Upcycling-Projekt

Zweite Chance für ausrangierte Sportgeräte

Aus alten Sportgeräten Neues schaffen. Die VHS und der Mülheimer SportService führen ein Projekt mit Schülern der Realschule an der Mellinghofer Straße durch.

Foto: Michael Dahlke

Aus alten Sportgeräten Neues schaffen. Die VHS und der Mülheimer SportService führen ein Projekt mit Schülern der Realschule an der Mellinghofer Straße durch. Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Elf Schüler der Internationalen Klasse der Realschule Mellinghofer Straße haben in der VHS aus alten Turnkästen neue Möbel gebaut.

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Sie wollen etwas tun für die Umwelt, aber auch für ihre Klassenkameraden: Elf Schüler der Internationalen Klasse der Realschule Mellinghofer Straße haben in einem Kurs an der VHS aus alten Turnkästen neue Möbel gebaut. Truhen zum Aufbewahren und Sitzen, ein Sideboard für den Chill-Raum oder auch ein Stiftmäppchen aus alten Fahrradschläuchen – „upcycling“ heißt diese kreative „Zweckentfremdung“ von Dingen, die man ansonsten weggeworfen hätte, auf Neudeutsch.

„Mir hat’s Spaß gemacht“, meint Rama stolz. Denn ganz nebenbei zum Handwerk hat die zwölfjährige Syrerin auch neue Freundschaften geschmiedet und an ihrem Sprachwissen gefeilt. „Hier haben wir Scharniere eingebaut“, zeigt sie auf den aufklappbaren Truhendeckel, der früher wohl die lederbezogene Spitze eines Turnkastens war.

Stiftmäppchen aus alten Fahrradschläuchen

Mit Hilfe des Schreiners Michael Kobjolke und Nora Rütten, die den Kurs an der VHS leitet, fertigten Rama, Yoana (16) und Abid (14) auch einen Boden für die Truhe an. „Erst haben wir uns vermessen, der Boden war zu klein“, sagt Abid, der ebenfalls aus Syrien stammt. Aber mit einem verschraubten Querbalken haben die Junghandwerker das Problem im Handumdrehen kreativ gelöst.

Um diese vielseitige Verbindung aus Handwerk, interkultureller Kommunikation und Bildung geht’s in diesem viertägigen VHS-Kurs auch vornehmlich, „die Zusammenführung solcher Kompetenzen gehört zu unseren Kernaufgaben“, betont VHS-Chefin Annette Sommerhoff. Finanziert wurde es mit Mitteln aus einem Fördertopf des Bundesprojekts „Kultur macht stark“, der Jugendliche mit geringeren Zugangschancen zur Bildung fördern will. So sind eben viele der Kursteilnehmer aus Krisengebieten wie Syrien geflüchtet. Für Sommerhoff sind Projekte wie dieses ein willkommener „Türöffner“, der gerade ein junges Publikum für die VHS gewinnen kann.

Bevor sie praktisch im Atelier an die Arbeit gingen, lernten die Jugendlichen am Vormittag, welche und wie viele Ressourcen sie in ihrem ganz normalen Alltag verbrauchen. „Einige waren erschrocken, welchen ökologischen Fußabdruck sie täglich hinterlassen“, erzählt Kursleiterin Nora Rütten: viel Fleischkonsum, regelmäßige Flüge schlagen besonders zu Buche – für manchen würde eine Welt nicht reichen.

Mehr tauschen und teilen

„Mehr tauschen und teilen“, entwickelten die Teilnehmer als Lösung, denn viele der jungen Menschen stammen aus Ländern, in denen die Wegwerf-Kultur weit weniger verbreitet ist als bei uns. Die Truhe ist inzwischen fast fertig, auch dem neuen Sideboard fehlen nur noch die Rollen, „jetzt könnten wir sie noch dekorieren“, überlegt Rama. Am Gründonnerstag wurde der Kurs mit einer Präsentation abgeschlossen, danach können die aufgewerteten Möbelstücke in den „Chill-Raum“ ihrer Schule wandern.

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