Kunstdiebstahl

Aktionisten stehlen teures Beuys-Werk aus Oberhausener Schau

Hier noch dreifach gespiegelt – inzwischen leider komplett verschwunden: die „Capri-Batterie“ von Joseph Beuys in der Ausstellung „Verschmutzung. Körperzustände. Faschismus – Christoph Schlingensief und die Kunst“.

Hier noch dreifach gespiegelt – inzwischen leider komplett verschwunden: die „Capri-Batterie“ von Joseph Beuys in der Ausstellung „Verschmutzung. Körperzustände. Faschismus – Christoph Schlingensief und die Kunst“.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Peinlicher Raub für Oberhausen: Ein teures Beuys-Werk hat eine Künstlergruppe aus der Ausstellung zum Schlingensief-Geburtstag gestohlen.

Man könnte es als ausufernd handfeste „Kunstkritik“ verstehen an einer für etliche sicher geschmacklosen Ausstellung – oder als gründliche Fehlinterpretation des Ausstellungsortes an der Goebenstraße, der schließlich als „Supermarkt der Ideen“ firmiert. Wie an der Frischetheke im Supermarkt jedenfalls bedienten sich selbst ernannte „Kunst-Aktionisten“ aus Frankfurt bei der „Capri-Batterie“, einem Multiple von Joseph Beuys aus Zitrone und gelber Glühbirne. Ihren Kunstdiebstahl publizierte die „Frankfurter Hauptschule“ (die übrigens selbst im „Supermarkt“ vertreten ist) mit einem Bekennervideo, das sie der Deutschen Presseagentur (dpa) zuspielte.

Könnte Christoph Schlingensief seinen 60. Geburtstag am Samstag noch erleben – er hätte sicher eine pointierte Meinung zu diesem Auftakt „seines“ Festivals formuliert. Die Ausstellung mit der von Joseph Beuys (1921 bis 1986) im Jahre 1985 in einer Auflage von 200 produzierten „Capri-Batterie“ eröffnete bereits am 10. Oktober 2020 als Prolog zum Schlingensief-Festival des Theaters Oberhausen.

>>>Sie wollen keine Nachrichten aus Oberhausen verpassen? Dann können Sie hier unseren abendlichen Newsletter abonnieren: So abonnieren Sie den kostenlosen Oberhausen-Newsletter.<<<

Verschmutzung, Körperzustände, Faschismus. Christoph Schlingensief und die Kunst“, so der weit ausholende Titel, versammelt einige weitere große Namen etablierter Kunst-Provokateure: Valie Export, Alexander Kluge, Jonathan Meese und Hermann Nitsch. Es war ein Coup und ein Wagnis, Werke solcher Größen in einem für „Qualitäts“-Ausstellungen völlig unerprobten Ort auszustellen.

Und es dürfte sträflicher Leichtsinn – oder sogar ein abgeschmacktes Komplott – gewesen sein, die für ihre brachialen Aktionen berüchtigten Studenten der „Frankfurter Hauptschule“ in diese Ausstellung einzubinden. In Oberhausen zeigen sie das Video „Refugees in Paradise (R.I.P.)“.

Diebstahl als Wiedergutmachung verkauft

Das Beuys-Werk indes, eine Leihgabe aus dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, will diese Kunststudentengruppe inzwischen nach Afrika geschickt haben. Das Bekennerschreiben mit dem Titel „Bad Beuys go Afrika“ verkauft den Diebstahl als eine Art Wiedergutmachung für Afrika und verweist auf die Raubzüge der einstigen deutschen Kolonialherren in der ehemaligen Kolonie Tansania.

Wie der größte Teil des Beuys’schen Oeuvres verweist auch die „Capri-Batterie“ nicht auf Koloniales, sondern auf Autobiografisches: Denn während sich der 64-Jährige auf der Kur-Insel Capri im Golf von Neapel von einer Lungenentzündung erholte, schuf er im September 1985 den Prototyp der Capri-Batterie in der Villa „Quattro Venti“ des Galeristen und Mäzens Lucio Amelio.

Die Anordnung von Zitrone und Glühlampe suggeriert, die vom Pflanzenorganismus umgewandelte Sonnenenergie fließe als elektrischer Strom und lasse die gelbe Birne leuchten. Das seinerzeit in hölzernen Kisten verkaufte Auflagenwerk versah der Kunst-Schamane aus Krefeld mit einer Gebrauchsanweisung: „Nach 1000 Stunden Batterie auswechseln.“

Von jüngeren Künstlern wurde die „Capri-Batterie“ hin und wieder gern zitiert – allerdings ohne einen Kunstklau als Kunstaktion kundzutun. Das Theater Oberhausen war zunächst trotz mehrfacher Nachfragen zu keiner Stellungnahme bereit, um schließlich den Diebstahl am Donnerstag um 15.17 Uhr in einer dürren Pressemitteilung zu bestätigen: Die Ausstellung bleibe zunächst geschlossen, der „Vorfall“ werde geprüft.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben