Nachhaltiger Unterricht

Zeitzeugen berichten Luisenschülern vom Leben in der DDR

Die DDR Zeitzeugen Peter Keup und Sigrid Richter besuchten die Klasse 8c an der Luisenschule im Rahmen der Nachhaltigkeitstage.

Foto: Oliver Müller

Die DDR Zeitzeugen Peter Keup und Sigrid Richter besuchten die Klasse 8c an der Luisenschule im Rahmen der Nachhaltigkeitstage. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Was unterscheidet Diktatur und Demokratie? Die DDR-Zeitzeugen Peter Keup und Sigrid Richter erklärten dies Schülern sehr einprägsam.

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Wie demokratisch war eigentlich die Deutsche Demokratische Republik? Das wollen Achtklässler der Luisenschule genauer wissen. Deshalb luden sie sich mit ihren Lehrern Beate Schulte und Andreas Wortberg zwei Zeitzeugen ein, die in der DDR gelebt und unter der SED-Diktatur gelitten haben.

„Uns geht es um nachhaltiges Erinnern“, erklärte Schulte das Ziel des Projektes. „Ihr wisst mehr, als man von 14-Jährigen erwarten kann und ihr stellt gute Fragen“, bescheinigten Sigrid Richter (65) und Peter Keup (59) ihren jungen Zuhörern. Man merkte den Schülern im dreistündigen Zeitzeugengespräch an, dass sie sich vorab in Büchern und im Internet über die DDR, ihr politisches System und ihren Alltag schlau gemacht hatten.

Eine persönliche Geschichte

„Und doch ist es etwas anderes, ob man Fakten im Internet und Büchern nachliest oder eine persönliche Geschichte aus der Zeit hört, in der Deutschland geteilt war,“ meinte Schülerin Lea. Das konzentrierte Zuhören und gezielte Nachfragen der Jugendlichen zeigte, dass die authentischen Zeitzeugenberichte über die Schattenseiten der DDR bei ihnen nachhaltig wirkten.

Richter und Keup wurden während der frühen 80er Jahre verhört und inhaftiert, weil sie frei sein und von Ost- nach Westdeutschland übersiedeln wollten.

Den Schülern stockte hörbar der Atem, als sie erfuhren, dass Richter und Keup ihren Beruf als Lehrer nicht mehr ausüben konnten und die Schule verlassen mussten, weil ihnen von der DDR-Führung „Republikflucht und Verrat am Kommunismus“ vorgeworfen wurde. Die Betroffenheit war ihnen auch anzusehen, als sie von Richter erfuhren, dass sie durch die Haft fast drei Jahre von ihrem Mann und ihrem Sohn getrennt wurde und die Familie erst im Januar 1987 im Westen Deutschlands wieder zusammen kam, nachdem sie von der Bundesrepublik für 100 000 D-Mark pro Person freigekauft wurden.

Spitzelberichte über Familienangehörige

Auf dem gleichen Weg kamen auch Peter Keup, seine Eltern und sein älterer Bruder Mitte der 80er Jahre nach Essen, wo die Eltern ihres Vaters lebten. Der war 1956 als überzeugter Kommunist in die DDR übergesiedelt. Das ließ die Schüler ebenso nachdenklich werden, wie Keups Bericht über die Lektüre seiner Stasi-Akten im Jahr 2013. Denn bei dieser Gelegenheit erfuhr Keup, dass sein älterer 1993 verstorbener Bruder 1983 von der DDR-Staatssicherheit verpflichtet wurde, Spitzelberichte über seine Familienangehörigen zu schreiben.

Vielen Schülern ging es wie dem Achtklässler Alexander, der in der abschließenden Reflexionsrunde des Zeitzeugengespräches einräumte: „Ich habe heute sehr viele Informationen aufgenommen, die ich erst mal verarbeiten muss. Im Moment fehlen mir noch die Worte, um meine Eindrücke zu beschreiben.“

Seid kritisch und hinterfragt

„Bitte, seid kritisch und hinterfragt, was ihr hört und lest“, bat Richter ihre Zuhörer. Und Keup machte deutlich. „Ihr müsst euch bilden und informieren, um zu erkennen, dass die Demokratie die beste Staatsform ist und deshalb bewahrt werden muss, damit es nie wieder zur Diktatur kommt. Ihr solltet auch den heutigen Flüchtlingen mit Respekt begegnen, die frei und selbstbestimmt leben wollen.“

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