Freiwilligendienst

Wie junge Kräfte Mitarbeiter in Mülheim freiwillig entlasten

Beim Dümptener TV in Mülheim sind Luca Gesimo (l.) und Tim Neukirch in ihr Freiwilliges Soziales Jahr gestartet. Betreut werden sie von Nicole Ritter.

Beim Dümptener TV in Mülheim sind Luca Gesimo (l.) und Tim Neukirch in ihr Freiwilliges Soziales Jahr gestartet. Betreut werden sie von Nicole Ritter.

Foto: Morris Willner

Mülheim.  In vielen Einrichtungen haben Schulabgänger und Orientierungslose ein FSJ oder einen BFD begonnen. Und sind potenzielle Mitarbeiter die Zukunft.

Viele junge Menschen haben im August oder September ein Jahr angetreten, in dem sie sich auf freiwilliger Basis in den Dienst für Fremde stellen. In Mülheim helfen die zumeist jungen Leute in den Bereichen Soziales, Kultur oder auch Sport. Neben der Orientierung für die jungen Menschen bedeutet dies eine Entlastung für Ehrenamtliche. Die Bindung an die ehrenamtliche Tätigkeit selbst gelingt dagegen nicht immer.

Es gibt generell zwei Formen der freiwilligen Arbeit: Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) sowie den Bundesfreiwilligendienst (BFD). Während das FSJ auf junge Menschen bis 27 Jahre zugeschnitten ist, hat der BFD keine Altersgrenze. Der Großteil absolviert in Mülheim ein FSJ. Schwierigkeiten bei der Suche nach den jungen Kräfte gebe es nicht, sagen die Anbieter. Beim Mülheimer Sportbund (MSB) gibt es in diesem Jahr wieder zwei FSJler. „Die Abiturienten werden immer jünger, viele unserer Bewerber wollen Lehramt oder Sport studieren und bekommen einen ersten Einblick in die Sportwelt“, erklärt Karolin Kügler. Das Interesse sei vorhanden, manchmal würden die jungen Menschen allerdings die Bewerbungsfrist versäumen.

Vereine und Verbände mit ihren Ehrenamtlichen werden durch die jungen Freiwilligen entlastet. „Die Arbeit in den Vereinen kann dadurch hochgehalten werden. Der Schritt zum Ehrenamt nach dem freiwilligen Jahr ist aber relativ groß“, sagt Kögler. Beim MSB hat die FSJlerin aus dem vergangenen Jahr nun direkt im Anschluss eine Ausbildungsstelle beim MSB angetreten – optimal aus Sicht des Sportbundes. Dies sei aber die Ausnahme.

Als Übungsleiter weiter im Verein

Beim Dümptener TV arbeiten seit zwei Wochen mit Luca Gesimo und Tim Neukirch zwei junge Herren. Sie helfen dem Team in der Geschäftsstelle um Nicole Ritter, werden aber demnächst auch in den Sportgruppen als Helfer oder sogar Leiter aktiv. „Viele sind Übungsleiter geworden und wurden danach im Verein eingesetzt“, erzählt der Vorsitzende Ingo Flieg. Für Vorstandsarbeit fehle den jungen Menschen noch Erfahrung. „Sie müssen erstmal etwas beruflich gelernt haben, das hat auch Priorität“, denkt Flieg, der natürlich mit offenen Armen Freiwillige empfängt.

Je nachdem, welche Erfahrungen die jungen Freiwilligen bereits mitbringen oder durch ein Studium lernen, können sie ehrenamtlich (optional auch mit geringer Aufwandsentschädigung) nach Abschluss ihres Jahres eingesetzt werden. Beim der AWO sind derzeit drei FSJler und zwei BFDler eingesetzt. Unter anderem beim Spielmobil, wo einige nach ihrem Freiwilligendienst weiterhin als Betreuer arbeiten – in der Regel auf Honorarbasis. Dadurch erweitert sich der Mitarbeiterpool. In den sozialen Einrichtungen wie dem Zentrum für Arbeit und Rehabilitation sei die Bindung der jungen Menschen eine Unterstützung. „Sie haben im Alltagsgeschäft oft mehr Zeit für die Betreuung, das kommt gut an“, sagt Uta Spath aus der AWO-Geschäftsstelle.

Bei dem anderen großen Sozialverband, der Caritas, sind ebenfalls einige Freiwillige für ein Jahr bei den Sozialdiensten aktiv. Die Koordination erfolgt über das Bistum Essen. Eingesetzt sind die jungen Kräfte etwa beim Marinenhospital oder dem Engelbertstift. Zurzeit sind 21 Plätze belegt, weitere könnten noch im Oktober besetzt werden. Darüber ergeben sich nicht immer ehreamtliche Tätigkeiten im Nachgang. Vor allem, weil der berufliche Werdegang im Fokus steht oder die jungen Leute zwecks Studium oder Ausbildung umziehen.

Ausgeschlossen ist ein Einsatz an anderer Stelle aber nicht: „Dann hilft dies auch der Gesellschaft. Selbst, wenn die ehemaligen Freiwilligen später Entscheidungen für Benachteiligte treffen oder Sponsoring betreiben“, merkt Birgitta Kelbch von den Freiwilligendiensten des Bistums an. Die Quote derjenigen, die wegen Unzufriedenheit abbrechen, sei gering, die Bedeutung ihres Dienstes groß.

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