Katastrophen

45 Sirenen sollen Oberhausener vor Gefahr warnen

Oberhausens Feuerwehr-Chef Gerd Auschrat und der zuständige Ordnungsdezernent Frank Motschull mit einer Vier-Horn-Sirene.

Foto: Udo Gottschalk

Oberhausens Feuerwehr-Chef Gerd Auschrat und der zuständige Ordnungsdezernent Frank Motschull mit einer Vier-Horn-Sirene. Foto: Udo Gottschalk

Oberhausen.   Oberhausen kehrt zum bewährten Warnsystem zurück. Bau soll 2018 beginnen. Die Rauchwolke bei Hamm Chemie wäre ein Fall für die Sirenen gewesen.

Im Fall der Giftwolke bei Hamm Chemie Anfang des Jahres reagierte das Handy-Warn-Programm „Nina“ aufgrund eines technischen Fehlers erst eineinhalb Stunden später. Hätte Oberhausen Sirenen gehabt, wären sie an diesem Tag schnell angesprungen, um die Bürger zu warnen. Nun sollen solche Sirenen in der ganzen Stadt installiert werden – weil es schlichtweg die sicherste Methode ist, um Aufmerksamkeit zu erregen. 45 Sirenen sollen in zwei Schritten im Jahr 2018 (in der Grafik Ausbaustufe 1) und 2019 auf städtischen und privaten Gebäuden gebaut werden. Baukosten: 710 000 Euro plus jährliche Wartungen. Das Land steuert 76 000 Euro bei.

Heulton über eine Minute

Die Sirenen sollen zukünftig nicht bei jedem kleineren Brand heulen, sondern nur bei größeren Schadensereignissen – wie die erwähnte Chemiewolke. Eine Minute lang wird der wellenförmige Sirenenton erklingen. Besteht keine Gefahr mehr, wird ein weiterer, gleichbleibender Dauerton zu hören sein. Die Sirenen sollen nicht dazu dienen, Panik zu verbreiten. Vielmehr sollen sie sicherstellen, dass jeder Bürger aufmerksam wird, Fenster und Türen schließt, Lüftungen und Klimaanlagen auch im Auto ausstellt, Radio und Internet einschaltet und sich über die Lage informiert. Im Moment werden die Bürger per Lautsprecherdurchsagen von Feuerwehr und Polizei, via Radio und Warn-App „Nina“ informiert. Doch nachts zum Beispiel sind all diese Geräte aus oder lautlos, es kann also passieren, dass Bürger erst spät auf eine besondere Lage aufmerksam werden. „Wie bekomme ich jemanden um 3.48 Uhr so wach, dass er merkt: Es passiert etwas“, fragt der zuständige Ordnungsdezernent Frank Motschull eher rhetorisch. Die Antwort: mit Sirenengeheul. „Es ist das beste System.“ Auch andere Städte wie Essen und Mülheim planen den Wiederaufbau von Sirenen, die in den 90er Jahren deinstalliert worden waren. Duisburg und Wesel haben ihr Warnsystem bereits umgerüstet.

Die 45 Sirenen werden so aufgestellt, dass sie die gesamte Stadt abdecken. Aber das Warnsystem soll auch nur regional zu bedienen sein. Ist also in einem Schadensfall nur der Norden betroffen, kann es sein, dass die Sirenen nur hier heulen werden.

Die Sirenen können unterschiedlich hoch gebaut werden. Auch Lautsprecherdurchsagen sollen möglich sein. Die elektronischen Hochleistungssirenen werden per Funk angesteuert und können einen Radius von bis zu 1000 Metern beschallen.

Stehen die Sirenen erst einmal, wird es zweimal im Jahr einen Probealarm geben, erklärt Gerd Auschrat, der Leiter der Feuerwehr.

>>>Bürgerversammlungen am 19. und 21. September

Der Umweltausschuss hat in seiner Sitzung einstimmig vorberaten, am 25. September stimmt der Rat über den Aufbau der Sirenen ab. In der Regel folgt der Rat der Vorberatung im Ausschuss.

Am 19. und 21. September finden Bürgerversammlungen in der Feuerwache 1 und 2 statt. Weitere Informationen dazu gibt die Stadt noch bekannt.

Ältere Menschen sollen besonders sensibel angesprochen werden, da sie zum Teil noch Erinnerungen an das Sirenengeheul im Zweiten Weltkrieg haben. Mit Bewohnern von Häusern, auf denen die Sirenen gebaut werden sollen, sei bereits gesprochen worden.

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