Fridays for Future

300 Schüler trotzen bei Klimaprotestzug der Politiker-Kritik

Ihre Forderungen stehen auf Pappschildern: Rund 300 Schüler beteiligten sich in Oberhausen am „Fridays for Future“ am Protestmarsch für ein besseres Umweltverständnis.

Ihre Forderungen stehen auf Pappschildern: Rund 300 Schüler beteiligten sich in Oberhausen am „Fridays for Future“ am Protestmarsch für ein besseres Umweltverständnis.

Foto: Morris Willner

oberhausen.   300 Schüler marschieren zum Klimaprotestmarsch bis vor das Rathaus. Mehr Zuspruch als erwartet. Kritik von Erwachsenen lassen sie nicht gelten.

Der Regen prasselt auf Kapuzen. Doch so richtig stört das keinen. Abperlende Tropfen wischen sie mit den Händen aus dem Gesicht. Die Trillerpfeifen stecken im Mundwinkel. „Wir sind laut!“ Sie sind laut. Auf der Marktstraße marschiert die Kolonne von jungen Schülern der globalen Protestbewegung „Fridays for Future“ unüberhörbar Richtung Friedensplatz. Die Polizei schätzt: Knapp 300 junge Aktivisten sind dabei.

Ein ähnliches Bild gibt es in vielen europäischen Metropolen. London, Rom und Wien. Alleine in Nordrhein-Westfalen sollen es mehrere Zehntausend sein, die sich dem Schülerstreik anschließen, um – inspiriert durch die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg – für eine konsequentere Klima- und Umweltpolitik zu werben.

„Worum geht’s?“ – „Was mit Umwelt?“

Solche Aktionen laufen seit Wochen. Trotzdem recken noch immer Passanten irritiert ihre Köpfe zum Pulk der marschierenden Schüler: „Worum geht’s?“, „Was mit Umwelt?“, „Aha!“ Den bedrohlichen Klimawandel und das Problem von Verpackungsmüll konsequenter in die Köpfe der Menschen zu bringen, darum geht es vielen Schülern.

Immerhin: Auch einige Erwachsene haben sich dem Zug von der oberen Marktstraße über die Elsässer Straße, über den Friedensplatz bis zum Rathausvorplatz angeschlossen. Das Wetter schreckt nicht ab — im Gegenteil. Eigentlich hatten die Initiatoren die Demonstration für 80 Personen angemeldet. Nun sind es fast viermal so viele.

Auf den Plakaten der Schüler steht „ÖPNV statt SUV“, „Die Dinosaurier dachten auch, sie hätten noch Zeit“ und „Kohle in die Bildung statt in die Öfen“. Am Rathaus angekommen machen die Schüler mächtig Alarm. Trillerpfeifen im Anschlag.

Moral oder Doppelmoral?

Für ihren Einsatz für die Umwelt gibt es Lob — aber auch Vorbehalte aus der Erwachsenenwelt. Der Vorwurf lautet Doppelmoral: Während der Schulzeit für die Umwelt protestieren und danach bei McDonalds speisen und den Salat aus der Plastikschale mampfen? Jason Michalek hat den Klimaprotestzug in Oberhausen angemeldet und kennt solche Anmerkungen. „Man sollte das nicht verallgemeinern. Viele junge Menschen tun in kleinen Schritten etwas für die Umwelt. Mehr Bewusstsein zu schaffen, ist eine unserer Aufgaben. Und viele Jüngere achten sehr genau darauf!“ So wollen sie auch vor dem Rathaus die Kommentare von Teilen der Politik nicht gelten lassen, etwa die Aussage von FDP-Chef Christian Lindner aus einem Interview, die komplexen globalen Fragen müssten doch Profis regeln.

Lindner hatte anschließend darauf verwiesen, nicht Erwachsene, sondern Fachleute wie Wissenschaftler gemeint zu haben. Die Proteste seien außerhalb der Schulzeit besser aufgehoben.

Thema soll in den Köpfen kleben bleiben

Die Schwänzthematik sehen die Schüler allerdings nicht als Kern des Protestes. „Wir wollen, dass man uns auch zuhört“, heißt es aus einer Gruppe Mädchen, die im Pulk der Schüler vor dem Rathaus stehen. „Es geht darum, dass dieses wichtige Thema in den Köpfen der Erwachsenen kleben bleibt.“

Ein Langzeitprojekt, offensichtlich: Der Schülerprotest soll in den kommenden Wochen weitergehen.

>>> Kämpfer für das Klima vernetzen sich weltweit

Die Protestzüge von „Fridays for Future“ finden rund um den Erdball junge Anhänger. Dabei sind die Demonstrationszüge nicht unabhängig organisiert. Die Aktivisten tauschen sich im Vorfeld häufig über zentrale Whatsapp-Gruppen aus.

In den Schulen schließen sich Schüler in Arbeitsgemeinschaften zusammen, wie etwa am Bertha-von-Suttner-Gymnasium.

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