Soziokultur

40 Jahre Druckluft in Oberhausen – und kein bisschen leise

Bewusst kleinteilig sind die Räume des soziokulturellen Zentrums Druckluft in Oberhausen aufgeteilt. Seit 40 Jahren geht es im Stadtsüden um Konzerte, Jugendarbeit und eigenverantwortliche Projekte.

Bewusst kleinteilig sind die Räume des soziokulturellen Zentrums Druckluft in Oberhausen aufgeteilt. Seit 40 Jahren geht es im Stadtsüden um Konzerte, Jugendarbeit und eigenverantwortliche Projekte.

Foto: Ulla Emig / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Das soziokulturelle Zentrum Druckluft blickt in Oberhausen auf vier Jahrzehnte zurück. Für das kommende Jahr gibt es ein interessantes Ziel.

Der Schacht der ehemaligen Zeche Concordia ist schon lange stillgelegt – doch das Druckluft macht dafür umso stärker den Mund auf. Wahrscheinlich haben die Macher der ersten Stunde kaum daran gedacht, welche Bedeutung dem Jubilar vier Jahrzehnte später zugerechnet wird. Denn aus einem Freiraum für junge Leute ist im Stadtsüden ein aufmerksamer Bestandteil des kulturellen Kalenders geworden.

Druckluft beschließt das Feierjahr mit einem lockeren Jubiläumstreffen

Das wird gefeiert – eigentlich schon seit einigen Monaten. Ein komplizierter Festakt würde nicht in die DNA der Veranstaltungsstätte passen. Darum setzen sie nach alternativen Partys, Konzerten und Festivals nun zum Abschluss auf ein lockeres Jubiläumstreffen mit Vertretern aus dem gesellschaftlichen Stadtleben. Am Freitag, 22. November, wird ab 14 Uhr zurückgeblickt.

„Das Druckluft stand schon immer allen offen“, sagt Andreas Gadde vom Druckluft-Vorstand. Daher gibt es auch keine akribische Gästeliste, sondern eine freie Mischung aus knapper Unplugged-Musik und Grußworten von alten und jüngeren Weggefährten.

Idee für das Druckluft startete mit hitziger Diskussion über Jugendkultur

Als Verein zur Förderung unabhängiger Jugendeinrichtungen möchte man dann auch eine Kernaufgabe betonen: Jugendarbeit mit passender Betreuung. „Wir helfen mit, dass die Jugendlichen ihre Aktivitäten selbst organisieren können – und greifen ihnen zum Beispiel bei den passenden Räumen unter die Arme.“

Los ging es vor 40 Jahren – wie passend – mit 40 Menschen, die aus einer Jugendinitiative hervorgingen. Den ersten Treibstoff für einen eigenen Schaffensort, so berichten Zeitzeugen, legten Versammlungen in der ehemaligen Diskothek „Stratosphaere“ an der Klörenstraße in Styrum.

Dort hatten die Initiatoren provokant getitelt: „Ist es in unserer Stadt Strafe, jung zu sein?“ Fehlende Jugendzentren und Ärger um Lärmbeschwerden der Nachbarn der „Stratosphaere“ lösten die teils hitzigen Diskussionen aus. Letztlich gab es ein Happy End!

Ehemaliges Babcock-Gebäude steht stellvertretend für kulturellen Wandel

Ein Jahr später überließ die Stadt dem unterdessen gegründeten Verein „Druckluft e.V.“ das ehemals von der Firma Babcock genutzte Gelände für die Jugendarbeit.

Das in die Jahre gekommene Gebäude polierten die Helfer der ersten Stunde auf – bis heute ist der Komplex stets im Wandel. Bewusst kleinteilig gehalten, gibt es so kulturelle Orte für verschiedene Zwecke.

Von ihrem veganen Lokal „Schmackofatz“ mussten sie sich schweren Herzens trennen. Der Ort für Schlemmereien trug sich finanziell nicht mehr und sorgte für ein dickes Minus – seit dem Frühjahr bleibt deshalb die Küche kalt. Dafür gibt es weiterhin besondere Konzerte, die tief in die Vielfalt der Szene eintauchen. Punkig, rockig oder elektronisch – fernab des Mainstreams finden Fans im Druckluft Gehör.

Musikalische Vielfalt – und Hilfe für eigenständige Jugendarbeit

Ob Art-Rock wie bei den Red Paintings aus Australien oder den rotzigen Songs der Berliner Elektro-Punker Egotronic – die Reise durch musikalische Tiefen geht seit Jahrzehnten voran. Auch größere Namen wie Jupiter Jones und Klee gastierten schon neben dem Bero-Zentrum – von wegen nur Punkertreffen.

Es gibt längst nicht nur Nische. Neben einem Kleinod für besondere Stilrichtungen locken Mottopartys, die oft mehrere Hundert Nachtschwärmer ins Druckluft befördern. Dies sind wichtige Bausteine für traditionell nicht gerade überlaufende Kassen. Wie immer ist der Betrieb eine Mischkalkulation.

Fördergelder spielen eine entscheidende Rolle. Der große Wunsch für das kommende Jahr ist, die Energieversorgung der Gebäudeteile mit einer eigenen Solaranlage effizienter gestalten zu können. Die Weichen sind gestellt – aber beim Auspusten der Geburtstagskerzen kann zusätzliches Wünschen sicher nicht schaden.

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