Theater-Premiere

Was Krieg und Flucht aus den Menschen macht

Liebe in Zeiten des Krieges: Amal Omran und Mohamed Alrashi Foto:G. Bresadola

Liebe in Zeiten des Krieges: Amal Omran und Mohamed Alrashi Foto:G. Bresadola

„Your Love is Fire“, das erste Stück von Ma’louba, wird vom Premierenpublikum im Theater an der Ruhr begeistert gefeiert

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Einer Katze kann eine Maus nur in Ausnahmefällen entwischen. Die Katze genießt ausdauernd die Qualen seines Opfers, gibt ihm kurz die Illusion der Freiheit, um es sich dann wieder zu krallen. Das Video eines Katz- und Maus-Spieles läuft im Wechsel mit Szenen von Demonstranten in Syrien und martialischen Militäraufmärschen. Die Parallelität drängt sich auf.

Zu Beginn des Stücks „Your Love is Fire“ des Theaterkollektivs Ma’louba (Text: Mudar Alhaggi, Regie: Rafat Alzakout) sitzt ein Mann vor einem Fernseher, der sich später als fiktiver Autor des Stücks erweist, das von der Ausgangssituation so harmlos wie eine Boulevardkomödie erscheint. Die Filmschnipsel sind wie seine Erinnerungsversuche, sich in das Leben und die Situation in der Heimat wieder einzufühlen.

Dabei hat er, endlich im Flüchtlingsheim angekommen, ganz andere Probleme. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass bei der Premiere im ausverkauften Theater an der Ruhr, als zu den Bildern aus der Heimat Musik erklingt, einige syrische Besucher rhythmisch mitklatschen. Das arabischsprachige Publikum geht mit, lacht bei Anspielungen, applaudiert oder hält konzentriert die Luft an. Vor allem, als der Satz fällt, „Ich wünsche mir ein Leben ohne Armee, ohne Blut und ohne Krieg“, brandet lebhafter Szenenapplaus auf.

Auch für das deutschsprachige Publikum lohnt es sich, weil die Gefühle, wie der Krieg die Menschen verändert, gut nachvollziehbar sind. Khaldoun, der Soldat, der von seiner Freundin zum Desertieren aufgefordert wird, hat Angst zu verrohen. Doch das ist er längst. Aus Eifersucht hält er ihr einmal die Waffe an den Kopf. „Die Einsamkeit und die Hoffnungslosigkeit fressen mich auf. Jeden Tag sieht der Mensch, den ich liebe, dem Tod ins Auge“, sagte sie.

Die Schreibblockade des Autors, dessen Not eine mutige Nacktszene im Dunkeln illustriert, spüren die Spieler. Es gibt keinen Schluss, die Handlung ändert sich und Hala fühlt sich von dem Autor, den sie liebt, doppelt im Stich gelassen. „Ich bereue die Hoffnung, die ich in dich gesetzt habe“, sagt sie, nachdem sie dem Tod knapp entkommen ist.

Ein starker und eindrucksvoller Abend, den sich niemand, mit oder ohne Fluchterfahrung, entgehen lassen sollte. Nächster Termin am Raffelberg : 16. Juni, 19.30 Uhr

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