

Übrigens war der Bericht über die Bauarbeiten nur der „Zweitaufmacher“ des Tages: Das eigentliche Thema waren die hohen Lebensmittelpreise, die nur wenige Wochen nach Einführung der D-Mark in die Höhe geschossen waren. Auch der hiesige DGB-Ortsverband rief „die Verbraucherschaft“ zu Streiks auf, in deren Folge die Preise für Obst und Gemüse tatsächlich zurückgingen.

Wie der Gasometer, ehe er dann wieder stattlich in die Höhe wuchs...

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