Ausstellung

Zenaida Pulic stellt Porträt-Fotos in der Camera Obscura aus

Die Fotografin Zenaida Pulic vor ihrem Porträt des Künstlers Jems Koko Bi in der Camera Obscura.

Die Fotografin Zenaida Pulic vor ihrem Porträt des Künstlers Jems Koko Bi in der Camera Obscura.

Foto: Martin Möller / Funke Foto Services

Mülheim.  Die Fotografin Zenaida Pulic stellt ab Sonntag Porträts in Mülheim aus. Bei der Aufnahme gehen analoge Fotografie und Smartphone Hand in Hand.

Das markante Gesicht faszinierte Zenaida Pulic auf den ersten Blick. Hut, Schal, Mantel und der charakteristische Bart verliehen dem Mann eine extravagante Erscheinung, aber vor allem war es die unbeschreibliche Ausstrahlung des Mannes, die die junge Frau, die gerade auf dem Weg zur Uni in Essen war, faszinierte.

„Du musst ihn ansprechen, ob er für dich Modell sitzt“, dachte sie sich, hatte aber Hemmungen, in der Bahn einen fremden Menschen anzusprechen. „Wenn ich eine Visitenkarte dabei habe, dann wirkt das seriös und professionell, dann spreche ich ihn an“, nahm sie sich vor und so machte sie es.

Es begann mit einem charismatischen Unbekannten

Wie sich später herausstellte, war ihr Gegenüber einer der bekanntesten Künstler Afrikas, Jems Koko Bi, der für die Elfenbeinküste bei der Biennale in Venedig teilgenommen und auch zur Documenta in Kassel eingeladen worden war. Doch das ahnte sie noch nicht. Der charismatische Unbekannte versprach, sich zu melden und sagte den Studiotermin schon am nächsten Tag telefonisch zu. Bei der Sitzung entstand dann das Titelbild der Ausstellung „Relikt RZ 67“, die am Sonntag um 11 Uhr in der Camera Obscura eröffnet wird.

Die Abkürzung bezieht sich auf den Kameratyp, den Pulic im Studio aufgebaut hatte, eine Mamiya Mittelformatkamera, bei der man von oben in einen Sucher blickt. Die Kamera spielt in der dort präsentierten Schau aber dann doch nur eine Statistenrolle. „Der Film enthält zehn Schüsse, die dann sitzen müssen“, erklärt Pulic ihre Faszination für die analoge Fotografie. Die Kunst besteht also darin, die Person zu positionieren, das Licht so zu setzen, den Ausschnitt so zu wählen und dann auf den passenden Ausdruck zu warten, so dass es nahezu perfekt ist.

Ein Faible für Schwarz-Weiß

„Diese Planung schärft die Sinne, man muss sich konzentrieren und mit dem Auge alles kontrollieren.“ Digitale Fotografie dagegen verleite zur Oberflächlichkeit und Beliebigkeit. Außerdem hat die junge Fotografin ein Faible für Schwarz-Weiß, das den Kern, die Magie, die von einem Menschen ausgeht, besser einfangen kann. Farbe neige dazu, vom Eigentlichen abzulenken. Ihr ist es wichtig, dass ihre Modelle so kommen, wie sie sich wohlfühlen, am besten repräsentiert fühlen. Die Kleidung könnte dann vom Gesicht, von den Augen ablenken.

Als Jems Koko Bi kam, hat er sie direkt aufgefordert: „Sag mir, was ich machen soll.“ Die beiden haben sich aber erst einmal zwei Stunden unterhalten, ehe sie ihn vor der Linse postierte und abdrückte. Schon da fotografierte sie mit mit ihrem Handy, einem I-Phone 6s. Sie fotografierte nicht ihn, sondern sein Abbild, das auf dem Sucher der Kamera zu sehen war, mit einem Teil des Gehäuses.

Das Resultat wirkt mysteriös

Das Foto wird dann auf ein Großformat von 150 mal 112 Zentimeter aufgeblasen. Das Resultat irritiert auf den ersten Blick, wirkt mysteriös. Man sieht die Person wie durch einen dünnen Schleier, in der Mitte zeichnet sich der Fokussierpunkt der Kamera als scharfer Kreis ab. Am Rand sind Justierringe und Knöpfe der Kamera eher zu erahnen als klar erkennbar. Die entstandenen Porträts haben Charakter, sind durch die leichte Unschärfe womöglich noch persönlicher und natürlicher als in der makellosen Perfektion eines Digitalfotos. Koko Bi fühlte sich immerhin so gut getroffen, dass er dieses Foto auch für den biografischen Teil seiner Kataloge verwendet.

Auf die Idee zu diesem Konzept kam Pulic zufällig. Sie traf einen ehemaligen Mitschüler, Chen-Long, und war auch von seinem Gesicht gefesselt. Sie lud ihn in ihr Studio ein, wollte ein klassisches Porträt mit einem Schlaglicht von rechts machen. Nur damit er eine Vorstellung von ihrem Bild hatte, fotografierte sie den Sucher mit dem Handy und fand, „das Konzept hat doch was!“ Das Nebenprodukt wurde zum Kern.

Professoren werben für das Museum

Sechs Personen hat sie inzwischen auf diese Art porträtiert und ihre Abschlussarbeit in Kunst darüber geschrieben. Als Referendarin hat die Duisburgerin dann wiederholt das Museum in der Camera Obscura besucht, für die ihre Professoren in Essen eifrig werben. Sie lernte auch noch Werner Nekes kennen, der ihr seine Objekte zeigte.

An der Camera Obscura begeistert sie, dass man hier nicht nur sehen, sondern auch anfassen und ausprobieren kann. Mit Jörg Schmitz kam sie dann rasch ins Gespräch, der ihr für Versuche und Experimente aus den Kindertagen der Fotografiegeschichte Tricks und Tipps verriet. Und bei einem Blick auf ihre Internetseite war jener dann ganz begeistert.

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