BENEFIZ

75 000 Euro für das Friedensdorf erhäkelt und erstrickt

Wenn diese Damen loslegten, waren 50 Jahre lang Top-Erlöse angesagt: (v.l.) Renate Rubarth, Margret Severin, Adelheid Becker und Helga Ochmann.

Foto: Friedensdorf

Wenn diese Damen loslegten, waren 50 Jahre lang Top-Erlöse angesagt: (v.l.) Renate Rubarth, Margret Severin, Adelheid Becker und Helga Ochmann. Foto: Friedensdorf

Oberhausen.   Viel Freude an Häkeleien und Stickereien haben sie immer noch – doch nach fünf Jahrzehnten kontinuierlicher Benefiz-Handarbeit ist nun Schluss!

Nach 50 Jahren fleißiger Arbeit laden die sechs Damen vom Handarbeitskreis Herz Jesu, beheimatet direkt hinter der Oberhausener Stadtgrenze in Essen-Unterfrintrop, am 11. und 12. November zum letzten Mal zum Winterbasar ein. Eigentlich klingt das zunächst nach einer Essener Geschichte, aber mit Oberhausen haben die Damen jede Menge zu tun.

Vor 25 Jahren nahm Wolfgang Mertens, heute stellvertretender Leiter des Friedensdorfes, die erste Spende des Kreises für Friedensdorf International entgegen. Die Damen um Renate Rubarth und Mit-Gründerin Margret Severin haben heute noch sein verdutztes Gesicht vor Augen, als sie ihm damals den Check von 7000 Mark überreichten. „Ich hatte mit einer kleinen Spende gerechnet, aber dass diese so hoch ausfallen würde…“, erinnert sich Wolfgang Mertens. In der Folge spendeten die heute zwischen 77 und 89 Jahre alten Frauen insgesamt 75 000 Euro.

Sogar die Familie des Aldi-Gründers kam zum Basar

Nach 50 Jahren gehen nun ihre letzten Basare am Leoplatz 22 über die Bühne. Jährlich mehrere hundert Gäste suchen das Gemeindeheim nahe der Stadtgrenze zu Oberhausen auf und staunen über die wertvollen Handarbeiten. Auch Prominente kamen in all den Jahren in das Haus am Leoplatz. „Über Jahre hinweg war die Familie des Aldi-Gründers Karl Albrecht hier zu Gast“, so die Damen.

„Es hätte auch für einen Mallorca-Urlaub gereicht“, witzelt Renate Rubarth mit Blick auf die immensen Einnahmen, die sie durch ihre Verkäufe erzielten. Doch auch wenn sie einen solchen Urlaub nach allem Einsatz verdient hätten, wurde seit der Gründung im Jahre 1967 jeder einzelne Cent der Summe von 258 000 Euro an ausgewählte Wohltätigkeitszwecke gespendet, darunter mit besagter stolzer Summe auch das Friedensdorf.

Seit 1967 für Projekte gearbeitet

Nach Gründung des Handarbeitskreises 1967 hatten die Frauen zunächst nur für Projekte innerhalb der Kirchengemeinde gespendet. Das Friedensdorf kannten sie bis in die 90er Jahre hauptsächlich aus Berichten. „So war es ein Schock“, erzählen sie, „als wir beim Besuch vor Ort die schwerwiegenden Verletzungen der Kinder sahen.“ Die Hoffnung und Lebensfreude der Jungen und Mädchen, das Engagement der Ehrenamtlichen und die familiäre Atmosphäre überzeugten sie.

Seit 1992 kamen die Basar-Erlöse alle zwei Jahre und seit 2011 dann komplett dem Friedensdorf zugute. „Dort fühlen wir uns, so wie im Handarbeitskreis, unter Freunden“, sagt Margret Severin, die einzig verbliebene Mit-Gründerin des Kreises.

Doch nun ist Schluss. Der Kreis richtet noch zwei Basare aus, jetzt am Wochenende und zu Ostern 2018. Dann legen alle nach 50 Jahren engagierter Handarbeit Fädeln, Kordeln und Nadeln beiseite. Altersbedingt. Freude an Häkeleien und Stickereien, an Zusammenhalt und Geselligkeit haben sie immer noch. Bei Kaffee und Kuchen wollen sie sich weiter treffen.

Vorbeischauen lohnt sich: Basartreiben am Leoplatz

Der Winterbasar der Handarbeitsdamen von Herz Jesu startet an diesem Wochenende direkt hinter der Stadtgrenze am Leoplatz 22.

Die Öffnungszeiten: am Samstag, 11. November, in der Zeit von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag, 12. November, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr.

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