Zeitzeugen

Zeitzeugen erinnern sich an Zeit ohne Spülmaschine & Co.

Lesung in der Buchhandlung am Löhberg "Mutti hat jetzt Zeit für uns": Dieter Schilling, Jutta Loose, Ruthilde Anders, Horst Heckmann und Karl Heinz Ruthmann (v.l. am Tisch) erzählen von ihren Erinnerungen.

Lesung in der Buchhandlung am Löhberg "Mutti hat jetzt Zeit für uns": Dieter Schilling, Jutta Loose, Ruthilde Anders, Horst Heckmann und Karl Heinz Ruthmann (v.l. am Tisch) erzählen von ihren Erinnerungen.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  „Mutti hat jetzt Zeit für uns, denn sie kocht elektrisch“: Mülheimer Zeitzeugen blicken zurück in die Vergangenheit ohne elektrische Helferlein.

Die Errungenschaften der technischen Entwicklung brachten gerade im Bereich des privaten Haushalts eine Unmenge an Arbeitserleichterung mit sich. Trotzdem wird gerne heutzutage gestöhnt, wenn das Putzen, Kochen oder Waschen mal wieder bevorsteht. Dass sich die Angelegenheit schnell relativiert, zeigte die Lesung der Zeitzeugen in der Buchhandlung am Löhberg mit dem Titel „Mutti hat jetzt Zeit für uns, denn sie kocht elektrisch“, bei der ein Blick zurückgeworfen wurde in die Zeit vor Waschvollautomat und Spülmaschine.

Wie mühselig das Reinigen von Textilien vor Einführung von Maschinen vonstatten ging, schilderte die 84-jährige Ruthilde Anders. Als Kind lebte sie auf einem Bauernhof in Hinterpommern und war Augenzeuge der „großen Wäsche.“ Was heute in einer Stunde erledigt werden kann, benötigte damals einen ganzen Tag. „Der Waschtag war immer ein arbeitsreicher Tag“, erinnert sich Anders.

Wäsche wurde unter Stampfen und Rühren gekocht

Begonnen wurde schon am Abend zuvor: „Unter dem Waschkessel wurde ein Feuer gemacht und in dem warmen Wasser wurden Handtücher und Bettwäsche eingeweicht“, erzählt Anders. Am nächsten Morgen erfolgte die Spülung der Wäsche und das Kochen in einer Lauge unter Stampfen und Rühren. Nach dieser Prozedur war weitere Handarbeit vonnöten: Mit Hilfe eines Waschbretts wurden die Textilien in einer Bütte gerubbelt, um festsitzenden Schmutz zu lösen.

Zum Ausspülen kam dann alles in eine mit Wasser gefüllte Wanne, bevor es zum Trocknen auf die Leine ging – entweder bei gutem Wetter draußen, sonst auf dem Dachboden. Gebügelt wurde die Wäsche natürlich auch: „Das Bügeleisen war groß und schwer und wurde mit glühender Holzkohle gefüllt“, berichtet Anders.

Windeln wurden noch ausgekocht

Vom Waschen ein Lied singen, kann auch Dieter Schilling. Er entführte die Zuhörer in die Zeit der Stoffwindeln. Bis in die Zeit der 70er-Jahre die einzige Möglichkeit, großen Malheurs kleiner Babys vorzubeugen. Mit seiner Ehefrau teilte er sich die Reinigung der Stofftücher: „Meine Frau war die Wäscherin, ich der Wasserträger und Auswringer.“ Ausgekocht wurde der Schmutz mit einem speziellen Windeltopf auf dem Herd. Später konnte der Topf durch eine der ersten Waschmaschinen – ausgestattet mit Wellenrad - ersetzt werden.

Karl Heinz Ruthmann widmete sich der Essenszubereitung in seiner Lesung. Von ihm erfuhr man, was sich alles aus einer Schweineschulter herstellen lässt. Jutta Loose gab einen Einblick in ihre vergeblichen Versuche, Sandwiches mit dem Waffeleisen hinzubekommen. Und der 91-jährige Horst Heckmann verriet, wie seine Mutter von einem gewieften Geschäftsmann mit angeblich unzerbrechlichen Schüsseln getäuscht wurde.

Das Publikum in der bis zum letzten Platz gefüllten kleinen Buchhandlung am Löhberg wurde durch die erheiternden Erzählungen der Vortragenden gut unterhalten. Und so mancher wird dadurch eine Anregung gefunden haben, sich mit der Historie der Haushaltsgeräte weiter zu beschäftigen.

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