Sozialer Arbeitsmarkt

170 Langzeitarbeitslose arbeiten in staatlich bezahlten Jobs

Zieht eine positive erste Bilanz zum Teilhabechancengesetz: Geschäftsführer Uwe Weinand an seinem Schreibtisch im Erdgeschoss des neuen Jobcenters.

Zieht eine positive erste Bilanz zum Teilhabechancengesetz: Geschäftsführer Uwe Weinand an seinem Schreibtisch im Erdgeschoss des neuen Jobcenters.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Die erste Bilanz des Teilhabechancengesetz fällt nach Angaben des Jobcenters Oberhausen positiv aus. Dabei gilt es, einige Hürden zu überwinden.

Das Oberhausener Jobcenter hat bereits 170 Langzeitarbeitslose in die vom Staat zum Großteil bezahlten neuen Jobs in der Privatwirtschaft und bei Tochterunternehmen der Stadt vermittelt. Sie arbeiten als Helfer in Büros, in Familienunternehmen, in Gärtnereien, Kindergärten, Schulen und an Bahnhöfen für besseren Stoag-Service.

Die meisten Beschäftigten waren bereits zwei Jahre arbeitslos (gut 100 Fälle), die anderen waren zuvor mindestens fünf Jahre ohne irgendeine Arbeit. Die ehemaligen Langzeitarbeitslosen arbeiten in Oberhausen bereits seit einigen Wochen und Monaten bei ihrem neuen Arbeitgeber. Bisher hat nur ein einziger aufgegeben – und dies aus Gesundheitsgründen, weil er an einer Hautkrankheit leidet und Aufgaben mit viel Dreck nicht erledigen darf. Weil sich das Jobcenter bei der Vermittlung auf Familien mit schulpflichtigen Kindern konzentriert, sind die meisten einstigen Arbeitslosen zwischen 35 und 45 Jahre alt.

Mit einigem Stolz und Zuversicht

Dieses insgesamt recht positive Ergebnis verkündet Jobcenter-Geschäftsführer Uwe Weinand im Interview mit einigem Stolz und Zuversicht. „Wir erreichen dies, weil wir uns sehr viel Mühe geben, im Vorfeld die passenden Arbeitgeber und den passenden Arbeitslosen zusammenzubringen. Dabei ist es sehr wichtig, dass genau geklärt wird, welche konkreten Arbeiten der Arbeitslose machen muss und wie er dabei angeleitet wird.“

Das Jobcenter nutzt eine neue Regelung durch das seit 1. Januar geltende Teilhabechancengesetz im Sozialgesetzbuch II zur Eingliederung von Langzeitarbeitslosen. Demnach erhalten Arbeitgeber Lohnkostenzuschüsse von bis zu 100 Prozent, wenn sie Arbeitslosen eine neue Chance geben. Im Unterschied zu früheren Jobförderprogrammen werden die neuen Tätigkeiten nach Tarifvertrag bezahlt; kein Arbeitsloser wird dazu gezwungen.

Dem Jobcenter Oberhausen stehen so viele Gelder zur Verfügung, dass damit insgesamt 600 Jobs in Unternehmen und im Konzern Stadt gefördert werden können. „Wir setzen dabei nicht auf Eile, wir wollen kein billiger Jakob sein, um alle möglichen Stellen zu besetzen, sondern wollen mit hoher Qualität passgenau die Menschen vermitteln“, sagt Weinand.

Wenn es mal hakt, greift ein Coach ein, der zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vermittelt. Denn im Arbeitsalltag kommt es öfter zu Missverständnissen: Mal traut sich der Arbeitslose doch nicht eine bestimmte Arbeit zu - und bleibt einfach dem Arbeitsplatz fern. Oder er weiß einfach nicht mehr, dass man sich bei einer Erkrankung beim Arbeitgeber abmelden muss. Dann hilft der Coach, der in Oberhausen in der Regel von Kurbel, ZAQ und Ruhrwerkstatt gestellt wird.

100 Arbeitsplätze in der Kernverwaltung

Auf Drängen von SPD, Grünen und FDP hatte der Rat der Stadt einstimmig beschlossen, dass in der Kernverwaltung insgesamt hundert neue Jobs für Arbeitslose nach dem Teilhabechancengesetz eingerichtet werden. Die ersten Arbeitsplätze werden nun in der zweiten Halbzeit zunehmend besetzt.

Das Interesse der Arbeitslosen ist nicht überall groß, viele zeigen sich zunächst skeptisch. „Es ist nicht so, dass alle 15.000 Arbeitslosen in Oberhausen darüber jubeln. Es ist recht aufwendig, die Leute zu überzeugen, dass das für sie eine tolle Perspektive ist“, sagt Weinand. Dem liege in der Regel keine Faulheit der einzelnen Hartz-IV-Empfänger zugrunde, sondern: „Vielen fehlt das Selbstbewusstsein. Sie trauen sich bestimmte Arbeiten nicht mehr zu, haben Ängste vor Chefs oder wissen nicht mehr, wie man neben einem Beruf seinen Alltag organisiert. Dafür hatten sie ja bisher den ganzen Tag Zeit.“

Den festgelegten Grundsatz, nur jene Arbeitslosen in diese stark subventionierten Arbeitsplätze zu vermitteln, die diese Aufgabe freiwillig wahrnehmen, findet Jobcenter-Chef Weinand richtig. „Eine Zwangsverpflichtung bringt ja nichts, das würde keinem Arbeitgeber helfen.“

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