Klima

Zu wertvoll für eine Bebauung?

Der Flughafen Essen/Mülheim ist laut Ruhruni Bochum ein bedeutender Frischluftproduzent.

Foto: Hans Blossey

Der Flughafen Essen/Mülheim ist laut Ruhruni Bochum ein bedeutender Frischluftproduzent. Foto: Hans Blossey

Eine Klimatologin erklärte die Auswirkungen von Bebauung auf die Kaltluftzufuhr für die Stadt. Danach dürfte der Flughafen nicht bebaut werden...

Unter rein klimatologischen Gesichtspunkten müssten die Planungen für das Flughafengelände sofort eingestellt und auch im Rumbachtal keine weitere Bebauung mehr vorgenommen werden. Das ist das Ergebnis einer Präsentation der Ruhruni Bochum, die den Mitgliedern des Planungsausschusses wieder einmal vor Augen führte, wie groß widerstreitende Interessen sein können. Dass Klima- und Kommunalpolitik häufig nicht zueinander finden, ist bereits mehr als bekannt. Schließlich kann das Klima nicht liefern, was eine Kommune mit neuen Gewerbe- und Wohnbauflächen zu generieren versucht: Geld.

Allerdings ist es in der Innenstadt bereits jetzt acht Grad wärmer als im Rumbachtal, das mit seinen noch freien Hängen einer der signifikantesten Kaltluft-Lieferanten für die City ist. Und noch funktioniert. Die Betonung liegt auf noch. Denn mit der immer weiteren Erschließung von Bauflächen auch im Rumbachtal bewege sich Mülheim auf eine klimatische Grenze zu. Das sagt Dr. Monika Steinrücke.

„Die Hitzewetterlagen werden sich in den kommenden 50 Jahren verdreifachen.“

Die Klimatologin der Ruhruni Bochum untersucht das Tal nahe der Innenstadt regelmäßig auf seinen Kaltlufteinfluss und stellte ihre neuen Ergebnisse jetzt im Planungsausschuss vor. Und je mehr Hänge im Rumbachtal zugebaut werden, desto weniger Kaltluft werde produziert und desto weniger dieser Luft könne durch das Rumbachtal und über den Dickswall in die Innenstadt gelangen. Die Folge: Die Kaltluft reicht nicht mehr weit genug in die City hinein, die sich dadurch immer weiter aufheizt.

Durch die Klimaerwärmung werde es dann auch nicht bei dem Temperaturunterschied von derzeit acht Grad bleiben, so die Klimatologin, die im Gespräch mit der Redaktion präziser wird: „Die Hitzewetterlagen werden sich in den kommenden 50 Jahren verdreifachen.“ Das heißt: Die Tage mit teils unerträglicher Hitze nehmen zu. Und damit, sagt Steinrücke, komme der Gesundheitsaspekt hinzu.

Für Stadt und Politik ist das Gelände zu lukrativ

Umso wichtiger sei es, dass Mülheim ausreichend Freifläche vorhalte, um genügend Kaltluft zu produzieren, sagte Steinrücke im Ausschuss und lenkte damit den Blick zwangsläufig auf das Flughafengelände. Und ihre Aussage ist eindeutig: Unter klimatologischen Gesichtspunkten müsste das Areal so bleiben wie es ist. Große Freiflächen wie in Raadt seien schließlich die Kaltluftproduzenten schlechthin. So produziere der Flughafen im nördlichen Bereich Kaltluft für die Innenstadt, während der südliche Bereich Kaltluft produziere, die ins Ruhrtal abfließe.

Werde diese klimatische Produktionsfläche nun überplant, bleibe einzig das Rumbachtal. Die dort freien Hanglagen seien aber bereits jetzt zu wenig, um auch die Innenstadt mit kalter Luft zu versorgen. Darauf dürfte es aber hinauslaufen. Schließlich ist das Gelände aus der Sicht von Politik und Verwaltung schlicht zu lukrativ, um es so zu belassen. Besonders vor den finanziellen und strukturellen Problemen, vor denen die Stadt steht.

Wenigstens an Freiluftschneisen denken

In der vergangenen Woche trafen sich Akteure aus Essen und Mülheim zum dritten Workshop, um einen Masterplan für das Gelände zu entwickeln, wenn der Flugbetrieb dort endet. Spätestens 2034 wird es nach derzeitigem Stand soweit sein. Und bereits in diesem Jahr soll der Masterplan beschlossen werden, wie auch immer er am Ende genau aussehen wird. Aber: Dass nichts auf dem Flughafenbetrieb entsteht, das sieht der Masterplan in keiner Weise vor.

Insofern blieb Klimatologin Dr. Monika Steinrücke nichts anderes übrig, als dazu zu raten, zumindest bei allen kommenden Planungen für Bauflächen den klimatischen Aspekt zu berücksichtigen - „öffentlichen wie privaten“. Besonders müsse man in der Bebauung auf Frischluftschneisen achten. Nicht so wie beim Ruhrquartier. Diese Gebäude wirkten wie ein Riegel für die Frischluft, die auf der Ruhr entstehe und nicht in die Innenstadt gelange.

>>> Bäume reduzieren die Temperatur um zehn Grad
Die Auswirkungen von Bäumen erklärte Klimatologin Steinrücke ebenfalls im Ausschuss. Demnach können Bäume die Temperatur durch ihren Schatten um zehn Grad reduzieren. Die Höhe spielt vor allem bei Straßen mit starkem Verkehr eine Rolle. Dort müssten sie hoch sein, damit sie keine Kronendächer bildeten und die Abgase speicherten, sagte Steinrücke.

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